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30.10.2012

21:09 Uhr

Neues Generatorsystem

Bill Gates investiert in Kies-Stromspeicher

VonJürgen Flauger

Eigentlich klingt es dubios: Eine Firma will mit einem Kies-Transportsystem die Energiewende beschleunigen. Effektiver als ein Pumpkraftwerk soll es angeblich sein. Allerdings ließ sich sogar Bill Gates überzeugen.

Diese provisorische 50kW-Installation ist der ganze Stolz von Energy Cache, einem jungen aufstrebendem Energieunternehmen. PR

Diese provisorische 50kW-Installation ist der ganze Stolz von Energy Cache, einem jungen aufstrebendem Energieunternehmen.

DüsseldorfDie Anlage, die sich in einer öden Hügellandschaft Kaliforniens dreht, sieht auf den ersten Blick aus wie ein Skilift. Doch es ist Sommer, und am Stahlseil hängen keine Zugbügel für Skifahrer, sondern eng aneinandergereiht Hunderte schwarze Eimer. Sie befördern Kies: mal nach oben auf den Hügel, mal nach unten ins Tal.

Ein Skilift, Eimer, Kies - nach Ansicht von Maschinenbauingenieur Aaron Fyke könnte das eine "bahnbrechende Technologie" für die Energiewirtschaft ergeben und eines der größten Probleme beim Umstieg auf erneuerbare Energien lösen: Mit seinem Unternehmen Energy Cache will er einen neuartigen Speicher anbieten, der das schwankende Angebot an Wind- und Solarstrom mit der Nachfrage in Einklang bringt.

Die Frage, wie Strom gespeichert werden kann, treibt weltweit die Energiewirtschaft um. Mit dem Boom der Erneuerbaren wird es immer schwieriger, genauso viel Strom zu produzieren, wie gerade gebraucht wird - und damit Blackouts zu verhindern. Während ein Reaktor rund um die Uhr Strom liefert, ist der Ertrag von Windrädern oder Solardächern abhängig davon, wie stark der Wind bläst oder die Sonne scheint. Stromspeicher könnten helfen, indem sie überschüssigen Wind- oder Solarstrom aufnehmen und bei hoher Nachfrage wieder abgeben.

Energieexperten forschen an den verschiedensten Technologien. So könnte überschüssiger Strom in Riesenbatterien gespeichert werden. Energy Cache orientiert sich dagegen an einer seit Jahrzehnten erprobten Technologie: den Pumpspeicherkraftwerken. Diese nutzen überschüssigen Strom, um Wasser aus einem Tal in einen höher gelegenen Stausee zu pumpen. Wird Strom benötigt, lässt der Betreiber Wasser ab, das dabei einen Generator antreibt und Strom produziert.

Herkulesaufgabe Energiewende

Mammutprojekt Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) erbt von Norbert Röttgen eine Menge Probleme. Diese sind aber weniger Röttgens Arbeit geschuldet als der Tatsache, dass die Energiewende ein Mammutprojekt ist. Ein Jahr nach dem Start drängt die Zeit: Weichenstellungen für Investitionen in neue Netze, mehr Energiespeicher und neue Gaskraftwerke sind dringend nötig.

Solarstrom-Reform

Im Vermittlungsausschuss muss Altmaier wegen des Widerstands gerade der ostdeutschen Länder die Pläne für die Kürzung der Solarförderung wohl etwas abmildern lassen. Dadurch drohen aber steigende Belastungen für die Bürger. Sie zahlen die Förderkosten über den Strompreis.

Die Regierung will, dass die Bürger nicht mehr als die derzeit 125 Euro (bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden) pro Jahr für die Ökostromförderung zahlen. Das auch im Bundestagswahljahr 2013 zu schaffen, wird immer schwerer.

Ökoenergie-Kosten und fehlende Kraftwerke

Bisher gibt es kein tragfähiges Modell, um erneuerbare Energien wettbewerbsfähig zu machen, also die Subventionierung massiv zurückzufahren. Und wegen des Einspeisevorrangs für Wind- und Sonnenstrom lohnen sich zum Beispiel neue Gaskraftwerke kaum noch. Die braucht man aber, wenn es keine Sonne oder Wind gibt und die Atomkraftwerke abgeschaltet sind.

