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02.01.2009

11:05 Uhr

Neue Belastungen

Autobanken verbrennen weiter Geld

VonCarsten Herz

Die großen Finanztöchter der Autohersteller müssen sich angesichts der schweren Branchenkrise auch im gerade begonnenen Jahr auf neue Belastungen einstellen. Vor allem das ertragsstarke Leasinggeschäft hat sich zum finanziellen Risiko entwickelt - die Lage für die Autobanken wird immer prekärer.

Die Fuhrpark-Finanzierung steht vor einer schweren Ertragskrise: Nach neuen Berechnungen könnte die BMW-Bank 2009 mit bis zu 639 Mio. Euro ins Minus rutschen. Foto: Reuters Reuters

Die Fuhrpark-Finanzierung steht vor einer schweren Ertragskrise: Nach neuen Berechnungen könnte die BMW-Bank 2009 mit bis zu 639 Mio. Euro ins Minus rutschen. Foto: Reuters

FRANKFURT. "Ich gehe davon aus, dass wir weitere Abschreibungen und Rückstellungen in den Büchern der großen Autobanken in den nächsten Monaten sehen werden", sagte Michael Velte, Vorstandschef des Verbandes markenunabhängiger Fuhrparkmanagementgesellschaften (VMF), dem Handelsblatt. Das Restwerte-Problem werde sich in der Branche 2009 und 2010 fortsetzen. "Erst Ende 2010 erwarte ich da Licht am Ende des Tunnels. Vorerst wird die Entwicklung jedoch weiter an Dynamik gewinnen."

Das Leasinggeschäft, das den Hersteller früher gute Erträge brachte, ist in der Branchenkrise zu einem finanziellen Risiko geworden, das die Geschäftsbücher der großen Hersteller auch 2009 belasten wird. Vor allem BMW hatte in den vergangenen Jahren mit hohen Restwerten für seine Gebrauchtwagen kalkuliert und die Leasingraten entsprechend niedrig angesetzt. Nun, nachdem die Krise die Preise ins Trudeln bringt, müssen die Hersteller die angesetzten Werte massiv korrigieren und entsprechende Abschreibungen und Rückstellungen vornehmen.

Die Lage für die Autokonzerne und ihre angeschlossenen Banken wird damit immer prekärer. Die Autobanken befänden sich am Anfang eines Sturms, der sich schnell in eine dauerhafte Hurrikan-Saison zu wandeln drohe, warnen die Experten von PA Consulting. Massiv sinkende Restwerte in Folge der einbrechenden Automärkte bringen die früheren Ertragsperlen der Hersteller weiter unter Druck. Nach Berechnungen der Unternehmensberatung Booz & Company haben alleine die deutschen Hersteller, allen voran BMW, schon 2008 zusammen mehr als eine Milliarde Euro verloren.

Velte, dessen Verband die herstellerunabhängigen Leasingfirmen vertritt, schließt nicht aus, dass mehrere Auto-Leasingfirmen 2009 angesichts der schwierigen Entwicklung der Fahrzeug-Restwerte in die roten Zahlen rutschen werden. Alleine in den vergangenen 12 Monaten seien die Restwerte pro Fahrzeug durchschnittlich um 550 Euro geschmolzen. "Sollte sich der Restwert-Verfall fortsetzen, dürfte es für die Firmen schwer werden, das über die Erträge während der Leasinglaufzeit zu kompensieren", warnte Velte, der zugleich als Geschäftsführer die sparkasseneigene Deutsche Leasing Fleet vertritt. "Gerade für viele unabhängige Autoleasing-Firmen, die keine Bank im Rücken haben, drohen die kommenden Monate zum Stresstest zu werden."

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