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23.01.2004

06:45 Uhr

Nachgefragt: Thomas Ebeling

“Wir sehen den Wert von Größe”

Das Handelsblatt sprach mit Thomas Ebeling, dem Leiter Pharmasparte bei Novartis, über die Zukunft der europäischen Pharma-Branche.

Aventis spricht mit Sanofi, Novartis hat seinen Anteil bei Roche erhöht. Wie sieht der europäische Pharmamarkt in fünf Jahren aus?

Es wird mit Sicherheit deutlich weniger Player geben als heute. Die Franzosen schliessen sich zusammen. Bayer wird sich dem Gedanken öffnen, mit anderen zusammenzugehen. Für Novartis ist Roche eine gute Verbindung. Das wäre dann die Schweizer Lösung. Grösse ist zwar nicht alles, aber wir sehen auch den Wert von Grösse.

Vor allem im Bereich der Hersteller von Nachahmer-Produkten ist der Markt noch zersplittert. Werden sich Fusionen auf diesen Bereich konzentrieren?

Die Generika sind weltweit auf dem Vormarsch. Entsprechend viel tut sich in diesem Bereich. Das liegt daran, dass viele Länder die Eigenverantwortung der Patienten dafür, welches Medikament sie wählen, stärken, in dem sie die private Zuzahlung für Medikamente erhöhen. Die Patienten greifen dann oft zu preiswerteren Medikamenten. Dadurch kann der Staat Geld sparen, das dann zur Verfügung steht um Medikamente zu bezahlen, für die es bislang keine Nachahmer-Produkte gibt.

Haben Generika ein Imageproblem?

Der Trend geht dahin, dass Generika-Hersteller nicht mehr nur auf einen niedrigen Preis setzen, sondern bemüht sind, eine starke Marke aufzubauen: Bei uns heisst der Bereich Sandoz, aber auch Ratiopharm geht diesen Weg.

Welche Unternehmen haben künftig die besseren Chancen: Diejenigen mit hohen Margen oder diejenigen, die wie Novartis sehr viel Geld in Forschung und Entwicklung stecken?

Eindeutig die, die eine attraktive Pipeline haben. Wo stehen denn heute die Unternehmen, die Analysten früher durch ihre hohen Margen begeisterten? Sie haben alle verloren. Nein, wir müssen in die Zukunft investieren und müssen parallel auf eine gesunde Umsatzdynamik achten.

Welcher Konzern wird in den nächsten Jahren die meisten Bestseller-Medikamente auf den Markt bringen?

Was ein Blockbuster wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Der Grösse des Marktes, der Intensität des Wettbewerbs, der Bereitschaft des Staates für eine Therapie zu zahlen, vom Grad des medizinischen Bedürfnisses und natürlich davon, ob das Medikament etwas taugt. Nur ein Konzern, der sowohl Medikamente für den Massenmarkt erzeugt wie auch Spezialbereiche abdeckt, wird auf Dauer genügend Blockbuster haben, um im Wettbewerb zu bestehen.

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