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08.04.2014

19:46 Uhr

Neue Märkte

Maschinenbauer blicken nach Afrika

Noch ist der Handel mit dem Kontinent geringer als mit dem kleinen Nachbarn, den Niederlanden. Doch die deutschen Maschinenbauer setzen große Hoffnungen in afrikanische Absatzmärkte. Was fehle, sei Hilfe aus der Politik.

Deutsche Maschinenbauer präsentieren bei der Hannover-Messe viele Produkte, die auch den afrikanischen Mittelstand interessieren könnten, etwa dieses Planeten-Radlager. dpa

Deutsche Maschinenbauer präsentieren bei der Hannover-Messe viele Produkte, die auch den afrikanischen Mittelstand interessieren könnten, etwa dieses Planeten-Radlager.

HannoverDas starke Wirtschaftswachstum in vielen Staaten Afrikas lockt immer mehr Maschinenbauer auf den Kontinent. „Wir sehen große Chancen in Afrika“, sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Reinhold Festge, der Nachrichtenagentur Reuters auf der Hannover Messe. „Es gibt dort enorme Rohstoff- und Energiefunde, die es den Afrikanern erlauben, in Infrastruktur, in Wirtschaftswachstum zu investieren.“ Dieses Feld dürften die Deutschen nicht Konkurrenten aus China, den USA, Italien oder Frankreich überlassen, die dort bereits vorpreschten.

Festge, der seit Herbst vergangenen Jahres den Verband führt, weiß, dass er bei einigen Herstellern noch Überzeugungsarbeit leisten muss. „Wir müssen nachhelfen“, sagte der VDMA-Präsident. 2013 sei der Absatz von Maschinen „Made in Germany“ in Afrika um elf Prozent auf 4,4 Milliarden Euro gestiegen. Dennoch ist der Absatz in die über 50 Staaten Afrikas zusammen noch geringer als der in das Nachbarland Niederlande. Besonders stark gefragt seien in Afrika Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, Bau- und Baustoffmaschinen sowie die Fördertechnik. Große Chancen gebe es für Landmaschinen, die Energieerzeugung oder Anlagen für Trinkwasser oder Abwasser.

Die EU und Afrika

Bildung, Gesundheit und Zivilgesellschaft

Die EU fördert afrikanische Staaten bei der Ausbildung. Mehr als zwölf Millionen Menschen hat sie nach eigenen Angaben zwischen 2007 und 2013 bei ihrer Schul- oder Berufsausbildung unterstützt. Tausende Studenten erhielten Stipendien oder nahmen am Erasmus-Austauschprogramm teil. 178 Millionen Euro flossen in den vergangenen sieben Jahren in mehr als 600 afrikanische Forschungsprojekte zu Ernährungssicherheit, Klimawandel, Gesundheit und Energie. Auch zur Förderung von Demokratie und Menschenrechten und für den Kampf gegen den Klimawandel stellt die EU Geld bereit.

Wachstum und Handel

Europa ist der wichtigste Partner Afrikas in der Entwicklungshilfe. Zwischen 2007 und 2013 unterstützten die EU und ihre Staaten Afrikas Entwicklung mit rund 141 Milliarden Euro. Der Handel zwischen Europa und Afrika wächst seit Jahren – in beide Richtungen. 2013 exportierten die EU-Staaten Waren im Wert von 153 Milliarden Euro auf den afrikanischen Kontinent. Das war ein Rekord, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat meldete. Frankreich, Deutschland und Italien waren die größten Exporteure. Deutschlands Ausfuhren nach Afrika summierten sich 2013 auf 22 Milliarden Euro. Umgekehrt ist die EU für Afrika der größte Handelspartner, dorthin gehen 40 Prozent aller afrikanischen Ausfuhren. Die afrikanischen Staaten verkauften im vergangenen Jahr Waren für 168 Milliarden Euro nach Europa.

Friedenssicherung

Im vergangenen Jahrzehnt hat die EU 16 EU-Missionen nach Afrika geschickt, um Krisen zu bewältigen und den Frieden zu sichern. Darunter waren nach Angaben des EU-Rates sieben Militäroperationen etwa im Kongo, Somalia und Mali sowie 9 zivile Missionen wie in Kinshasa oder im Sudan/Darfur. Derzeit sind mehr als 2300 Männer und Frauen unter der EU-Flagge bei EU-Friedensmissionen in Afrika im Einsatz. Seit 2004 hat die EU 1,2 Milliarden Euro zur Unterstützung afrikanischer Operationen zur Friedenssicherung bereitgestellt.

Wichtigster Einzelmarkt für die Maschinenbauer ist bislang Südafrika. Erhebliche Potenziale sieht die Branche in Algerien, Nigeria, Ghana, Angola und in ostafrikanischen Ländern wie Kenia, Tansania und Äthiopien. Wegen politischer Unruhen sei das Geschäft in nordafrikanischen Staaten wie Libyen und Ägypten zuletzt etwas abgeflacht. Dies könne sich nach einer Beruhigung der Lage aber wieder ändern.

„Das ist ein erwachender Kontinent, das ist ein schwieriger Kontinent. Da fangen wir auch ganz ganz unten an“, räumt Festge ein, fügt aber hinzu: „In dem kleinsten Land gibt es für die deutsche Industrie immer eine Chance, etwas zu verkaufen.“ Afrika habe einen enormen Nachholbedarf, von dem die Maschinenbauer profitieren könnten. Das Image eines von Krieg, Krankheiten und Korruption geplagten Kontinents stimme nicht mehr. Das Wirtschaftswachstum in vielen Ländern führe zu einer größeren Mittelschicht. Die Zahl der Privatfirmen nehme zu und auch die Nachfrage nach verarbeiteten Produkten. „Wenn Arbeitsplätze geschaffen werden, wenn Industrie ins Land kommt, gibt es Konsumsteigerung. Die Leute wollen satt werden“, sagte Festge. Zudem wollten viele Länder ihre Rohstoffe wie Öl, Gas, Bergbauerzeugnisse oder Agrarprodukte im eigenen Land weiterverarbeiten – und genau hier kämen die deutschen Maschinenbauer ins Spiel.

Kommentare (1)

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09.04.2014, 09:56 Uhr

Afrika boomt während die Bundesregierung weiterhin Mrd´en über Mrd´en in absteigenden Staaten wie Griechenland, Ukraine etc. versenkt.

Zum Glück hat Deutschland den Mittelstand!

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