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04.11.2015

16:39 Uhr

Neue Pläne der Deutsche Bahn

Digitaler Bahnsinn

VonMartin Tofern

Die Deutsche Bahn will in allen ICEs eine Art digitalen Reisebegleiter anbieten. Das dürfte allerdings nur dann funktionieren, wenn auch das Wlan läuft. Und das ist schon selten genug der Fall.

Bevor die Bahn digitale Pläne schmiedet, sollte sie eine stabile Internetverbindung im Zug anbieten. dpa

Deutsche Bahn

Bevor die Bahn digitale Pläne schmiedet, sollte sie eine stabile Internetverbindung im Zug anbieten.

BerlinDer digitale Reisebegleiter soll auf Smartphones, Tablets und Notebooks funktionieren und beispielsweise über das Erreichen von Anschlusszügen oder die Speisekarte im Bordrestaurant informieren. Zusätzlich gebe es Reisetipps, Nachrichten, ab dem Jahreswechsel auch kostenlose Spiele, Hörbücher und einen Kinderbereich, sagte Bahnchef Rüdiger Grube in Berlin. Das Programm wird über das zuginterne Funknetz, also das Wlan, zu empfangen sein.

Bislang gibt es einen kostenlosen Internet-Zugang im ICE lediglich in der 1. Klasse. Aber auch der funktioniert entweder gar nicht oder nur sehr, sehr schleppend – vor allem dann, wenn sich mehr als zwei Geschäftsleute mit ihren Laptops eingeloggt haben. Dann kommen Leute mit Smartphones oder Tablets gar nicht mehr ins Netz. So lange Bahn und Mobilfunkunternehmen dieses Problem nicht in den Griff kriegen, hilft die schönste App nichts.

Das gilt auch für den Plan, die Speisekarte im Bordrestaurant aufs Smartphone zu beamen. Das bringt nämlich nur dann etwas, wenn auch die analogen Geräte in der Kombüse des Speisewagens ihren Dienst tun. Was sie häufig eben nicht tun. „Wir haben einen Kühlungsausfall“, heißt es dann und meistens ist dann auch der Ofen aus. Für den Kunden bedeutet das: kalte Flammkuchen und warmes Bier. Fast scheint es, als sei es schwerer, einen Kühlschrank zu reparieren als eine neue Bahn-App zu programmieren.

Bahnchef Rüdiger Grube ficht das nicht an. Noch in diesem Monat will er auch noch im Interregio-Express zwischen Berlin und Hamburg kostenloses Drahtlos-Internet anbieten, kündigte er an. Langfristig soll das Wlan auch im Nah- und Regionalverkehr funktionieren. Betonung auf langfristig.

Die Bahn arbeite derzeit an rund 260 digitalen Projekten, sagte Grube. Dabei gehe es zum Beispiel um Sensoren, die Vibrationen auf den Schienen spüren und Bahnübergänge sicherer machen könnten. Neue Ideen erhofft sich die Bahn von ihren Kunden, die in den kommenden Wochen im Internet Vorschläge einreichen können.

CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt betonte, die Bahn könne das Verkehrsmittel einer digitalen Zeit sein. Dafür müsse Internetzugang aber in allen Zügen und auf Bahnhöfen Standard werden. Vielen Reisenden und vor allem Pendlern würde es zunächst schon reichen, wenn die Bahn endlich wie versprochen ihre Pünktlichkeit verbessern könnte. Und die analoge Technik wie Weichen und Stellwerke besser in den Griff bekäme.

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