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04.01.2007

11:06 Uhr

Neuausrichtung des Marketings

Podcast für Biertrinker

VonIngo Reich

Viele Brauereien müssen ihr Marketing auf zwei Herausforderungen ausrichten: die veränderte Mediennutzung der Jüngeren und drohende Werbebeschränkungen in der EU. Zahlreiche Hersteller haben bereits reagiert und warten mit umfangreichen Internetangeboten auf.

DÜSSELDORF. Die Plakatwerbung von „Karlsberg Urpils“ ist im Saarland und der Pfalz Kult. Dort gibt es kaum einen Partykeller, den nicht mindestens eines der beliebten Plakate mit den witzigen Wortspielen ziert: Zuletzt sah man auf einem Karlsberg-Plakat einen freundlich grinsenden Chinesen neben einer leeren Kiste Bier und las den Spruch „Leer Ling“.

Doch damit ist jetzt Schluss. Mit Beginn des Jahres 2007 verzichtet die Karlsberg-Gruppe aus Homburg/Saar ganz auf traditionelle Plakatwerbung. Das eingesparte Geld will die Brauerei in moderne Kommunikation stecken. Konzernchef Richard Weber denkt an Veranstaltungen („Events“), an Aktionen in den Verkaufsstellen – aber auch an die verstärkte Nutzung neuer Medien.

Weber befürchtet zudem, dass die Brauereien ein ähnliches Schicksal ereilen könnte wie die Zigarettenhersteller. Deshalb soll das Marketing schon mal „für Zeiten üben, in denen die EU-Kommission Werbebeschränkungen oder gar -verbote für sämtliche alkoholische Getränke erlassen könnte“.

Beispielsweise mit Podcasts, also Audio- und Videodateien, die sich Kunden kostenlos über das Internet herunterladen und anhören oder anschauen können. Die Plattform dafür hat die Getränkegruppe, zu deren Marken auch die Biermischgetränke „Mixery“ und „Desperados“ gehören, bereits freigeschaltet: Unter www.karlcast.de stehen erste Podcasts zur Verfügung. Dort sinniert Weber über die Zukunft des Biermarktes, dort sollen die Kunden „in die Markenwelt eintauchen“.

Vom Ausbau neuer Marketingformen wie Podcasts und Internetangebote verspricht sich Karlsberg eine „zielgruppengenaue Ansprache“ der Konsumenten. „Wir werden gegenüber der traditionellen Plakatwerbung viel geringere Streuverluste haben“, sagt Karlsberg-Kommunikationschef Hans-Christoph Bonfert. Selbst Brauereibesichtigungen könnten Podcast-geeignet sein.

Hochgerechnet eine Million Euro wird Karlsberg 2007 für die neuen Aktivitäten zur Verfügung stellen. Das Podcast-Experiment ist befristet auf zwölf bis 16 Monate und nach Webers Ansicht „durchaus ein Wagnis“. Denn der traditionelle Pilstrinker gehört nicht zur Podcast-affinen Zielgruppe, zu der junge Leute zwischen 18 und 30 Jahren zählen.

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