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16.08.2012

19:59 Uhr

Netzbetreiber

Niederlande will Tennet für Investoren öffnen

VonKlaus Stratmann

Wirtschaftsminister Rösler sprach von einem Durchbruch: Die Niederlande will Tennet für Investoren öffnen und so das nötige Kapital für die Investitionen in deutsche Windparks sammeln. Doch es gibt auch andere Lösungen.

Tennet ist zuständig für die Anbindung der Offshore-Windparks in der Nordsee ans Stromnetz. dapd

Tennet ist zuständig für die Anbindung der Offshore-Windparks in der Nordsee ans Stromnetz.

Den HaagDie niederländische Regierung will den Übertragungsnetzbetreiber Tennet stärker für private Investoren öffnen. Der niederländische Wirtschaftsminister Maxime Verhagen sagte gestern nach einem Treffen mit Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) in Den Haag, Tennet „kann und will mehr Privatkapital akquirieren". Rösler sprach von einem Durchbruch.

Der niederländische Mutterkonzern des deutschen Übertragungsnetzbetreibers Tennet gehört zu 100 Prozent dem niederländischen Staat. In den Netzbereich von Tennet fallen sämtliche Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee. Tennet wäre eigentlich verpflichtet, genehmigte Windparks in der Nordsee innerhalb von 30 Monaten an das deutsche Stromnetz anzuschließen.

Dem Netzbetreiber fehlt es jedoch an Kapital, um alle Netzanbindungen zu realisieren. Verhagen warb um Verständnis dafür, dass seine Regierung angesichts der angespannten Haushaltssituation kein Kapital nachschießen könne. Private Geldgeber seien daher eine sinnvolle Alternative.

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Nach den Worten Röslers sollten sich die Investoren nicht an dem deutschen Übertragungsnetzbetreiber insgesamt beteiligen, sondern vielmehr bei den nächsten vier oder fünf Netzanschluss-Projekten einsteigen. Ein einzelner Offshore-Netzanschluss kann hohe dreistellige Millionenbeträge verschlingen.

Rösler sagte, es gebe großes Interesse institutioneller Anleger, sich an Stromleitungs-Projekten zu beteiligen. Er sicherte zu, das Bundeskabinett werde bis Ende August die Regeln verabschiedet haben, die die Haftung im Fall von Unterbrechungen oder Verspätungen beim Netzanschluss definieren. Die noch ungeklärten Haftungsfragen galten bislang als Hindernis für die Beteiligung privater Investoren. Mit den Regeln beseitige die Bundesregierung ein großes Investitionshemmnis, sagte Rösler.

Zuletzt waren Munich Re und Allianz als potenzielle Investoren genannt worden. Die Investitionen in Stromnetze sind für institutionelle Anleger sehr interessant. Da die Netze als natürliche Monopole gelten, werden die zulässigen Eigenkapitalrenditen von der Bundesnetzagentur festgelegt. Sie belaufen sich auf 9,05 Prozent. Eingesammelt wird das Geld über die Netzentgelte, die Bestandteil der Stromrechnung aller Verbraucher sind.

Die Probleme bei Tennet bergen poltischen Sprengstoff. Die Offshore-windenergie soll zu einer tragenden Säule der Energieversorgung werden. Offshore-Windparks ohne Netzanbindung wären jedoch Investitionsruinen. Die Bundesregierung ist daher sehr besorgt über die finanziellen Engpässe bei Tennet. Sollte es nun gelingen, private Investoren zu gewinnen, wäre das ein großer Fortschritt. Die bisherigen Bemühungen von Tennet, privates Geld zu mobilisieren, waren nur mäßig erfolgreich. Als einer der Gründe dafür gelten die bislang ungeklärten Haftungsfragen.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

16.08.2012, 20:52 Uhr

Klar, man sucht jetzt Idioten wie Solaranleihenkäufer etc.
Intelligente Staaten setzen hingegen auf den Bau inhärent sicherer Kernkraftwerke der 3. und 4. Generation.

Volkswirt

16.08.2012, 21:46 Uhr

Andre, sehr richtig, kann Ihnen nur zustimmen. Kernkraftwerke werden vor allem für die sichere Grundlast benötigt. Bis Heute liegt kein Konzept vor, wie die zuverlässige Versorgung der Grundlast mit fluktuierenden Einspeisungen aus den erneuerbaren Energien sichergestellt werden soll. Kohlekraftwerke wollen die grünen Fanatiker auch nicht. Zum eigentlichen Thema bleibt nur Folgendes zu sagen. Herr Rösler glaubt doch nicht ernsthaft hier von einem Durchbruch zu sprechen, wenn nur die Haftungsfragen geklärt werden sollen. Was heißt überhaupt geklärt? Die niederländische Tennet gliedert ihre "problematischen" Offshore-Verpflichtungen in einen "schlechten Netzbetreiber", so eine Art "bad grid" a la "bad bank" aus, hofft auf Idioten, die ihr Geld verbrennen wollen, kassiert aber die sichere Rendite, die die Bundesnetzagentur genehmigt. Und wenn sich keine Idioten finden, die wegen des Versagens von Tennet beim Anschließen der Windparks Schadensersatzforderungen an die Betreiber der Windparks bezahlen sollen, dann muss der deutsche Stromverbraucher einspringen und wieder eine neue Umlage bezahlen, nur weil ein Unternehmen seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. Herr Rösler soll sich endlich vom ordnungspolitischen Festhalten am Grundsatz des Privateigentums in einer Marktwirtschaft lösen und eine Verstaatlichung für den Ausnahmebereich des natürlichen Monopols durch einen deutschen öffentlichen Träger (z. B. eine Infrastrukturbank gründen) ermöglichen. Denn Deutschland bzw. diese Bank kann sich locker die paar Milliarden entweder über eine Anleihe zu Spottzinsen besorgen (1-2%) oder direkt bei der EZB (0,5 %), die ohnehin für sog. systemrelevante Banken Kohle druckt. Es liegt doch auf der Hand, dass mit derzeit niedrigen Zinsen das Vorhaben der Energiewende günstiger finanziert werden kann als durch Versicherer, die immer noch mind. 9 % Rendite sehen wollen.

emilioemilio

16.08.2012, 22:28 Uhr

Privatisierung aller FDP!

Der holländische Staat ist Eigentümer des wichtigsten
deutschen Netzbetreibers für Offshore-Energie!

Der deutsche Staat darf das nicht! FDP-LOGIK oder einfach nur der Ausverkauf deutscher Interessen überall!!

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