Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.11.2012

15:44 Uhr

Neuer Dreijahresplan

Volkswagen plant China-Offensive

VonLukas Bay

Überraschend gibt Volkswagen nur einen Investitionsplan für die nächsten drei statt wie erwartet die nächsten fünf Jahre aus. Mit Rekordinvestitionen will der Konzern der Weltspitze ein Stückchen näher kommen.

VW-Chef Winterkorn hat China im Visier.

VW-Chef Winterkorn hat China im Visier.

Wolfsburg/DüsseldorfDie Marschroute ist klar: Bis 2018 will Volkswagen zum größten Autokonzern der Welt aufsteigen - und so an Toyota und der Opel-Mutter General Motors vorbeiziehen. Gemeinsam hat der Aufsichtsrat um den Firmenpatriarch Ferdinand Piëch dafür heute einen Drei-Jahresplan mit Milliardeninvestitionen beschlossen, der die Wolfsburger ihrem Ziel ein Stückchen näher bringen und die jährliche Produktion auf zehn Millionen Einheiten schrauben soll.

Ursprünglich wurde heute mit einem Plan für die kommenden fünf Jahre gerechnet. "Es gibt viele globale Unsicherheiten derzeit", sagte Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler, der VW-Aktien zum Kauf empfiehlt, zu der Änderung des Planungshorizonts. "Es könnte sein, dass der Konzern deshalb einen gewissen Grad an Flexibilität, mehr als in der Vergangenheit, haben will."

In den nächsten drei Jahren wollen die Wolfsburger 50,2 Milliarden Euro in ihre zwölf Marken investieren. Von 2013 bis 2015 will VW fast 25 Milliarden Euro allein in neue Automobile und Varianten stecken. 60 Prozent der Sachinvestitionen sollen allein auf die 27 deutschen Standorte entfallen. „Trotz des herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds investieren wir mehr als jemals zuvor“, sagte VW-Chef Martin Winterkorn.

Fahrtest-Video

Welche Schwachstellen sich der Golf VII leistet

Fahrtest-Video: Welche Schwachstellen sich der Golf VII leistet

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Waren in der bisherigen Planung einschließlich Entwicklungskosten jährlich 12,5 Milliarden vorgesehen, so klettert diese Summe nun auf 16,7 Milliarden Euro pro Jahr. Von den bis 2015 geplanten Sachinvestitionen von 39,2 Milliarden Euro will VW mehr als die Hälfte in Deutschland ausgegeben. "Wir bei Volkswagen stehen zum Industriestandort Deutschland", fügte der VW-Chef mit einem Seitenhieb auf Opel hinzu, der über Werksschließungen diskutiert. Betriebsratschef Bernd Osterloh begrüßte die Entscheidung als "klares Bekenntnis zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Beschäftigung bei Volkswagen gerade angesichts des schwierigen Umfelds in der Automobilindustrie".

Auch die Kosten sollen durch die neue Baukastentechnik deutlich sinken. „Der Kostensenkungsdruck ist definitiv höher in diesen schwierigen Zeiten, aber wir müssen weiter investieren um unsere Wachstumsziele zu erreichen", sagt Audi-Betriebsratschef Peter Mosch der Nachrichtenagentur Reuters. China soll dabei eine Schlüsselrolle spielen.

Zusätzliche 9,8 Milliarden Euro will Volkswagen in Fernost investieren. Für die volle Werbeoffensive wurde jüngst der chinesische Starpianist Lang Lang als Markenbotschafter verpflichtet. Mit den Partnern SAIC Motor und FAW Group Autos vier neue Werke eröffnen. Seit Beginn des Jahres hat VW seinen Absatz in China um mehr als 18 Prozent auf zwei Millionen Autos gesteigert. Bis 2018 werde die jährliche Kapazität von Volkswagen in China mindestens vier Millionen Fahrzeuge betragen.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Ob das für die Krone reicht, ist allerdings fraglich. Aus Asien wird der Führungsanspruch von VW gleicht doppelt infrage gestellt. Der koreanische Hersteller Hyundai-Kia und der ewige Konkurrent Toyota streben ebenfalls an die Spitze. Allein Toyota will in den nächsten drei Jahren 20 neue Modelle in China auf den Markt bringen.

In Europa ist die Führungsrolle der Wolfsburger dagegen noch unangefochten. Während die Konkurrenz aus Südeuropa mit der Krise auf dem Heimatmarkt kämpft, konnte Volkswagen noch Marktanteile  gewinnen und die Produktion international ausbauen. Dafür will der Aufsichtsrat die langfristigen Investitionen auf einem hohen Niveau halten – oder sogar weiter steigern.

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

23.11.2012, 13:23 Uhr

Winterkorn ist klasse, und jeden Cent wert. Seitdem ich dem Mann kenn, hat er Benzin im Blut wie einst Michael Schumacher den Popometer zu seinen besten Zeiten !

marge

23.11.2012, 13:30 Uhr

Super, wie dieser Mann trotz Krise ins Ungewisse investiert. Das nenn ich mal Sportsgeist! Volkswagen ist halt schlau und schraubt nicht das Personal runter wie andere!

Account gelöscht!

23.11.2012, 13:38 Uhr

in China gibts wohl noch Käufer für die Autos

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×