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26.06.2014

14:44 Uhr

Nachteile durch Übernahme?

Deutsche Alstom-Mitarbeiter wettern gegen GE-Deal

Die deutschen Alstom-Beschäftigten fühlen sich von Frankreich und General Electric „unfair behandelt“. Der Betriebsrat fordert nach der Übernahme durch die Amerikaner Jobgarantien auch in Deutschland.

Ein Schatten auf dem Konzern? Deutsche Alstom-Beschäftigte fürchten um ihre Zukunft. dpa

Ein Schatten auf dem Konzern? Deutsche Alstom-Beschäftigte fürchten um ihre Zukunft.

FrankfurtDie Mitarbeiter des französischen Alstom-Konzerns in Deutschland fühlen sich bei der vereinbarten Übernahme durch General Electric benachteiligt und fordern Jobgarantien auch für sich. Der US-Konzern sichere nur den Erhalt der französischen Arbeitsplätze zu und wolle in Frankreich zusätzlich 1000 neue Stellen schaffen, erläuterte der Betriebsrat der deutschen Alstom-Tochter am Donnerstag.

„Die Beschäftigten von Alstom in Deutschland werden durch dieses Vorgehen unfair behandelt.“ Die Arbeitnehmervertretung forderte Garantien für Standorte und Kündigungsschutz für Mitarbeiter auch außerhalb Frankreichs für mindestens drei Jahre. In Deutschland beschäftigt Alstom rund 8700 Mitarbeiter an 23 Standorten.

Bisher seien nur Vertreter des europäischen Betriebsrats über Details der geplanten Übernahme informiert worden, die Arbeitnehmervertreter in den einzelnen Ländern jedoch nicht, monierte der Betriebsrat.

Was GE mit Alstom vorhat

Das GE-Gebot

Der US-Industriekonzern bewertet das Alstom-Energie- und Netzgeschäft mit 12,35 Milliarden Euro. Doch anders als ursprünglich geplant werden die gewünschten Teile nicht komplett bei General Electric landen – teilweise wird es auch Joint-Ventures geben.

Staatsbeteiligung

Die französische Regierung steigt parallel zum GE-Angebot bei Alstom ein. Der Staat übernimmt 20 Prozent, die zuvor dem Konzern Bouygues gehalten hat. Laut Vereinbarung kann Paris binnen 20 Monaten nach Abschluss der geplanten Operationen bis zu 20 Prozent der Alstom-Anteile von Bouygues oder am Markt erwerben. Kauft die Regierung direkt bei Bouygues, sind der Marktwert oder mindestens 35 Euro pro Aktie fällig. Gleichzeitig räumt Bouygues der Regierung bereits mit Abschluss der geplanten Kooperation 20 Prozent der Stimmrechte bei Alstom ein.

Was bei Alstom verbleibt

Zu 100 Prozent behält Alstom das Bahngeschäft. Die Sparte baut etwa Nahverkehrszüge, aber auch den Schnellzug TGV. Die Sparte macht jährlich 6,2 Milliarden Euro Umsatz und zählt 28.200 Mitarbeiter.

Es wird eine globale Kooperation im Vertrieb mit GE geben und einen gemeinsamen Einkauf. In einzelnen Ländern wird Alstom GE-Diesellokomotiven fertigen.

Das Gegengeschäft

Alstom übernimmt im Zuge der Transaktion das Geschäft mit Signaltechnik von General Electric und stärkt damit das Eisenbahngeschäft. Die Sparte erzielt jährlich einen Umsatz von 400 Millionen Euro und beschäftigt etwa 1200 Mitarbeiter.

Was komplett an GE geht

Die Amerikaner integrieren die – auch bei Siemens heiß begehrten – Gasturbinen, die in effizienten Kraftwerken zum Einsatz kommen.

Was GE in Joint-Venture einbringt

Mit der komplexen Transaktion entstehen drei Joint-Venture (jeweils 50% Alstom und 50% GE):
- Netztechnik (bestehend aus den Segmenten „Alstom Grid“ und „GE Digital Energy“)
- Erneuerbare (bestehend aus Wasserkraftwerktechnik und Offshore-Windkraft)
- Nukleartechnik (weltweit) und Dampfturbinen (Frankreich-Geschäft)

Nach einem zähen Bieterwettkampf mit dem ebenfalls interessierten Siemens-Konzern hatte GE Ende vergangener Woche den Zuschlag für das Energiegeschäft von Alstom erhalten. Außerdem sollen drei Gemeinschaftsunternehmen gegründet werden. Den französischen Staat, der bei Alstom mit 20 Prozent einsteigen und sich damit ein starkes Mitspracherecht sichern will, hatten die Amerikaner auch mit ihren Zusagen für den Erhalt der 18.000 Arbeitsplätze in Frankreich und die Schaffung neuer Stellen überzeugt.

Von der Bundesregierung forderte der Betriebsrat der Alstom Deutschland AG einen Schutzschirm für die in Deutschland betroffenen Standorte und Mitarbeiter von Alstom und GE. „Nicht nur Unternehmen, Banken usw. müssen gerettet werden, sondern auch Arbeits- und Ausbildungsplätze,“ hieß es in der Stellungnahme zu der Übernahme.

Von

rtr

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