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09.10.2012

08:13 Uhr

Neue Antriebstechnologie

Toyota baut seinen Vorsprung aus

VonLukas Bay

Hybridautos gewinnen an Bedeutung. Doch während VW sich bisher nur mit Plänen brüstet, gibt der japanische Konkurrent Toyota den Ton an - und plant nun eine neue Produktion in Europa, um der Nachfrage gerecht zu werden.

DüsseldorfDie Überraschung hatte sich Martin Winterkorn für den Schluss aufgespart. Auf dem Markenabend des VW-Konzerns beim Pariser Autosalon, der normalerweise ein Schaulaufen der PS-Protze ist, verkündete der VW-Chef eine Hybrid-Offensive: Sieben Milliarden Euro wolle man in den nächsten Jahren investieren, um neue Plug-In-Hybridmodelle auf den Markt zu bringen. Die Technik biete "das Beste aus zwei Welten", so Winterkorn. Der Audi A3 könne bereits Ende 2012, der Golf 7 dann Anfang 2014 in einer Plug-in-Hybrid-Variante ausgeliefert werden. Mit seiner Ankündigung will Winterkorn die Aufholjagd der Wolfsburger auf Toyota einleiten. Bisher hecheln sie noch hinterher.

Der große japanische Konkurrent gilt als Vorreiter bei der Hybridtechnologie. Mit insgesamt fünf Toyota- und vier Lexus-Modellen haben die Japaner in nahezu ein allen Fahrzeugklassen ein Voll-Hybrid-Modell zu bieten. Seit Freitag steht auch der Prius Plug-in Hybrid bei den Händlern. Während die Wolfsburger sich auf Ankündigungen beschränken müssen, ist Toyota bei der Hybridtechnologie längst gestartet.

Antriebsarten und ihre Abgaswerte

Motoren im Vergleich

Wie sehr ein Auto die Luft verpestet, hängt davon ab, was unter der Haube steckt. Denn je nach Motor stößt ein Wagen unterschiedlich viele Feinstaub-Partikel (PM) und Stickstoffdioxide (NO2) aus. Hier ein Überblick über das Abgasverhalten verschiedener Motoren.

Benzinmotoren

Moderne Benzinmotoren werden durch Direkteinspritzung zwar sparsamer gegenüber der Vergaser-Technik - und damit wird auch ihr CO2-Ausstoß gesenkt. Doch haben die Einspritzmotoren oft einen höheren Feinstaub-Ausstoß. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe stoßen sie eine sehr hohe Zahl an ultrafeinen Partikeln aus, die massive gesundheitliche Folgen für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System haben können. In der Untersuchung kam heraus: Benzinfahrzeuge überschritten den aktuellen Grenzwert für Dieselfahrzeuge teils um das Sechsfache.

Dieselmotoren

Trotz Rußpartikelfilter - Selbstzünder sind laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) die weniger sauberen. Der Grund: Ihr aktueller Grenzwert nach Euro-5-Norm ist beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx) dreimal höher als bei Ottomotoren. Demnach dürfen Diesel bis zu 180 mg/km an Stickoxiden ausstoßen, während der Vergleichswert bei Benzinern bei 60 mg/km liegt. Bei den Feinstaubpartikeln liegen beide Verbrennungsprinzipien mit erlaubten 5 mg/km gleichauf. Diesel-Pkw können die aktuelle Euro-5-Norm nur mit Hilfe eines Partikelfilters erreichen.

Erdgas- und Autogasantriebe (CNG und LPG)

Erdgas gilt unter den fossilen Treibstoffen in der Expertenwelt als der sauberste. So stoßen Fahrzeuge, die CNG (Compressed Natural Gas) tanken, noch weniger Stickoxide aus als Benziner. Der TÜV Süd nennt gegenüber Benzinern eine Reduktion um bis zu 60 Prozent, bei LPG seien bis zu 15 Prozent weniger möglich. Erdgasautos emittieren zudem fast gar keine Rußpartikel.

Hybrid- und Elektroantriebe

Auch Hybridfahrzeuge müssen die Abgasnormen der EU einhalten. Generell lässt sich dem VCD zufolge sagen, dass Dieselhybride, wie sie neuerdings angeboten werden, mehr Schadstoffe ausstoßen als Benzinhybride. Fahren sie im rein elektrischen Modus, stoßen sie keine Schadstoffe aus - doch liegt die Reichweite für den E-Modus meist nur bei wenigen Kilometern. Dann springt der Verbrenner an. Elektroautos stoßen während der Fahrt zwar keinerlei Schadstoffe aus. Doch bei ihrer industriellen Fertigung und bei der Stromerzeugung werden ebenfalls Rußpartikel und Stickoxide erzeugt.

Aktuelle Luftdaten
Übersicht: Deutsche Umweltzonen
Studie zu Umweltzonen
Kurzinfo zu Umweltzonen
Hintergrundpapier zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Stickstoffoxiden

Bei den Kunden ist das Modell so begehrt, dass Toyota schon vor dem Start eine Warteliste ankündigen musste. In Europa sind 15 Prozent aller verkauften Toyotas Hybride, besitzen also neben einem Verbrennungsmotor auch ein Elektro-Triebwerk. Weltweit verkauft Toyota jeden Monat 100.000 Fahrzeuge mit Hybridantrieb. Seit dem Start der Technologie hat Toyota bisher mehr als 4,4 Millionen Hybridautos verkauft.

Angesichts der wachsenden Beliebtheit ihrer Hybridmodelle denken die Japaner sogar über den Aufbau einer neuen Batteriefertigung in Europa nach. „Entwickelt sich die Nachfrage weiter so, müssen wir die Batterien auch in Europa produzieren“, sagte Toyota-Deutschlandchef Toshiaki Yasuda dem Handelsblatt (Dienstagsausgabe). Mit Importen aus Asien könne steigende Bedarf nicht vollständig gedeckt werden. „Angesichts des hohen Ölpreises sind Hybride gefragter denn je“, sagte Yasuda. So beliebt, dass Kunden auf die Toyota-Hybridmodelle oft mehrere Monate warten müssen.

„Mit einer Batteriefabrik in Europa könnten wir viel flexibler auf Kundenwünsche reagieren“, so Toyotas Deutschlandchef. Auch die Lieferfristen würden durch eine Produktion in Europa deutlich sinken. Bisher werden die meisten Batterien importiert: In Asien produziert Toyota pro Jahr gut eine Million Batterien.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

09.10.2012, 09:57 Uhr

Ich fahre seit 25 Jahren Toyotas.

Ich habe noch nie eine Reparatur gehabt, die ich hätte selbst bezahlen müssen.

Sogar bei meinem 14 Jahre alten Landcruiser gabs nochmal eine Kulanz-Reparatur.

Unser VW-Chef Winterkorn mit dem höchsten Gehalt aller deutschen Manager und seinen überhöhten Preisen kann mich auch weiterhin nicht zu seinen Kunden zählen.

Daran ändert auch nichts sein überhebliches Gebrabbel, daß VW bald die Nr.1 sein würde.

Dazu bräuchte er ein paar neue Ideen und nicht alle Jahre wieder einen langweiligen Golf oder Passat.

teuer-und-ok

09.10.2012, 11:31 Uhr

Sie haben nicht ganz unrecht finde ich; insgesamt macht VW jedoch einen ordentlichen Job und schröpft den deutschen Autofahrer ganz vorbildlich finde ich. Kauft ausländische Autos; das ist auch gut für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autobauer

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