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14.09.2011

13:49 Uhr

Neue Stromer-Kooperation

General Electric hängt sich an Peugeot

Bei dem Versuch, Siemens Marktanteile abspenstig zu machen, lässt der ewige Rivale nicht locker. Jetzt steigt GE in das Geschäft mit Elektroautos ein - und will schaffen, was noch niemandem zuvor gelang.

Das Concept-Car BB1 - ein nur 2,5 Meter langes Elektroauto von GE-Partner Peugeot obs

Das Concept-Car BB1 - ein nur 2,5 Meter langes Elektroauto von GE-Partner Peugeot

München/FrankfurtNachdem der Siemens-Konzerns Elektroautos für sich entdeckt hat, zieht der größte Konkurrent General Electric (GE) nach: GE unterzeichnete mit dem französischen Autohersteller PSA Peugeot Citroën einen
Kooperationsvertrag. Wie GE am Mittwoch mitteilte, wollen die beiden Unternehmen ein neues Angebot entwickeln, das die bisherigen Nachteile von Elektroautos - geringe Reichweite oder lange Ladezeiten - überwindet. Der Vertrag wurde anlässlich der Automesse IAA in Frankfurt geschlossen.

Die Pläne der deutschen Hersteller zum E-Auto

Opel

Der Opel Ampera kommt schon in den nächsten Wochen. Das Mittelklasseauto soll ab 42 900 Euro zu haben sein. In den USA wird das Elektroauto als Chevrolet Volt bereits verkauft. Opel rechnet mit 12 000 verkauften Ampera pro Jahr. GM will 2012 rund 60 000 Volt und Ampera vom Band laufen lassen. Die Lithium-Ionen-Batterie von Ampera und Volt speichert Energie für Strecken zwischen 40 und 80 Kilometern, je nach Fahrstil und Außentemperatur. Ist die Batterie leer, lässt sie sich in drei Stunden an einer herkömmlichen 230-Volt-Steckdose wieder aufladen. Das muss anders als beim reinen Stromer nicht sofort geschehen: Denn für längere Strecken dient ein Benzinmotor als Energiequelle, die die Batterie in Gang hält. Das Auto kann so ohne Ladeaufenthalt 500 Kilometer am Stück fahren.

Daimler

Daimler bringt im nächsten Frühjahr den Smart als erstes rein elektrisch betriebenes Auto in Großserie auf den Markt. Der City-Flitzer hat eine Reichweite von gut 140 Kilometern. 2012 will Daimler eine fünfstellige Stückzahl verkaufen. Das Auto soll für weniger als 20.000 Euro zu haben sein. Kunden in Deutschland können den E-Smart auch für knapp 16.000 Euro netto kaufen - plus monatlich 60 Euro netto Mietkosten für die Batterie. Daimler-Chef Dieter Zetsche ist zudem ein großer Verfechter der Brennstoffzelle. Als erstes Großserienmodell mit diesem Antrieb will er 2014 den Kompaktwagen B-Klasse auf den Markt bringen. Später sollen Oberklassemodelle folgen. Als Vorteile im Vergleich zum batteriebetriebenen Elektroauto sieht der Manager, dass die Wagen schneller betankt werden können, eine höhere Reichweite erzielen und die Technologie sowohl für Kleinwagen als auch große Fahrzeuge bis hin zu Lastwagen geeignet ist.

BMW

Bei BMW laufen seit 2009 Testflotten des E Mini. Außerdem haben die Münchner mit BMWi eine eigene Elektro-Marke geschaffen. Unter dem Label wird der Konzern 2013 mit dem i3 sein erstes rein elektrisch angetriebenes Fahrzeug auf den Markt bringen. BMW-Chef Norbert Reithofer will bereits mit der ersten Generation Geld verdienen. Die Anschaffungskosten für den Kompaktwagen sollen unter 40.000 Euro liegen. Für die E-Fahrzeuge haben die Bayern eine eigene Architektur erarbeitet. Die Antriebstechnik ist im Fahrzeugboden untergebracht. Obendrauf sitzen eine Leichtbau- Fahrgastzelle und Stauraum.

VW

Europas größter Autobauer Volkswagen will 2013 die ersten reinen Elektroautos in Serie auf den Markt bringen. Derzeit laufen verschiedene Feldversuche. Die ersten Modelle mit Elektroantrieb werden 2013 Varianten des neuen Golf und des jetzt vorgestellten Kleinwagens Up sein. 2018 will VW Marktführer auch in diesem Segment sein. VW-Chef Martin Winterkorn sagt, Volkswagen werde der Autobauer sein, der das „Elektroauto für Alle“ anbieten werde. VW betrachtet nicht nur die Karosserie, sondern auch die Motoren, das Batteriesystem und die Elektronik als „Kernkompetenz“ und kümmert sich darum überwiegend in Eigenregie. Bei der Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien hat VW mehrere Partner.

Audi

Schon ein Jahr früher als die Konzernmutter will die Ingolstädter VW-Tochter Audi mit der Kleinserienproduktion des Sportwagens E-tron beginnen. In Großserie soll später ein neuer Kleinwagen zwischen A1 und A3 vom Band laufen, der aber nicht vor 2013 kommt.

Über das finanzielle Volumen des Vertrags wurden keine Angaben gemacht. GE und PSA Peugeot Citroën wollen in Frankreich ein Zentrum für Elektrofahrzeuge gründen. „Effiziente Lösungen können nicht einfach nur auf einem Elektrofahrzeugprogramm aufbauen. Wir müssen weiterdenken und kombinierte Lösungen konzipieren“, sagte Ferdinando Beccalli-Falco, Chef von GE Deutschland sowie des Europa- und Nordasiengeschäfts. Siemens hatte Ende August eine Kooperation mit dem schwedischen Autohersteller Volvo bekanntgegeben.

Siemens und GE begegnen sich auf vielen Feldern: In der Medizintechnik und bei Gasturbinen ebenso wie bei Windrädern. Mit der neuen Zusammenarbeit rücken die Amerikaner den Deutschen nun noch weiter auf die Pelle.Gerade gestern hatte der Konzern bekannt gegeben, er wolle sein Deutschland-Geschäft ausbauen.

Starker Nachholbedarf in Deutschland

Denn hierzulande gibt es starken Nachholbedarf. Während General Electric weltweit lange Zeit das schier unerreichbare Vorbild für den Siemens-Konzern war und die Münchener erst unter dem jetzigen Unternehmenschef Peter Löscher nah an den Erzrivalen heranrückten, sehen die Kräfteverhältnisse auf dem wichtigen deutschen Markt seit jeher anders aus. Hier hinkt GE den Siemens weit hinterher.

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