Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.11.2012

14:00 Uhr

Neue Finanziele

Henkels frohe Botschaft fällt bei Anlegern durch

VonChristoph Kapalschinski

Henkel verspricht den Aktionären weiteres Wachstum. Doch die Aktie stürzt ab. Das bringt Konzernchef Rorsted in London in die Defensive – und lässt ihn beim Margenziel nachbessern.

Kasper Rorsted: „Natürlich haben wir ein hartes Margenziel. So steuern wir den Konzern.“ dapd

Kasper Rorsted: „Natürlich haben wir ein hartes Margenziel. So steuern wir den Konzern.“

LondonDas finstere Mienenspiel von Henkel-Chef Kasper Rorsted wollte nicht zur frohen Botschaft passen. 3,5 Milliarden Euro mehr Umsatz bis 2016, dazu jährlich zehn Prozent mehr Gewinn je Aktie versprach er den Anlegern am Freitag in London – und doch schaute er abgekämpft und müde. Denn die Börse honorierte seine neuen Finanzziele nicht: Die Aktie gab so stark nach wie noch nie in diesem Jahr.

Der Grund: Rorsted verzichtete zunächst auf ein konkretes Ziel für die operative Marge (Ebit). Dabei hatte er sich eben darauf in seinen Zielen von 2008 bis 2012 konzentriert – und am Freitagmorgen bestätigt, dass Henkel die Marge von 14 Prozent in diesem Jahr wie geplant erreichen werde.

Henkel-Chef Kasper Rorsted: Ein Mann wie eine Maschine

Henkel-Chef Kasper Rorsted

Ein Mann wie eine Maschine

Kasper Rorsted hat den Familienkonzern Henkel umgekrempelt, das Markenimperium ist heute jünger, internationaler und erfolgreicher. Und welchen Preis zahlt der Manager dafür?

„Ich wäre vorsichtig, eine Vier-Jahres-Strategie an der Börsenreaktion eines einzigen Tages zu messen“, sagte Rorsted auf dem Podium im noblen Londoner St. Pancras-Hotel.

In seine Präsentation vor der Presse baute er zusätzlich einen – wohl so zuvor nicht geplanten – Schlenker ein. Seine neuen Ziele bedeuteten eine operative Marge von 15,7 bis 16,3 Prozent im Jahr 2016, rechnete er vor. „Natürlich haben wir ein hartes Margenziel. So steuern wir den Konzern“, unterstrich er.

Auch sonst hat sich Rorsted viel vorgenommen. Durch 82 Seiten Präsentation raste er zusammen mit seinem Finanzchef Carsten Knobel in nur 90 Minuten. Klar ist: Wachstum steht im Fokus. 400 Millionen Euro will Henkel in den kommenden Jahren investieren, vor allem in weitere Rationalisierung, aber auch in mehr Marketing für die wichtigsten Marken wie Persil, Loctite und Schwarzkopf. Dabei konzentriert sich der Konzern noch weiter. In den vergangenen vier Jahren waren bereits von einst 1000 Marken nur noch 400 übrig geblieben. Jetzt sollen weitere 100 wegfallen. Umsatz in Höhe von 500 Millionen Euro will Henkel verkaufen oder einstellen, vor allem Randmarken, die sich nicht rechnen. Auch der Verzicht auf 40 Prozent der Zulieferer soll die Schlagkraft erhöhen.

Lothar Steinebach: „Viele können nicht über den Tellerrand blicken“

Lothar Steinebach

„Viele können nicht über den Tellerrand blicken“

Mit Lothar Steinebach steht einer der dienstältesten Finanzchefs vor dem Rückzug. Im Interview erklärt der Henkel-Manager, warum Konzerne Finanzprofis brauchen - und warum die intern immer mehr zu sagen haben.

Damit will Rorsted vor allem in den Wachstumsländern besser angreifen können. Deren Anteil soll von 43 auf 50 Prozent am Konzernumsatz wachsen. Dazu eröffnet Henkel fünf neue Forschungszentren weltweit und baut zwei aus. Neu dazu kommen etwa Forscher in Pune in Indien, in Dubai und Sao Paulo. In Südafrika forscht Henkel verstärkt für die Pflege von Haaren, in China an Klebstoffen für die Elektroindustrie. Noch mehr Mitarbeiter kommen in sogenannte Shared Service Center. Sie übernehmen zentrale Aufgaben etwa im Rechnungswesen – zu billigeren Löhnen als in der Zentrale. Neue solcher Büros in Nahost und China sollen zudem die Sprachbarriere brechen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

kritiker0815

17.11.2012, 00:27 Uhr

Shared services center... Lohnsklaverei in Osteuropa! Und hier wird ein Lobhuldigungsartikel (sollte man als Werbung deklarieren) geschrieben! Die EURO Zone ächzt unter Problemen sondergleichen und hier wird einer bejubelt, der Leute vor die Tür setzt in der Heimat, um sie zu einem Bruchteil im Ausland neu zu besetzen! Traurig! Aber lieber Kasper (der übrigens Kritik nicht so gerne hört): Die Mitarbeiter können auch Kunden sein... Less money, less purchasing power ;)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×