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24.09.2015

20:03 Uhr

Neuer VW-Chef Matthias Müller

Piëchs Favorit beerbt Winterkorn

VonMartin-W. Buchenau

Matthias Müller war einst der Kandidat, den sich Ferdinand Piëch an der VW-Spitze gewünscht hat. Jetzt wird er tatsächlich Nachfolger von Martin Winterkorn. War das Piëchs Werk? Und: Wer ist der neue Mann an der Spitze?

Neubesetzung

Porsche-Boss Müller wird neuer VW-Chef

Neubesetzung: Porsche-Boss Müller wird neuer VW-Chef

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Mit seinen Aussagen zur Verantwortung der Wirtschaft in der Flüchtlingsfrage sorgte er kürzlich für Aufsehen. „Es ist an der Zeit, dass Wirtschaftslenker zu bestimmten Dingen ihre Meinung sagen. Wir müssen uns Extremismus entgegenstellen und Haltung zeigen“, hatte Müller in der „Süddeutschen Zeitung“ gefordert. Damit bezog der 62-Jährige als erster deutscher Topmanager öffentlich Stellung zu einem Sujet, bei dem sich die Wirtschaftselite bislang ansonsten eher kleinlaut gab.

Müller als großer Impulsgeber einer politischen Debatte über gesellschaftliche Verantwortung? Das wäre vielleicht etwas überhöht. Aber immerhin zeigt der künftige Vorstandschef von Volkswagen Selbstbewusstsein. Zwei Eigenschaften zeichnen ihn außerdem aus: Loyalität und Gradlinigkeit.

Liveblog zum Abgasskandal: Matthias Müller wird neuer VW-Chef

Liveblog zum Abgasskandal

Matthias Müller wird neuer VW-Chef

Porsche-Chef Matthias Müller wird nach Handelsblatt-Informationen neuer Volkswagen-Chef und damit Nachfolger von Martin Winterkorn. Am Freitag soll die Personalie offiziell verkündet werden. Der Liveblog.

Nach Handelsblatt-Informationen haben sich die Mitglieder des Aufsichtsrats-Präsidiums am Donnerstag Nachmittag auf Müller als Nachfolger des zurückgetretenen Martin Winterkorn geeinigt. Am Freitag soll die Personalie offiziell verkündet werden. Am Vormittag trifft sich der 20-köpfige Aufsichtsrat von Volkswagen, um die Spitzenposition im Konzern endgültig zu bestätigen. Am frühen Nachmittag wird mit der offiziellen Verkündung gerechnet. Seit dem Jahr 2010 führt er den Sportwagenbauer Porsche, der unter ihm von Rekord zu Rekord eilte.

Seine persönliche Betroffenheit ist nicht gespielt, wenn er sagt: „Ich wünsche jedem Menschen auf der Welt, dass er einmal am Tag warm essen und ruhig schlafen kann. Kein Mensch gibt doch freiwillig und leichten Herzens seine Heimat auf.“ Müller, selbst ein Flüchtlingskind, weiß, wovon er spricht. Sein Vater war Rennleiter beim Autohersteller DKW in den 1950er-Jahren. Der Sohn begleitete ihn als kleiner Junge zu den Rennen auf dem Sachsenring.

Nahe Chemnitz geboren, siedeln seine Eltern wenig später mit dem Sohn nach Bayern um. Keine einfache Zeit für Müller. Aber er liebt den Sport, verschafft sich so Respekt bei seinen Altersgenossen und gewöhnt sich den bayerischen Dialekt im Laufe der Jahre so gut an, dass ihn heute jeder für einen waschechten Bajuwaren hält.

Auto-Abgaswerte in Labor und Wirklichkeit

Tricks und Täuschungen

Der Abgas-Skandal bei Volkswagen dreht sich um Tricks und Täuschungen bei Tests. Umweltschützer machen allerdings schon lange darauf aufmerksam, dass in der EU Tests auch ohne Tricksereien falsche Abgaswerte liefern. Das gelte für Diesel wie Benziner.

Wie werden Autos in Deutschland derzeit getestet?

Derzeit wird EU-weit und damit auch in Deutschland ein Testverfahren angewandt, das Neuer Europäischer Fahrzyklus (NEFZ) heißt. Dieses dient sowohl zur Ermittlung des Kraftstoffverbrauchs als auch des Ausstoßes von Kohlendioxid (CO2) und von Stickoxiden (NOx). Stickoxide sind gesundheitsschädliche Emissionen aus Dieselfahrzeugen, um die es bei der Volkswagen-Affäre geht, CO2 ist ein Klimagift, das für den Treibhauseffekt mitverantwortlich ist.

Was stimmt mit den jetzigen Tests nicht?

Sie messen nach Ansicht von Kritikern viel weniger Emissionen, als in Wirklichkeit auf der Straße ausgestoßen werden. Der International Council on Clean Transportation (ICCT) hat 2014 die NOx-Emissionen von 15 modernen Diesel-Pkw gemessen. Dabei stellte er fest, dass die realen Emissionen im Schnitt sieben Mal so hoch wie der gesetzliche Grenzwert lagen. Beim CO2 liegen die Testergebnisse nach Angaben des ökologischen Verkehrsclubs Deutschland (VCD) im Schnitt um 40 Prozent unter den realen Emissionen.

Wie kommt es zu den Abweichungen?

