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07.05.2014

08:01 Uhr

Neue Strategie

Kaeser löst Siemens' Konzernstruktur auf

Siemens macht bei der Neuausrichtung Nägel mit Köpfen: Die bisherigen vier Geschäftsbereiche werden aufgelöst. Kaeser will die Hörgeräte-Sparte an die Börse bringen – und macht die Medizintechnik eigenständig.

Siemens-Chef Kaeser

„Fokussieren auf das, was wir sehr gut können“

Siemens-Chef Kaeser: „Fokussieren auf das, was wir sehr gut können“

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München/Düsseldorf/BerlinDer neue Siemens-Chef Joe Kaeser drückt dem Unternehmen seinen Stempel auf: Deutschlands größter Elektrokonzern bekommt eine neue Struktur. Die Einteilung des Geschäfts in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur und Städte solle aufgelöst werden, teilte das Unternehmen am Dienstagabend nach einer Aufsichtsratssitzung in München mit. Zudem soll die Zahl der Divisionen von bisher 16 auf 9 reduziert werden.

Für die Hörgeräte-Sparte werde ein Börsengang vorbereitet. Bereits vor rund fünf Jahren hatte Siemens versucht, das Geschäftsfeld mit seinem geschätzten Umsatz von einer halben Milliarden Euro loszuschlagen. Allerdings scheiterte es seinerzeit an den eigenen Preisvorstellungen. Etwa zwei Milliarden Euro wollte Kaeser einst noch als Finanzvorstand von interessierten Finanzinvestoren haben. Die lehnten allerdings ab. In der Folge nahm der Konzern die Audiologie aus dem Licht der Öffentlichkeit und richtete sie neu aus.

So krempelt Kaeser Siemens um

Größter Umbau seit Jahren

Erst Ruhe und Ordnung, dann der größte Umbau seit Jahren: Ab Mai 2014 packt Siemens-Chef Joe Kaeser überraschend viel an bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Von der Auflösung der Sektoren bis zum weiteren Vorstandsumbau - das Großreinemachen bei Siemens hat begonnen. Und ganz nebenbei traute sich Kaeser noch eine milliardenschwere Übernahme des französischen Industrierivalen Alstom zu und wagte sich dafür in ein Bietergefecht mit dem US-Rivalen General Electric (GE).

Was soll sich bei Siemens verändern?

Die von Kaesers Vorgänger Peter Löscher eingeführte Einteilung in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur & Städte sollte ab Oktober 2014 Geschichte sein, das Geschäft in neun statt bisher 16 Divisionen zusammengefasst werden. Für die Hörgeräte-Sparte, für die vor Jahren ein Verkauf platzte, plant Siemens einen Börsengang. Die restliche Medizintechnik bleibt zwar im Konzern - sollte aber ab Oktober eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Hinzu kommt der Zukauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts vom Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce.

Wen treffen die Veränderungen?

Siemens hatte per Sparprogramm 15.000 Stellen gestrichen. Betroffen vom weiteren Umbau sollten vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung sein. Im Zuge des Umbaus gab aber auch der bisher für den Energiesektor zuständige Vorstand Michael Süß seinen Posten an die Shell-Managerin Lisa Davis ab. Süß war 2013 zeitweise sogar als möglicher Nachfolger Löschers gehandelt worden, der nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge Ende Juli 2013 Jahres seinen Hut nehmen musste.

Was will Kaeser mit dem Umbau erreichen?

Weniger Bürokratie, schlankere und übersichtlichere Strukturen, eine straffere Führung und mehr Kundennähe dürften zu Kaesers wichtigsten Zielen gehören. Ausdrücklich will er den Konzern auf die Wachstumsfelder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung ausrichten. Siemens braucht wieder Anschluss an Wettbewerber wie den US-Mischkonzern GE, dem die Münchner seit Jahren in Sachen Rendite hinterherhecheln. Auch in der Akquisitionspolitik will Kaeser nach Rückschlägen seines Vorgängers Löscher zeigen, dass er es besser kann. Vielversprechende Geschäftsfelder stärken und weniger Zukunftsträchtiges abstoßen, heißt dabei seine Devise. Und ganz nebenbei bringt der Umbau weitere Einsparungen: Bis zum Herbst 2016 sollen die Kosten um eine Milliarde Euro sinken.

