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15.01.2007

09:13 Uhr

Neue Führungsmannschaft

Audi wird ferngesteuert

Martin Winterkorn kann einfach nicht loslassen: Der neue VW-Konzernchef und alte Audi-Lenker hält weiterhin die Fäden bei der Ingolstädter Tochter in der Hand, gleichwohl dort ein neuer Vorstand angetreten ist. Die Audi-Mitarbeiter sind zwar wenig erfreut über die Fernsteuerung aus Wolfsburg, ihr Groll hält sich aber in Grenzen – aus gutem Grund.

Der neue Audi-Chef Stadler hat bei weitem nicht die Machtfülle wie sein Vorgänger Winterkorn. Hier präsentiert er auf der Automesse in Detroit die Zwölfzylinder-Studie des Geländewagens Q7. Foto: dpa

Der neue Audi-Chef Stadler hat bei weitem nicht die Machtfülle wie sein Vorgänger Winterkorn. Hier präsentiert er auf der Automesse in Detroit die Zwölfzylinder-Studie des Geländewagens Q7. Foto: dpa

hz FRANKFURT. Der neue Audi-Chef Rupert Stadler hat nach dem vom VW-Aufsichtsrat beschlossenen Exodus zahlreicher Audi-Manager nach Wolfsburg rasch eine neue Führungsmannschaft in Ingolstadt geformt. Produktionsvorstand Jochem Heizmann, der nun zu VW geht, werde vom bisherigen Ingolstädter Werksleiter Frank Dreves ersetzt. Neuer Entwicklungsvorstand werde Michael Dick, hieß es. Dieses Ressort hatte bis zum Jahreswechsel der frühere Audi-Chef und neue VW-Konzernchef Martin Winterkorn neben seinem Posten als Vorstandschef geführt.

Das neue Audi-Management wird aber nicht mehr die Bedeutung und die Freiheiten haben wie unter Stadlers Vorgänger Winterkorn, denn wichtige Entscheidungen werden künftig wieder in Wolfsburg gefällt. Winterkorn gibt als neuer VW-Konzern- und Entwicklungschef bei Audi die Zügel nicht aus der Hand.

Der Finanzexperte Stadler, der am Freitag dauerhaft zum neuen Audi-Chef berufen wurde, startet mit einer gegenüber seinem Vorgänger deutlich beschränkten Machtfülle. So rückt Stadler im Gegensatz zu seinem Vorgänger als Konsequenz aus der neuen Organisation nicht in den Konzernvorstand auf, wie ein Sprecher sagte. Während Winterkorn als Chef der Markengruppe Audi neben der Premiummarke auch den Sportwagenbauer Lamborghini und die spanische Volumenmarke Seat leitete, führt Stadler zudem künftig lediglich die Marke aus Ingolstadt - und dies auch nicht mehr komplett autark. Da in der neuen Konzernstruktur wieder Forschung und Entwicklung, die Winterkorn in Personalunion übernimmt, sowie Produktion, für den der bisherige Audi-Manager Heizmann als Vorstand berufen wurde, zentral gesteuert werden, verliert Audi einen Teil seiner Eigenständigkeit.

Vor diesem Hintergrund wird es auch nachvollziehbarer, dass erstmals in der Audi-Geschichte mit Stadler kein Techniker mehr an der Spitze der Ertragsperle aus Ingolstadt steht: Wichtige technische Entscheidungen werden in Zukunft in Wolfsburg gefällt.

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