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30.06.2015

16:05 Uhr

Neue Vorwürfe gegen Ernst Lieb

„Mister Mercedes“ steht wieder unter Verdacht

2011 wurde der Landeschef von Mercedes USA fristlos entlassen – er hatte mit Firmengeldern sein Haus umgebaut. Nun taucht der Mann in einer Klageschrift von Fiat Chrysler auf. Und auch Daimler sucht nach neuen Spuren.

Der Mercedes-Manager wurde 2011 entlassen, weil er sein Privathaus mit Firmengeldern umgebaut haben soll. dpa

Ernst Lieb

Der Mercedes-Manager wurde 2011 entlassen, weil er sein Privathaus mit Firmengeldern umgebaut haben soll.

DüsseldorfDer Stuttgarter Automobilhersteller Daimler wird von einer bereits überstanden geglaubten Personalie eingeholt. Wie das Handelsblatt in seiner Mittwochausgabe berichtet, untersucht das Unternehmen derzeit alle Verträge, die während der Amtszeit des ehemaligen Mercedes-Managers Ernst Lieb mit dem australischen Internet-Dienstleister Motortrak geschlossen wurden.

Geschäftsführer von Motortrak war Clyde Campbell, ein ehemaliger Mitarbeiter von Lieb. Gegen ihn läuft derzeit eine Klage des Autokonzerns Fiat Chrysler Automobiles. Auch hier stehen Verträge mit Motortrak im Mittelpunkt. Campbell wechselte 2010 von Motortrak zu Fiat Chrysler und war bis April 2013 Chef des Automobilherstellers in Australien. Heute wirft ihm der Konzern vor, ungerechtfertigte Millionenzahlungen an Motortrak geleistet zu haben. Außerdem soll Campbell sein Unternehmen durch Scheinrechnungen und Unmengen von Reisekosten geschädigt haben. Fiat Chrysler beziffert den Schaden auf 30 Millionen australische Dollar (20,7 Millionen Euro). Sein Anwalt bestreitet die Vorwürfe. Lieb ließ alle Anfragen unbeantwortet.

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Lieb war 35 Jahre lang bei Daimler und galt als „Mister Mercedes“, bis ihm das Unternehmen im Oktober 2011 fristlos kündigte. Er hatte mit Firmengeldern sein Privathaus umgebaut und Privatflüge geschäftlich abgerechnet. Lieb klagte gegen seine Entlassung, verlor aber. Nach seinem Rauswurf zog Lieb zurück nach Australien und beteiligte sich an der Autohandelsgruppe Motorworld Australia. Auch sie ist Teil der Klageschrift von Fiat Chrysler. Der Konzern beklagt einen Schaden von mehr als drei Millionen australischen Dollar.

Für Daimler gestaltet sich die Untersuchung schwierig. Die möglicherweise schädlichen Verträge stammen aus den Jahren 2008 bis 2010 und seien nicht ad hoc zu greifen, teilte das Unternehmen mit. Die Revision arbeite daran. Niemand im Konzern kann sich derzeit erklären, warum die US-Tochter ausgerechnet mit einer australischen Web-Dienstleister ins Geschäft kam – ins Auge fällt nur die enge persönliche Beziehung zwischen Lieb und Campbell. „Wir nehmen solche Vorwürfe grundsätzlich sehr ernst, Compliance für Daimler von zentraler Bedeutung“, sagte eine Konzernsprecherin dem Handelsblatt. „Was die Vorwürfe angeht, so prüfen wir derzeit Lieferbeziehungen mit Motortrak konzernweit. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu Vertragsbestandteilen nicht äußern.“

Von

iw

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

30.06.2015, 19:06 Uhr

Jetzt verstehe ich, warum Autos so teuer sind.

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