Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.09.2012

15:08 Uhr

Neue Studie

Industrie spart Millionen durch Ökostrom-Regeln

Unternehmen mit hohem Energieverbrauch profitieren massiv von der Ökostrom-Förderung und niedrigeren Preisen. In diesem Jahr hat die Industrie Vorteile über rund 600 Millionen Euro. Die Union warnt vor Stimmungsmache.

Je mehr Strom ein Unternehmen beziehe, desto größer sei der relative Kostenvorteil – so heißt es in der Studie. dapd

Je mehr Strom ein Unternehmen beziehe, desto größer sei der relative Kostenvorteil – so heißt es in der Studie.

BerlinDie energieintensive Industrie hat durch Ausnahmen bei der Ökoenergie-Förderung und gesunkene Einkaufspreise für Strom allein 2012 Vorteile in einer Größenordnung von 600 Millionen Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion.

Unternehmen mit einem sehr hohen Energieverbrauch müssen anders als die Bürger nur eine Umlage von 0,05 Cent je Kilowattstunde für die Förderung von Ökoenergie bezahlen. Diese Belastung summiert sich der Studie zufolge 2012 auf 137 Millionen Euro. Zugleich profitiere die Branche aber von preisdämpfenden Effekten beim Einkauf von Strom durch immer mehr Solar- und Windenergie.

Diese Ersparnis belaufe sich auf 727 Millionen Euro, so dass in der Summe fast 600 Millionen blieben. „Im Zeitraum 2010 bis 2012 beträgt der kumulierte Gewinn für stromintensive Betriebe insgesamt 1,5 Milliarden Euro“, betonen die Studienautoren. Je mehr Strom ein Unternehmen beziehe, desto größer sei der relative Kostenvorteil.

Die Arbeitsgruppen Wirtschaft der Fraktionen von Union und FDP verteidigten die Industrie-Rabatte. Nach einer gemeinsamen Klausurtagung betonten sie, die erweiterten Ausnahmen bei der Förderung erneuerbarer Energien seien unerlässlich, damit die „Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen nicht noch stärker beeinträchtigt wird“. Zudem wandten sie sich zum Schutz der Industrie vor zu hohen Zusatzbelastungen gegen eine Anhebung des EU-Ziels von 20 auf 30 Prozent weniger Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020.

Das sind die größten Energieversorger der Welt

Platz 10

Die Rangliste der größten Energieunternehmen der Welt eröffnet Kansai Electric Power. Der japanische Versorger kam 2011 auf einen Umsatz von 33,3 Milliarden Dollar.

Platz 9

Mit 39,3 Milliarden Dollar Umsatz liegt der südkoreanische Versorger Korea Electric Power (Kepco) auf dem neunten Rang.

Platz 8

Iberdrola landet auf dem achten Platz. Der spanische Versorger erwirtschaftete 2011 Erlöse in Höhe von 41 Milliarden Dollar.

Platz 7

Der britische Versorger SSE (Scottish and Southern Energy) landet auf Rang sieben der Rangliste. Umsatz 2011: 45,4 Milliarden Dollar.

Platz 6

Der erste deutsche Energiekonzern findet sich auf Platz sechs wieder. RWE erwirtschaftete im Jahr 2011 Erlöse von 63,7 Milliarden Dollar.

Platz 5

64,6 Milliarden Dollar erwirtschaftete Tokyo Electric Power im Jahr 2011. Besser bekannt ist das Unternehmen unter der Abkürzung Tepco. Nach der Katastrophe am Atomkraftwerk von Fukushima ist Tepco inzwischen mehrheitlich im Besitz des japanischen Staates.

Platz 4

Électricité de France (EDF) schrammt knapp am Treppchen vorbei. Die Franzosen kommen mit einem Umsatz 2011 von 84,6 Milliarden Dollar auf Platz vier.

Platz 3

Der größte italienische Energiekonzern ist weltweit die Nummer drei. Enel machte 2011 einen Umsatz von 103,2 Milliarden Dollar.