Daher müssen hier Anreize oder Regelungen geschaffen werden, damit diese jetzt bald gebaut werden, denn bis 2022 sollen die restlichen neun Atomkraftwerke abgeschaltet werden.

Speicher und Netze

Die Regierung investiert in Speicherforschung, doch schnelle Lösungen sind nicht zu erwarten. Immer mehr Wind- und Solarparks bringen nur etwas, wenn überschüssiger Strom eines Tages auch gespeichert werden kann. Zudem können die Netze mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien (Stromanteil schon rund 20 Prozent) kaum noch mithalten.

Tausende Kilometer an neuen Leitungen sind nötig. Hier muss Altmaier mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) Lösungen finden, in Kürze soll ein Bundesnetzplan vorliegen. Besonders der Anschluss der See-Windparks muss beschleunigt werden.

Koordinierung

Jedes Bundesland hat sein Energiekonzept, hinzu kommen hunderte kommunale Pläne. Hier ist dringend mehr Abstimmung und eine einheitliche Koordinierung nötig, damit neue Wind- und Solarparks da entstehen, wo sie gebraucht werden und wo es Netze gibt.

Zudem muss ein Ausufern von Subventionen vermieden werden, denn der Netzausbau treibt in diesem Jahr stark die Netzentgelte, die wie die Ökoförderkosten über den Strompreis zu zahlen sind.

Geld für Energiewende-Projekte

Damit die Einnahmen aus dem Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten wieder anziehen, wäre eine Anhebung des EU-Klimaziels auf 30 Prozent weniger Treibhausgasemissionen bis 2020 (im Vergleich zu 1990) notwendig. Doch das Kohleland Polen blockiert. Die Einnahmen sind nötig zur Finanzierung von Energiewende-Projekten. Bleiben diese weiter aus, könnten bis zu fünf Milliarden Euro in den kommenden Jahren fehlen.

Besonders Maßnahmen für Energieeinsparungen würden darunter leiden. Wird weniger Energie verbraucht, werden auch weniger Netze und Kraftwerke gebraucht - ein Schlüssel zum Erfolg.

Atom-Endlager

Röttgen hat viel Vorarbeit geleistet für eine neue Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll. Doch geklärt werden muss noch, wie der bisher favorisierte Standort Gorleben in das Suchverfahren integriert wird und wer das Sagen bei der Suche haben soll.

Bis zum Sommer soll das Problem abgeräumt werden und mit SPD und Grünen ein Suchgesetz erarbeitet werden.

Asse

Altmaier muss klären, wie das Problem in dem maroden Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle bei Wolfenbüttel gelöst werden soll, wo 126.000 Atomfässer geborgen werden sollen.

Es kommt aber zu ständigen Verzögerungen, und die Zweifel wachsen, ob eine Bergung angesichts mangelnder Stabilität des Lagers noch möglich ist.

Energy Cache verwendet als Speicher aber nicht Wasser, sondern Kies. Gibt es im Netz zu viel Strom, wird damit der Lift betrieben. In der Talstation werden die Eimer unter großen Behältern vorbeigeführt und aus einem Trichter mit den Steinen befüllt. Der Lift transportiert den Kies nach oben, wo er in einen zweiten Behälter entladen wird. Wird wiederum Strom benötigt, werden die Eimer auf dem Hügel mit Kies beladen und ziehen mit ihrem Gewicht den Lift selbstständig nach unten. Dabei treibt der Lift einen Generator an, der Strom erzeugt.

Kommentare (24)

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Steinweg

30.10.2012, 21:36 Uhr

Es ist unglaublich, auf welches Niveau das alles absackt. Die Schreibende Zunft gleich mit.

Account gelöscht!

30.10.2012, 21:37 Uhr

Steampunk vom Feinsten.
Aber wenns den Zweck erfüllt:
Wo kann ich die Aktie zeichnen?

Account gelöscht!

30.10.2012, 23:51 Uhr

Bill Gates erwähnt beiläufig, dass er investiert hat,
wieviel und warum ist unbekannt.
und schon sprudeln Hymnen, die an Beiläufigkeit kaum zu übertreffen sind.
Wie verzweifelt muss Deutschland sein, um diesen Schwachsinn noch ernsthaft zu erwähnen!
(und wie mangelhaft das physikalische Grundwissen der/des Artikelschreiber/s/in!)

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