Die NEFZ-Tests finden unter Laborbedingungen statt. Dabei können beispielsweise die Klimaanlagen abgeschaltet werden. Auch die Batterie muss nach Angaben von Kritikern, anders als bei normalen Fahrten, nicht aufgeladen werden - das spart ebenfalls CO2-Emissionen. Für die Stickoxide hält VCD-Experte Michael Müller-Görnert für entscheidend, dass Motorleistungen „auf den Test eingestellt werden“.
In der Autoindustrie gibt es dazu die Ansicht, dass die Tests die Wirklichkeit gar nicht widerspiegeln sollten: „Es war nie die vorrangige Zielsetzung, dass man misst, was im realen Betrieb verbraucht wird“, verlautete aus Branchenkreisen gegenüber AFP. Stattdessen gehe es eher um die Vergleichbarkeit verschiedener Modelle und die Reproduzierbarkeit der Tests.

Was ist geplant?

In den kommenden zwei Jahren sollen in der EU zwei neue Verfahren eingeführt werden: Die WLTP (Worldwide Harmonised Light Duty Test Procedure) und die RDE (Real Driving Emissions). WLTP wird für Benziner und Diesel die CO2-Emissionen messen, der RDE zusätzlich bei Diesel-Fahrzeugen die Stickoxide.

Was sind die Stärken?

Der WLTP ist ein neuer Labortest, der Schwächen des NEFZ ausräumen soll. Zum Beispiel ist das Fahrprofil „dynamischer“, das heißt, es gibt weniger Leerlauf und höhere Geschwindigkeiten. Das kommt der Wirklichkeit näher, wie VCD lobt. Der RDE für Diesel ist realistischer als ein Labortest, weil er mit mobiler Ausrüstung tatsächlich auf der Straße angewandt wird.

Wo sind die Knackpunkte?

Der RDE gilt nur für Diesel. Die CO2-Messung bleibt also im Labor - und dort könnten sich neue Schlupflöcher finden. Darüber hinaus wird derzeit auf EU-Ebene über eine Umrechnung der CO2-Höchstwerte verhandelt. Diese Grenzwerte sollen so erhöht werden, dass der neue Test den Autoherstellern keine zusätzlichen Anstrengungen abverlangt. Andererseits sollen sie nicht zu Lasten der Umwelt hinter das Erreichte zurückfallen. „Eine Abschwächung des CO2-Grenzwerts durch die Hintertür darf es nicht geben“, sagt der CDU-Umweltpolitiker Karl-Heinz Florenz.

Quelle: afp

Von klein auf muss Müller sich anpassen und gleichzeitig durchsetzen. Keine schlechte Mischung, um später im Berufsleben, insbesondere im stark hierarchisch geprägten Volkswagen-Konzern, voranzukommen.

Nach dem Abitur lernt er zunächst Werkzeugmacher bei Audi, studierte dann an der Fachhochschule München Informatik. Im Jahr 1977 kehrt er zu Audi zurück. Dort arbeitet er sich rasch hoch. Ab 1995 koordiniert Müller die Planung sämtlicher Baureihen und wird mitverantwortlich für den Kleinwagen A2, der mit seiner Aluminiumkarosserie zwar innovativ war, sich aber nur schlecht verkaufte. "Dabei habe ich viel gelernt, besonders was das Timing von Produkten im Markt anbelangt", sagt Müller heute. Im Jahr 2003 steigt er unter dem damaligen Audi-Chef Martin Winterkorn zum Chefkoordinator auf.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

24.09.2015, 17:33 Uhr

Und auch Porsche soll vom Skandal betroffen sein...

ABER dann noch einen von Porsche kommender Herr Müller zum Neuen Chef machen ?

DAS VITAMIN " B " ( B=BEZIEHUNGEN) SYNDROM GEHT WEITER ???


Die KONKURRENZ WIRD SELBST IN DEUTSCHLAND GEWINNEN !!!!!


VW...LERNST AUCH DU NIE !!!


Herr Ralf Rath

24.09.2015, 17:50 Uhr

Die "German Technik" loben zwar Womack/Jones am Beispiel der Dr. Ing. h. c. F. Porsche AG in ihrer im Jahr 2003 verändert erschienen Veröffentlichung gleichsam über den grünen Klee (dies.: Lean Thinking, New York u.a., 2003, S. 189-218). Insofern aber bereits deren Ansatz nicht wissenschaftlichen Standards genügt, kann deren Befund eines sich ausbreitenden "schlanken Denkens" auf die gesamte deutsche Industrie (ebd., S. 218) nur mit Vorsicht genossen werden; zumal die Voraussetzungen sozialer Effizienz längst von Natur aus gegeben sind und nicht erst noch erfunden werden müssen. Das Handicap von Herrn Müller als deren gegenwärtigem Vorstandsvorsitzendem könnte somit nicht größer sein, falls ein Wechsel zur Volkswagen AG anstehen sollte.

Herr Marc Otto

24.09.2015, 17:51 Uhr

Herzlichen Glückwunsch Herr Matthias Müller ,

wir wünschen ihnen alles Gute in ihrem neuen Amt. Im Gegensatz zu Herr Dr. Piech und Herrn Dr. Wiko kenne ich sie zwar nicht persönlich. Aber da sie offsichtlich den Seegn von Uschi undFerdi haben, kann es nur gut gehen.

Helfen sie uns, dass wir in diesen schweren Zeiten wieder gesunden und das hinter uns lassen können, was gerade passiert ist.

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