Platz 2

Der französische Versorger GDF Suez findet sich auf Rang zwei der Rangliste. Im Jahr 2011 erwirtschaftete GDF Suez Erlöse in Höhe von 117,5 Milliarden Dollar.

Platz 1

Der deutsche Branchenprimus ist auch weltweit die Nummer eins. Eon kam im Jahr 2011 auf einen Umsatz von 157,3 Milliarden Dollar - das reicht für die Spitzenposition.

Joachim Pfeiffer, wirtschaftspolitischer Sprecher der Unions-Fraktion, warnte die Grünen vor Stimmungsmache gegen die Industrie. „Wer wie die Opposition versucht, Verbraucher- und Wirtschaftsinteressen gegeneinander auszuspielen, missachtet die ökonomischen Zusammenhänge, schädigt unsere Volkswirtschaft und gefährdet damit die Grundlagen unseres Wohlstands“, sagte Pfeiffer.

Pumpspeicherkraftwerk - Ökostromdepot im Hochschwarzwald

Video: Pumpspeicherkraftwerk - Ökostromdepot im Hochschwarzwald

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Von

dpa

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

little_TIGER

10.09.2012, 16:40 Uhr

Diese Studie beschreibt doch nur, dass bestimmte Industrieunternehmen durch eine Quersubventionierung entlastet werden. Diese Subventionen müssen die restlichen Stromkunden bezahlen. Das altbekannte linke/rechte Taschenspiel
In Summe bedeutet die Energiewende eine erhebliche Belastung für die deutsche Volkswirtschaft.

gehel

10.09.2012, 16:58 Uhr

Man braucht keine Stimmung gegen diese Subventionen zu machen. Auf der einen Seite geiselt die FDP Subventionen, auf der anderen Seite gewährt sie sie im Übermaß. Es ist ja nichts dagegen einzuwenden, dass Unternehmen, die international tätig sind, ggf. entlastet werden. Es ist aber nicht in Ordnung, wenn Unternehmen künstlich ihren Stromverbrauch in die Höhe treiben, um in den Genuß dieser Subventionen zu kommen oder Unternehmen, die national tätig sind, auch davon profitieren. Hier wäre ein Mehr an Fingerspitzengefühl sinnvoll. Es ist geradezu lächerlich, wenn die Kanzlerin davon spricht, dass die Energiewende bezahlbar bleiben muss, man sich darüber unterhält, wie man die Energiekosten für Geringverdiener noch bezahlbar halten kann und dann solche Entscheidungen trifft und diese dann auch noch von Vertretern der Regierungsparteien vehement verteidigt werden.

Oelblase

10.09.2012, 17:08 Uhr

Eine weitere dreiste Lüge, die man vor die Nase gesetzt bekommt.

Es ist so, dass die stromintensiven Unternehmen ~20% des gesamten Strom verbrauchen, dafür sich aber zu 0,5% an der EEG-Umlage beteiligen!

D.h. bei 13,5 Mrd. € umzulegenden Kosten in 2011 sind 20% genau 2,7 Mrd. €. Damit wurde die Industrie in 2011 um mindestens 2,7 Mrd. € entlastet!

Subventionierung der Industrie lag hier also in 2011 bei 2,7 Mrd. € und nicht etwa bei 0,6 Mrd. €.

So weit konnte es nur durch die Politik der kleinen Schritte kommen, indem Jahr für Jahr Unternehmen von der EEG-Umlage grundlos befreit wurden.


Und diese Art von Politik zieht sich wie ein roter Faden durch diese Legislaturperiode!
Der Euro-Rettungswahnsinn wird mit 250 Mrd. € kalkuliert, kostet aber bestimmt mehrere Billionen €.
Der Flughafen in Berlin kostet nun 2 Mrd. € mehr als geplant, die Elbphilharmonie in Hamburg kostet etwa das 10-fache von dem was geplant war, das Nürburgring-Projekt ist ein einziges Desaster...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×