Welche Rolle spielte der Poker um Alstom?

Beide Baustellen haben zunächst wenig miteinander zu tun. Die Pläne für den Umbau, den Kaeser dem Aufsichtsrat vorlegte, reiften spätestens seit dem Wechsel des früheren Finanzvorstands an die Spitze von Siemens. Wären die Münchner bei den Franzosen zum Zuge gekommen, hätte Kaeser wohl ein weiteres Mal größere Umbauarbeiten beginnen müssen.

Die Medizintechnik-Sparte bleibt zwar im Konzern, soll aber von Oktober an eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Damit werde dem Zweig mit seiner langen Geschichte „eine größere Flexibilität auf dem sich fundamental wandelnden und von Paradigmenwechseln geprägten Markt für Medizintechnik gegeben.“ Mit einer ähnlichen Formulierung leitete Siemens die Trennung von seiner früheren Leuchtmitteltochter Osram ein. Ein geplanter Börsengang war Kaeser damals allerdings nicht gelungen, er musste die Aktien an die Siemens-Aktionäre verschenken.

Hintergrund der Neuordnung ist die Definition vielversprechender Wachstumsfelder. „Die Siemens AG wird sich künftig entlang der Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung aufstellen“, hieß es in einer Mitteilung. Der Umbau des Elektrokonzerns hatte sich in den vergangenen Wochen bereits abgezeichnet. Kaeser will das Unternehmen schlanker und schlagkräftiger und so fit für den Wettbewerb machen.

Umbau auch im Vorstand

Vorab war bekannt geworden, dass Kaeser auch den Vorstand umbaut. Das Handelsblatt hatte erfahren, dass Energievorstand Michael Süß das Unternehmen verlässt. Siemens bestätigte die Personalie am Dienstagabend. Süß wird vor allem vorgeworfen, dass er zu lange nur auf große Gaskraftwerke setzte. Siemens muss nun teuer zukaufen, um die Lücken im Produktportfolio zum Beispiel bei kleineren Gasturbinen zu füllen.

Seinen Job übernimmt die bisherige Shell-Managerin Lisa Davis, allerdings wird sich in der neuen Konzernstruktur auch ihr Arbeitsfeld ändern. Bis Davis das Ressort übernimmt, werde die Sektorleitung kommissarisch von Randy Zwirn übernommen und im Vorstand von dem bisher für Technik und Personal zuständigen Klaus Helmrich vertreten, erklärte das Unternehmen.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

07.05.2014, 09:39 Uhr

Zitat : Kaeser löst Siemens' Konzernstruktur auf

- und SIEMENS selbst auch !

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Account gelöscht!

07.05.2014, 11:18 Uhr

SIEMENS ist nur noch ein Schatten seiner Selbst. Ziellos, planlos, orientierungslos. Was waren da eigentlich für Versager-Verstände dran in den letzten Jahren? Alles Totalausfälle. Komplette Nieten. Streichten Millionen ein, für was? Das zusammenstreichen von 16 auf 9 Divisionen gleicht einem Offenbarungseid. SIEMENS weiß gar nicht mehr, was ihr Kerngeschäft ist. Tanzen auf allen möglichen Hochzeiten rum, halbherzig, nix Ganzes und nix Halbes. Schlimm sowas. Jeder Prikatikant bekommt das gleiche hin- nur kostet der nix...

Account gelöscht!

07.05.2014, 11:35 Uhr

@ Tomorrow1

Zitat : SIEMENS weiß gar nicht mehr, was ihr Kerngeschäft ist.

- Doch ! Eierkocher, Waschmaschinen, Kaffeemaschinen. Und sogar dieses Kerngeschäft macht ihnen zur Zeit Bosch streitig.

SIEMNS wird jetzt wohl von der Größten NIETE regiert....Jo Kaeser, einem Erbsenzähler, der von der Technik erst gar keine Ahnung mehr hat.

Dafür kann er bis 20 zählen......bei 19 Divisionen braucht man ja auch nicht mehr !

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