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24.04.2012

06:43 Uhr

Netzwerk der Mittelständler

Deutsche Firmen verbünden sich in China

VonFinn Mayer-Kuckuk

Chinesische Kunden schwören auf deutsche Qualitätsarbeit. Um die auch fernab der Heimat leisten zu können, knüpfen deutsche Mittelständler in China enge Beziehungen. Und das nicht selten mit großem Erfolg.

Aufgepasst: China jagt deutsche Unternehmen

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Shanghai/PekingDer Weg beginnt in Schanghai, einer der größten Städte der Welt. Und er beginnt mit warmer Luft. Im Gewerbegebiet Nanhui stellt die deutsche Firma Ebm-Papst Ventilatoren für elektrische Geräte her. Während in den Hallen junge Chinesinnen in blauen Overalls mit flinken Händen die Spulen für Elektromotoren aufwickeln, nehmen Lastwagen am Rande des Geländes ganze Paletten mit fertiger Ware in Kartons auf.

Die Laster werden die Paletten durch den feuchtwarmen Smog des südchinesischen Industriereviers über mehrere Autobahnen zum nächsten deutschen Hersteller fahren: dem Schaltschrankhersteller Rittal aus dem hessischen Herborn. Von dort aus werden später Lkw nach Peking aufbrechen, ihr Ziel: Siemens. Am Ende einer fast 3000 Kilometer langen Reise durch das Riesenland werden die Lüfter von Ebm-Papst schließlich in Fräsmaschinen des Gildemeister-Konzerns ihre Arbeit leisten.

Deutsche Mittelständler in China beliefern sich inzwischen im großen Stil gegenseitig mit Vorprodukten. Besonders Firmen aus der Elektrotechnik und dem Maschinen- und Anlagenbau knüpfen in dem Wirtschaftswunderland engmaschige Netzwerke. Schließlich wollen sie auch am anderen Ende der Welt die gleiche Topqualität liefern können wie in der Heimat. Und die chinesische Industrie steht auf deutsche Wertarbeit. „Viele Kunden wollen deutsche Komponenten in den Maschinen haben“, sagt Franz Michael Oppermann, Geschäftsführer von DMG Gildemeister.

Ebm-Papst hat sich für die Megametropole Schanghai als Standort entschieden, mit ihren feinen Restaurants und Cafés, den Alleen mit teuren Boutiquen und einer der spektakulärsten Skylines der Welt. Es ist einfacher, hier gute Leute anzustellen: „Schanghai hat den Vorteil, dass Ingenieure hier arbeiten wollen“, sagt Helmut Schöneberger, der den Standort leitet. Das wiegt den Nachteil insgesamt höherer Kosten wieder auf. Inzwischen hat das Unternehmen im Großraum der 23-Millionen-Stadt auch noch ein zweites Werk und ein Logistikzentrum gebaut. „Bis 2016 wollen wir unseren Umsatz in China verdoppeln“, sagt Schöneberger.

Ein wichtiger Kunde der Lüfter sitzt ganz in der Nähe: Der Schaltschrankhersteller Rittal schätzt an Schanghai vor allem die guten Straßen und die Nähe zum Containerhafen. Im schnellen Wachstum Ostasiens müsse das Unternehmen oft innerhalb von Stunden auf eine Bestellung reagieren, berichtet Vertriebschef Karl Christoph Caselitz.

Die hohe Geschwindigkeit und Flexibilität ist eines der wichtigsten Verkaufsargumente der Deutschen. Aus ein paar Profilen und Schienen einen Schaltschrank zusammenschweißen können zahllose chinesische Firmen billiger. In einem Produkt von Rittal stecken aber fünf Jahrzehnte Erfahrung damit, was die Maschinenbau-Kundschaft wirklich braucht. Die Schaltschränke sind nicht nur unverwüstlich, sie enthalten besonders leise und energiesparende Komponenten – etwa die Lüfter von Ebm-Papst.

Kommentare (1)

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Strange

24.04.2012, 11:41 Uhr

... das geht solange gut, bis sich die Patente und know-how in chinesicher Hand befinden und in der Nachbarprovinz auf wundersame Weise eine zweite Fabrik entsteht. Wenn schon Evonik und andere sich aus der direkten Zusammenarbeit mit chinesischen Firmen zurückziehen, kann man sich vorstellen, was einem mittelständischen Unternehmen passiert.

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