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14.01.2008

18:41 Uhr

Neuer Angriffsplan

VW prüft US-Start des Polo

VonCarsten Herz

ExklusivEuropas größter Autokonzern Volkswagen fasst erstmals den Sprung auf den amerikanischen Automarkt mit Kleinwagen unterhalb des VW-Golf ins Auge. Konkret geht es um das Modell Polo. Aber auch der geplante Minibus Space Up könnte nach Worten von Vorstandschef Winterkorn in den USA einen Markt finden.

Der VW-Polo. Chance auf dem US-Markt? Foto: dpa Quelle: dpa

Der VW-Polo. Chance auf dem US-Markt? Foto: dpa

DETROIT. "Wir prüfen, mit kleineren Fahrzeugen als dem VW Golf auf den US-Markt vorzufahren", sagte VW -Vorstandschef Martin Winterkorn dem Handelsblatt am Rande der Detroit Auto Show. "Ich werde diese Woche bei einem Treffen mit unseren 600 Händlern in den USA die Frage stellen: Braucht Ihr den VW Polo?"

Experten sehen angesichts von hohen Treibstoffkosten und einem wachsenden Umweltbewusstsein ein steigendes Marktpotenzial für Kleinwagen unter den PS-verliebten Amerikanern. Bereits im vergangenen Jahr zählte dieses Segment zu den wenigen Wachstumsbereichen im US-Automarkt.

Volkswagen räumt seiner geplanten Familie von Kleinstwagen, die bisher nur als Studien unter dem Namen Up zu sehen waren, weltweit eine entscheidende Bedeutung für seine ehrgeizigen Absatzpläne ein. "Wir sehen für den Up ein sechsstelliges Absatzvolumen. Ob dies aber nun 300 000, 500 000 oder 700 000 Einheiten sein werden, kann ich nicht sagen", sagte Winterkorn. Der Kleinstwagen soll als modernes Stadtauto in Westeuropa und zugleich in den Schwellenländern in abgespeckter Version als günstiges Fahrzeug um 6 000 Euro angeboten werden. "Wir werden noch 2008 die Weichen für die Realisierung des Up stellen und die Investitionsplanung für das Auto abschließen", betonte der Vorstandschef.

VW, Europas größter Autobauer, der seine Verkaufszahlen bis 2018 von sechs auf über zehn Millionen Einheiten steigern will, ändert damit seinen Angriffsplan auf den Branchenprimus Toyota, nachdem er bislang vor allem in den Modellsegmenten Pick-up, Geländewagen und Van Nachholbedarf ausgemacht hatte.

Branchenexperten sagen Billigautos unter 10 000 Dollar ein atemberaubendes Wachstum voraus. Bereits 2015 sollen 30 Prozent aller Neuwagen in den Schwellenländern Einfachstautos sein, erwartet der Gelsenkirchener Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Spätestens dann sollen weltweit jährlich mindestens zehn Millionen Wagen in dieser Preisklasse verkauft werden. Neun Millionen davon sollen in Wachstumsländern wie Brasilien, Russland, Indien und China losgeschlagen werden. Lediglich eine Million entfiele auf die klassischen Automobilmärkte.

Der französische Autobauer Renault hat mit dem Billigwagen Dacia Logan, der in der einfachen Version für Schwellenländer in Osteuropa, Südamerika und Afrika um die 5 000 Euro kostet, schon vorgemacht, wie ein Auto ohne hochmoderne Ausstattung weltweit reißenden Absatz finden kann. Renault -Chef Carlos Ghosn hat vor, etwa die Hälfte der von Renault beabsichtigten Absatzsteigerung um 800 000 Fahrzeuge bis 2009 allein mit der Logan-Modellreihe zu erzielen und spätestens 2010 jährlich rund eine Million Wagen der Baureihe zu verkaufen.

In den Markt von Billigautos um 2 000 Dollar will VW allerdings nicht einsteigen. Dies wäre ein großer Fehler, weil VW seine Marke verwässern würde, sagte Winterkorn. Der indische Autobauer Tata hatte vor wenigen Tagen einen Einfachwagen für 1 700 Euro vorgestellt. Die Inder erwarten mittelfristig eine Nachfrage von jährlich einer Million für den Viersitzer, der unter dem Namen Nano antritt.

"Der Markt für Billigautos unter 5 000 Euro ist für deutsche Autohersteller jedoch kein lohnendes Marktsegment", urteilt auch Autoexperte Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft. Das Marktpotenzial für solche Fahrzeuge sei eng begrenzt und sich hier zu engagieren, könnte zu ernsthaften negativen Imageauswirkungen für etablierte Automobilhersteller führen.

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