Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.05.2014

23:06 Uhr

Neuanfang bei Fiat

Milliarden für Alfa Romeo

VonLukas Bay

Fiat-Chrysler-Chef Marchionne will den  angeschlagenen Autobauer Alfa Romeo zu einer neuen globalen Premiummarke ausbauen. Doch zunächst rutscht der frisch geformte Konzern in die Verlustzone.

So schön kann Alfa sein: der 4C soll der Vorbote für eine ganz neue Modellpalette sein. dpa

So schön kann Alfa sein: der 4C soll der Vorbote für eine ganz neue Modellpalette sein.

Auburn Hills, DüsseldorfNeuanfänge sind bei Alfa Romeo keine Seltenheit: schon mehrfach stand der stolze italienische Autobauer kurz vor dem Aus. 1926 drohte die Zahlungsunfähigkeit, Firmengründer Nicola Romeo musste gehen. 1986 konnte Alfa nur gerettet werden, weil man in den Autokonzern Fiat flüchtete. Nun stehen die Italiener nach Jahren des Niedergangs wieder vor einem Neuanfang – und sie könnten erstmals nach fast 30 Jahren unter dem Fiat-Dach wieder selbstständig werden.

Doch die frisch geformte Fiat Chrysler Automobiles beginnt ihre Firmengeschichte mit einem Verlust. Der Hersteller verlor im ersten Quartal unterm Strich 319 Millionen Euro. Ohne die belastenden Posten aus der vollständigen Übernahme der US-Geschäfte hätte Fiat einen Gewinn von 71 Millionen Euro erwirtschaftet. Im Vorjahreszeitraum, als Chrysler noch zu Teilen dem Gesundheitsfonds der US-Autogewerkschaft UAW gehörte, war noch ein Plus von 31 Millionen Euro herausgekommen.

Fiat hatte zu Jahresbeginn die US-Tochter Chrysler komplett übernommen. Damit in Zusammenhang stehende Kosten hätten das Ergebnis gedrückt, erklärte der Konzern am Dienstag beim Investorentag in Auburn Hills nahe Detroit. Dagegen stieg der Umsatz vor allem dank guter Verkäufe in Nordamerika und Asien um zwölf Prozent auf 22,1 Milliarden Euro.

Vier bis fünf Milliarden Euro will Mutterkonzern Fiat-Chrysler nun in neue Modelle und modernere Fabriken investieren, so hat es der Konzern am Rande seiner Strategiekonferenz für die Jahre 2014-2018 in Auburn Hills angekündigt. Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne will Alfa Romeo zu einer globalen Premiummarke ausbauen, die Audi, Mercedes und BMW Konkurrenz machen soll.

Die profitabelsten Autokonzerne der Welt

Platz 10

Fiat-Chrysler - 2,15 Milliarden Euro Gewinn im Jahr 2013

Durch die Fusion mit dem US-Autoriesen retten sich auch die Italiener in die Gewinnzone. Ohne Chrysler stünde unterm Strich ein Verlust von 188 Millionen Euro.

Platz 9

Nissan - 3,28 Milliarden Euro Gewinn

Die Japaner können beim Gewinn wieder leicht zulegen. Unterm Strich steht ein Plus von etwa zwei Prozent.

Platz 8

Ford - 4,2 Milliarden Euro Gewinn

Der operative Gewinn fällt bei Ford etwa sieben Prozent niedriger aus als im Vorjahr. Dabei haben die Amerikaner mit dem Pickup F-150 das meistverkaufte Auto in den USA in ihren Reihen.

Platz 7

General Motors - 4,68 Milliarden Euro Gewinn

Eine Rückrufserie erschüttert derzeit das Vertrauen der Amerikaner in ihren größten Autokonzern. 2013 war davon noch nichts zu spüren. Der operative Gewinn legt um 13 Prozent zu.

Platz 6

Honda - 4,87 Milliarden Euro Gewinn

Bei den Japanern sorgt der schwache Yen für Rückenwind im Export. Der operative Gewinn legt um satte 35 Prozent zu.

Platz 5

Hyundai/Kia - 7,16 Milliarden Euro Gewinn

Das koreanische Duo kann beim operativen Gewinn nicht an die Vorjahre anknüpfen. Bei Hyundai sinkt der operative Gewinn um ein Prozent, bei Kia sogar um zehn Prozent.

