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19.03.2014

15:26 Uhr

Neuer Chef plant Umbau

Kaeser drückt Siemens seinen Stempel auf

Der neue Siemens-Chef Joe Kaeser krempelt den Elektronikkonzern um. Er will die Struktur auflösen, die sein Vorgänger Peter Löscher eingerichtet hat. Das Ziel: weniger Bürokratie und weniger Kosten.

Siemens-Chef Joe Kaeser will den Konzern weniger komplex machen. ap

Siemens-Chef Joe Kaeser will den Konzern weniger komplex machen.

MünchenSiemens steht vor einem Umbau: Der neue Konzernchef Joe Kaeser, seit dem vergangenen Sommer im Amt, wird die bestehenden Konzernsektoren voraussichtlich auflösen. Die vier Sparten stünden zur Disposition, weil sie viel zusätzliche Bürokratie geschaffen hätten, erfuhr das Handelsblatt aus Industriekreisen. Damit setzt sich der Manager von seinem Vorgänger Peter Löscher ab, der die Einteilung geschaffen hatte – und er zeigt, wie er den Konzern wieder profitabler machen will.

Ein komplexes Gebilde wie Siemens mit seinen weltweit rund 360.000 Mitarbeitern und Produkten vom Windrad bis zur U-Bahn kommt nicht ohne ein Mindestmaß an Bürokratie aus. Umbauten stehen daher fast immer auf der Agenda. Kaesers Vorgänger Löscher teilte das Unternehmen in die Bereiche Industrie, Energie, Medizintechnik und Infrastruktur ein. Damit handelte er sich heftige Kritik ein, der damals neue Städte- und Infrastruktursektor etwa war von Beginn an umstritten. Viele Investoren schmähten das Geschäft mit Zügen, Gebäudetechnik und Energieverwaltung als „Resterampe“.

Stärken und Schwächen von Siemens

Stärke 1

Dividendenstärke

Seit einigen Jahren gilt bei Siemens das Ziel, einen Anteil von 40 bis 60 Prozent des Gewinns nach Steuern auszuschütten, deutlich mehr als früher. Für 2013 gab es wieder eine Dividende auf dem Rekordniveau von drei Euro. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von 57 Prozent.

Stärke 2

Aufträge

Der Auftragseingang, also die Umsätze von morgen, legte im abgelaufenen Geschäftsjahr um acht Prozent auf 82,4 Milliarden Euro zu.

Stärke 3

Ertragsperlen

Die Medizintechnik, der kleinste der vier Siemens-Sektoren, glänzte im vergangenen Geschäftsjahr nicht nur mit der höchsten operativen Umsatzrendite. Auch in absoluten Zahlen lieferte die Medizintechnik mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von zwei Milliarden Euro den höchsten Gewinnbeitrag.

Schwäche 1

Abhängigkeit von Europa

Was in Boomzeiten ein Vorteil ist, wird zum Nachteil, wenn die Konjunktur lahmt – die starke Position von Siemens in Europa. In Südeuropa etwa können die Schuldenstaaten derzeit nur noch wenige große Infrastrukturprojekte anstoßen. Das bekommt auch Siemens zu spüren.

Schwäche 2

Fehlende Innovationskraft

Es gibt Zweifel an der Innovationskraft von Siemens – trotz 60.000 neuen Patenten im Jahr. Denn der Konzern erzielte zuletzt mit seinen Geschäften nur eine Bruttomarge von 27,4 Prozent. Nach Einschätzung von Konzernchef Joe Kaeser ist dies ein Anzeichen dafür, dass Siemens mit seinen Produkten nicht die Preise erzielen kann, die man gerne hätte. Die Produkte sind womöglich nicht immer innovativ genug.

Schwäche 3

Sonderlasten

Vor allem schlecht gemanagte Großprojekte verhageln dem Konzern seit Jahrzehnten die Ergebnisse. 2013 war es besonders arg. Die anhaltenden Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz auf dem Festland, die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen, der Ausstieg aus dem Solargeschäft und andere Pannen verursachten im Konzern fast 900 Millionen Euro an Sonderaufwendungen.

Dadurch ist der ohnehin schon komplexe Siemens-Konzern ist noch komplexer geworden. Es gibt Regionalcluster und Landesgesellschaften, Divisionen, Sektoren und die Zentrale in München. Insider berichten, dass deswegen häufig unterschiedliche Abteilungen bei den Kunden vorstellig werden. Siemens sei zu bürokratisch, sagte Kaeser jetzt bei einer Veranstaltung der TU München. Zudem müsse der Kundenzugang verbessert werden.

Künftig wird es wohl unter der Ebene des Vorstands wie früher wieder eine größere Zahl von operativen Einheiten geben. Im Umfeld des Konzerns wurde betont, dass noch keine abschließenden Entscheidungen gefallen seien. Kaeser will seine Pläne am 8. Mai vorstellen. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass eine neue Eingreiftruppe für eine straffere Führung sorgen soll – sie ist unterhalb des Vorstands angesiedelt.

Gleichzeitig könnte der Umbau helfen, die Ausgaben zu senken. Die Konkurrenz zeigt, wie es geht: So verringerte General Electric im vergangenen Jahr die Kosten um 1,6 Milliarden Dollar. 2014 soll eine weitere Milliarde eingespart werden.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

19.03.2014, 13:24 Uhr

Kleine selbständige Einheiten sind schlagkräftiger und flexibler. Das hat Kaeser richtig erkannt!
Diese kleinen Einheiten sind wie "Schnellboote" und bringen das "Schlachtschiff" Siemens-Konzern wieder auf die richtig Spur zurück. Gute Entscheidung!

Account gelöscht!

19.03.2014, 13:44 Uhr

Für die Fehler des Managements haben diese Leute auch noch Boni bzw. riesige Abfindungen erhalten. Wer stoppt diesen Wahnsinn in der Wirtschaft? Außer Verluste, Zeitverschiebungen, Pfusch können unsere Manager wohl nichts. Nur eins können Sie noch: Ihre eigenes Vermögen explodieren lassen. Ist dass die heutige Managementausbildung??

Account gelöscht!

19.03.2014, 14:13 Uhr

@ spedition

Sie können es gerne selber besser machen. Unternehmen sind offen für Quereinsteiger aller Art deren Vita tatsächliche Erfolge vorweisen können.

Ansonsten bleibt immer noch der Gewerbeschein für 50€ und das eigene Unternehmen. Dann können Sie allen Nieten in Nadelstreifenanzug mal zeigen was für ein toller Manager Sie sind.

Viel Erfolg.

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