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05.01.2007

13:02 Uhr

Neosino

Nanoteilchen, die es vielleicht nie gab

VonJoachim Weber

Das hessische Nanotechnologie-Unternehmen Neosino hat für einige seiner Produkte Arzneimittelzulassungen beantragt. Vorstandschef Edmund Krix ist von seinen Produkten fest überzeugt – doch die Nahrungsergänzungsmittel der jungen AG bleiben umstritten.

Fußballer Roy Makaay schloss einen Werbevertrag mit Neosino. Foto: dpa dpa

Fußballer Roy Makaay schloss einen Werbevertrag mit Neosino. Foto: dpa

FRANKFURT. Edmund Krix ballt die Faust: „Irgendjemand wird für den Schaden gerade stehen müssen.“ Irgendjemand: Das könnte die Redaktion des TV-Magazins „Panorama“ sein, das könnten Gutachter sein oder ehrwürdige Institutionen wie ein Max-Planck-Institut. Eine Panorama-Sendung hatte am 9. März vergangenen Jahres heftige Zweifel an den Produkteigenschaften der Nanosilizium-Präparate der hessischen Neosino AG erweckt, deren Mitgründer, Hauptaktionär und Vorstandschef Krix ist.

Krix hatte 2004 vom westfälischen Unternehmer Gerd Thöne die Exklusiv-Lizenz eines Verfahrens erworben, das Mineralien auf rein mechanischem Weg zu Nanopartikeln in Größen zwischen drei und zehn Nanometern (millionstel Millimetern) vermahlen sollte. Aus diesem Rohmaterial entstand schnell eine ganze Produktpalette: Lotionen und Sprays für die Hautpflege, Trinkampullen für Sportler, Nahrungsergänzungsmittel in Kapseln, alle mit Silizium-, Magnesium und Kalziumverbindungen.

Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, Mannschaftsarzt von Bayern München, war von dem Konzept so angetan, dass er seinen Fußballern die Trinkampullen vor jedem Spiel verordnete, um Muskelschäden vorzubeugen. Spitzenspieler Roy Makaay schloss sogar einen Werbevertrag mit Neosino, und der Club nahm den Sport-Trunk in sein Fan-Shop-Sortiment auf.

Doch dann das vernichtende Urteil: „Sie könnten auf einen ganz normalen Bolzplatz gehen, und der Staub, den sie dort aufwirbeln und aufnehmen würden, hätte die gleiche Wirkung wie die Dinge, die in diesen Kapseln enthalten sind“, äußerte sich der Berliner Max-Planck-Professor Markus Antonietti in der Panorama-Sendung. Für Panorama war klar: „Schwindel mit Nanoteilchen“, zumal Antonietti es in seinem kurzen Privatgutachten „aus jetziger wissenschaftlicher Sicht“ für unmöglich erklärt hatte, ein „Pulver auf eine mittlere Größe von drei bis zehn Nanometer herunter zu mahlen“, wie es Neosino für sich in Anspruch nimmt.

Die Folgen der Attacke: Ein Kurssturz der Neosino-Aktie, die erst im Januar an die Börse gekommen war, um rund 60 Prozent, staatsanwaltschaftliche Untersuchungen (die bald wieder eingestellt wurden) und ein Absturz der Neosino-Umsätze. „Selbst Mütter, deren Kindern unser Nanospray deutliche Linderung ihrer Neurodermitis gebracht hatte, kündigten uns plötzlich die Freundschaft“, schüttelt Krix verständnislos den Kopf.

Unversehens war der gewitzte Unternehmer, der einst den Büroelektronik-Reparaturkonzern Teleplan gegründet und zu europäischer Größe geführt hatte, in ein Dickicht aus Konkurrenzneid, persönlichen Eitelkeiten und journalistischer Beißfreude geraten. Eine einstweilige Verfügung gegen den NDR nützte wenig. Nach Prüfung verschiedener Gutachten pro und kontra Neosino entschied das Amtsgericht Hamburg im Juli zugunsten von Panorama.

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