Platz 4

Daimler - 7,61 Milliarden Euro Gewinn

Beim Profit verpassen die Schwaben das Treppchen nur knapp. Vor allem weil der operative Gewinn bereinigt um den Verkauf der EADS-Aktien um 14 Prozent sinkt.

Platz 3

BMW - 7,99 Milliarden Euro Gewinn

Auch bei den Münchener fällt der operative Gewinn um drei Prozent niedriger aus. Das reich aber immer noch für die Bronzemedaille.

Platz 2

Volkswagen - 11,67 Milliarden Euro Gewinn

Im Zwölf-Marken-Reich des VW-Konzerns geht es auch beim Profit leicht nach vorne. Zwei Prozent Plus stehen markenübergreifend unterm Strich. Für die Spitzenposition reicht das nicht.

Platz 1

Toyota - 16,91 Milliarden Euro Gewinn

Beim Profit kann kein anderer Hersteller den Japanern das Wasser reichen. Im Jahr 2013 steigt der operative Gewinn von Toyota um satte 132 Prozent.

Quelle

Studie von Ernst & Young "Die größten Automobilhersteller weltweit" im April 2014.

Marchionnes Hoffnung: die Marke, die in den 1960ern einst Klassiker wie den Duetto Spider hervorbrachte, könnte für die Gruppe ein Gewinnbringer werden wie Audi für Volkswagen, weil im Premiumsegment höhere Preise verlangt werden können als für Massenmodelle wie von Chrysler, Fiat oder Dodge.

Dazu soll Alfa zunächst nach dem Vorbild von Maserati in eine eigenständige Gesellschaft umgewandelt werden, berichtet die „Financial Times“. Passend dazu wurden die Alfa-Pläne von Harald Wester, der im Konzern Maserati führt, vorgestellt.

Auch die Modellpalette soll generalüberholt werden. Die Italiener planen wohl eine ganz neue Modelllinie mit heckangetriebene Limousinen und SUVs, hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Der Clou: unter der Motorhaube der Modelle, deren Markteinführung für 2016 geplant ist, sollen in der High-End-Varianten Motoren verbaut werden, die aus der Entwicklungsabteilung von Konzernschwester Ferrari stammen. Insgesamt sollen bis 2018 gleich acht neue Modelle vorgestellt werden, die den Absatz auf die stattliche Zahl von 400.000 Stück steigern sollen.

Neue Modelle sind für Alfa dringend notwendig, denn unter Marchionnes Ägide hatten die Verkäufe der Konzernmarke zuletzt mächtig gelitten. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2004 ist der Absatz um 56 Prozent auf 74.000 Exemplare geschrumpft. Allein 2012 mussten die ausgegebenen Absatzziele noch einmal um 40 Prozent nach unten korrigiert werden, weil angekündigte Modelle durch die Krise in Europa doch nicht auf den Markt gebracht wurden. Mit der Erholung des europäischen Markten und der Übernahme von Chrysler soll der sportlichen Tochter von Fiat nun neues Leben eingehaucht werden.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

06.05.2014, 20:51 Uhr

"1986 konnte Alfa nur gerettet werden, weil man in den staatlichen Autokonzern Fiat flüchtete"
Nicht Fiat war der Staatskonzern, sondern Alfa Romeo!

Account gelöscht!

07.05.2014, 09:54 Uhr

Man fragt sich wirklich langsam wie lange dieser Herr Marchionne eigentlich noch eine Bühne für seine (sich immer wiederholenden) großen Ankündigungen und leeren Versprechungen bekommt. Bis heute hat er in 10 Jahren nur bewiesen dass er Autos bauen wirklich nicht kann sondern nur Flops produzieren, Schulden machen und glorreiche Marken (Lancia) zerstören. Zudem in seinen Allmachtsfantasien es bis heute auch zu verhindern wusste ein gutes Management neben ihm aufzubauen. Es ist eigentlich zum lachen währe es für die Betroffenen (deren Verträge er mit Füssen tritt) nicht zum weinen. Dieser Mann ist nur peinlich und all diejenigen die ihn stützen oder an sein Geschwafel glauben und ihn weiterhin, in welcher Form auch immer, finanziell stützen, ebenfalls. Man fragt sich halt nur wie lange er seinen zerstörerischen, von Unfähigkeit geprägten, Zyklus noch weiterführen darf.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×