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17.09.2013

20:41 Uhr

Neue Kapazitäten

VW und Audi investieren massiv in Brasilien

Knapp 400 Millionen Euro wollen Volkswagen und Audi in ihren brasilianischen Standort fließen lassen. Das Geld sei für den neuen Golf und die A3-Modelle. Der Anlass für die Finanzspritze ist jedoch ein ganz anderer.

Audi investiert 165 Millionen Euro: Im Jahr 2015 wolle die Konzerntochter die Herstellung von A3-Modellen in Brasilien fortsetzen. Reuters

Audi investiert 165 Millionen Euro: Im Jahr 2015 wolle die Konzerntochter die Herstellung von A3-Modellen in Brasilien fortsetzen.

Sao PauloAudi produziert künftig wieder in Brasilien. Von September 2015 an soll die A3 Limousine und ab Mitte 2016 das SUV-Modell Audi Q3 in Curitiba (Bundesstaat Paraná) in Südbrasilien vom Band rollen. Das Comeback der VW-Tochter verkündete Audi-Chef Rupert Stadler persönlich in Brasília nach Gesprächen mit Staatschefin Dilma Rousseff. Die Produktion soll unter dem Dach des VW-Werkes in Curitiba laufen. Die Investitionen belaufen sich auf 150 Millionen Euro. Audi hatte in Curitiba bereits von 1999 bis 2006 den A3 Sportback gebaut, die Produktion aber wegen Unrentabilität eingestellt.

Stadler sprach am Dienstag von einem weiteren Meilenstein für die Internationalisierung des Unternehmens. „Mit einer Produktion in Brasilien schaffen wir die Basis für weiteres Wachstum in der Region.“ Der Audi-Chef verwies auf die inzwischen acht ausländischen Produktionsstandorte. „Im kommenden Jahr bauen wir erstmals in der Geschichte von Audi mehr Autos außerhalb Deutschlands als in unseren Stammwerken.“

Audi hatte erst kürzlich in Mexiko den Startschuss für ein Werk zum Bau des Q5 gegeben und rechnet sich in Brasilien gute Chancen auf dem Markt für hochpreisige Oberklasse-Modelle aus. In diesem Jahr will die VW-Tochter 7000 Autos in Brasilien verkaufen - ein Plus von 40 Prozent. Beschaffungs-Vorstand Bernd Martens sieht noch viel Luft nach oben: „Mit dem Ausbau unserer Kapazitäten wollen wir langfristig die Absatzschwelle von 30 000 Einheiten in diesem Markt überschreiten.“ Diese Marke soll 2017/2018 erreicht werden.

Die VW-Sparten im Überblick

Volkswagen Pkw

Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Audi

Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unter Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

Skoda

Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeuge ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel es ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

Seat

Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Bein 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen reduziert wurde.

Porsche

Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auch 78.000 Fahrzeuge taxiert.

Bentley

Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. Dieses Jahr legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

VW Nutzfahrzeuge

Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeuge. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

Scania

Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkws stieg der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

MAN

Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchenern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legte im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

VW Finanzdienstleistungen

Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legte im Jahr 2013 um 17,5Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Trotz des gebremsten Wirtschaftswachstums boomt der Auto-Markt in dem fünftgrößten Land der Welt. Bis 2020 könnten alleine auf dem Premiummarkt 100.000 Fahrzeuge abgesetzt werden, schätzen Experten. In den ersten acht Monaten 2013 hatte Audi in diesem Segment einen Marktanteil von 13,7 Prozent. Bis zum Ende des Jahrzehnts wachse diese Sparte um 170 Prozent, prognostizierte Martens.

Die Ingolstädter sind in Brasilien - dem inzwischen viertgrößten Automarkt der Welt - seit 2005 mit einer eigenen Vertriebsgesellschaft präsent, die über 30 Standorte verfügt. Das Händlernetz soll laut Stadler bis Ende des Jahrzehnts verdoppelt werden: „Wir verfolgen auch in Brasilien das Ziel, das Premiumsegment anzuführen“, sagte Stadler.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

18.09.2013, 09:48 Uhr

Die Puffbesuche des BR in Brasilien, zeigen ihre Wirkung! Leider würde ich kaum mehr etwas in die BRICs investieren. Aber erklären sie das mal einem stumpfen niedersächsischen Autobauer, die das Wort "Neuerung" mit dem deutschen Nationaltorwart verwechseln.

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