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10.01.2007

15:39 Uhr

Neuer Sanierungsplan

Märklin-Bahn fährt nicht mehr über Sonneberg

Mit einem neuen Sanierungsplan, der Stellenabbau und neue Investitionen beinhaltet, will das Management dem angeschlagenen Modellbahnhersteller Märklin wieder auf die Spur helfen. Am meisten betroffen sind die Mitarbeiter im thüringischen Sonneberg.

HB GÖPPINGEN/SONNEBERG. Der Modellbahnhersteller Märklin will mit einem Zukunftskonzept wieder in die Gewinnzone kommen, das auch den Abbau von 310 der rund 1 400 Arbeitsplätze vorsieht. So soll das Werk im thüringischen Sonneberg mit 221 Beschäftigten noch in diesem Jahr geschlossen werden, wie Interims-Geschäftsführer Jan Kantowsky im AP-Gespräch am Mittwoch mitteilte. Zugleich sei aber geplant, die Investitionen 2007 um 50 Prozent auf 15 Mill. Euro aufzustocken.

Die 1859 im schwäbischen Göppingen gegründete „Fabrik feiner Metallspielwaren“ war nach drohender Insolvenz im Mai 2006 von der britischen Investorengruppe Kingsbridge übernommen worden. Kantowskys Kollege Ulrich Wlecke betonte nach den entsprechenden Beschlüssen von Aufsichtsrat und Geschäftsführung: „Unsere Gesellschafter haben ein um 50 Prozent gesteigertes Investitionsbudget bereitgestellt.“ Es rechne sich aber nur, wenn „wir die Kostenstruktur nachhaltig anpassen und vor allem Produktions- und Verwaltungskosten in Deutschland auf ein wettbewerbsfähiges Niveau senken“, sagte Wlecke.

Kantowsky ergänzte, es gehe nicht darum, dass „Heuschrecken sich eine größere Rendite verschaffen wollen“. Vielmehr handele es sich um „die zweite Phase der Sanierung von Märklin“. Das Unternehmen habe nach wie vor verlustträchtige Strukturen. Im Mai habe Märklin „am Abgrund gestanden“ mit jährlichen Minusraten beim Umsatz von zehn bis 15 Prozent. 2005 setzte Märklin rund 123 Mill. Euro um. Kantowsky erklärte, 2008 wolle Märklin wieder schwarze Zahlen schreiben.

Unmittelbar nach dem Eigentümerwechsel sei mit neuen Vertriebswegen und mehr Marketing erfolgreich der Umsatz stabilisiert worden, sagte Kantowsky. Nun müssten die Strukturen „zukunftsfest gemacht“ werden.

Neben dem Anfang der 90er Jahre gegründeten Werk in Sonneberg trifft es auch 30 der 63 Mitarbeiter in Nürnberg und weitere 60 im Stammwerk Göppingen. Insgesamt legte Kantowsky aber ein „klares Bekenntnis zum Stammwerk Göppingen“ ab. Nur dort und im ungarischen Györ soll künftig produziert werden. Göppingen solle überdies „als Entwicklungsstandort gefestigt“ und mit Investitionen in die Fertigung wieder als zentraler Produktionsstandort ausgebaut“ werden. Die Maßnahmen sollen nach dem Plan der Geschäftsführung in der zweiten Hälfte des Jahres abgeschlossen sein. Märklin hatte 2004 bereits 340 Stellen, meist in Göppingen, abgebaut.

Am Werk Sonneberg herrschte zunächst Ratlosigkeit und Enttäuschung. Der Landesvorsitzende des DGB, Steffen Lemme, sprach von einem „Schlag ins Gesicht für die mittelständische Wirtschaft Thüringens“ und wertete die Märklin-Entscheidung als Beleg dafür, dass im Gegensatz zur Ansicht der Erfurter Landesregierung „niedrige Löhne keine Standortsicherheit gewährleisten“.

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