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24.10.2016

12:13 Uhr

Neues VW-Werk in Polen

Deutsche Autobauer zieht es in den Osten

Was für Nordamerika Mexiko ist, ist für Europa der Osten. In Polen oder Ungarn können deutsche Hersteller deutlich günstiger fertigen lassen als in Westeuropa. Dabei schwingen auch noch andere Hoffnungen mit.

Das Werk wurde in nur knapp zwei Jahren erbaut. In das 220 Hektar große Areal hat das VWN rund 800 Millionen Euro investiert. dpa

Neue Crafter-Fabrik in Wrzesnia

Das Werk wurde in nur knapp zwei Jahren erbaut. In das 220 Hektar große Areal hat das VWN rund 800 Millionen Euro investiert.

WrzesniaWer vor ein paar Jahren von der westpolnischen Stadt Posen weiter östlich in Richtung des kleinen Ortes Wrzesnia fuhr, sah auf dem Weg vor allem eines: Landwirtschaft. Große Äcker, kleine Wirtschaftswege, vereinzelt Höfe - so weit das Auge reicht. Nichts, rein gar nichts erinnerte dort an ein boomendes Industriegebiet.

Dann kam Volkswagen. Und kippte fast eine Milliarde Euro auf die Äcker bei Wrzesnia. Die Marke VW-Nutzfahrzeuge (VWN) zog dort in Rekordzeit für gut 800 Millionen Euro ein neues Werk für den Großtransporter Crafter hoch. Den ließ VWN lange bei Daimler bauen - als Mercedes Sprinter mit VW-Logo. Nun geht man über zum Alleingang.

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Ursprünglich wollte VW die Umrüstungen der manipulierten Dieselautos noch 2016 weitgehend beenden. Doch daraus wird jedoch nichts, wie aus Zahlen hervorgeht, die die Bundesregierung nun erstmals vorgelegt hat.

100.000 Crafter soll die Fabrik in Wrzesnia schon 2018 ausspucken, bis zu 70.000 Fahrzeuge im kommenden Jahr. Ein vielversprechendes Unterfangen - denn große Transporter haben auch große Gewinnspannen.

Wenn VWN-Chef Eckhard Scholz über das neue Werk spricht, gerät er ins Schwärmen - über fleißige, hochmotivierte und bestens qualifizierte Mitarbeiter. Fehlzeiten-Quote? Unter ein Prozent. „Das ist nicht normal“, sagt er. Daheim im VWN-Stammwerk in Hannover liege die Quote bei sechs bis sieben Prozent. Über die VW-Löhne in Polen will Scholz nicht reden. Klar ist: Sie betragen nur Bruchteile des deutschen Niveaus - und das wenige Stunden Autofahrt von Berlin entfernt.

Veränderung der Anteile an Dieselfahrzeugen deutscher Autobauer

Platz 7: Ford

2014: 44,2 Prozent

2015: 45,4 Prozent

Januar bis August 2016: 48,3 Prozent

Differenz 2015/2016: 2,8 Prozent

Quelle: Universität Dusiburg-Essen, CAR-Center Automotive Research

Platz 6: Opel

2014: 30,9 Prozent

2015: 29,2 Prozent

Januar bis August 2016: 28,2 Prozent

Differenz 2015/2016: minus ein Prozent

Platz 5: Mercedes-Smart

2014: 54,6 Prozent

2015: 52,3 Prozent

Januar bis August 2016: 50,8 Prozent

Differenz 2015/2016: minus 1,4 Prozent

Platz 4: Audi

2014: 67,4 Prozent

2015: 68,1 Prozent

Januar bis August 2016: 66,3 Prozent

Differenz 2015/2016: minus 1,7 Prozent

Platz 3: VW

2014: 53,6 Prozent

2015: 54,5 Prozent

Januar bis August 2016: 51,5 Prozent

Differenz 2015/2016: minus drei Prozent

Platz 2: BMW-Mini

2014: 67,9 Prozent

2015: 63,2 Prozent

Januar bis August 2016: 59,4 Prozent

Differenz 2015/2016: minus 3,8 Prozent

Platz 1: Porsche

2014: 36,8 Prozent

2015: 38,9 Prozent

Januar bis August 2016: 33,2 Prozent

Differenz 2015/2016: minus 5,7 Prozent

Gesamtmarkt

2014: 47,9 Prozent

2015: 48,1 Prozent

Januar bis August 2016: 46,8 Prozent

Differenz 2015/2016: minus 1,3 Prozent

Es scheint, als habe VWN in Wrzesnia alles richtig gemacht. Auch die Türkei soll als Standort für das Crafter-Werk im Gespräch gewesen sein. Aber nun, im westlichen Osteuropa, wirkt alles passend. Am Montag wurde das Werk als 121. Fabrik des Konzerns feierlich eröffnet.

Kommentare (3)

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Herr chris schnitzler

24.10.2016, 13:04 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Percy Stuart

24.10.2016, 14:09 Uhr

Wie wäre es damit, hier in Deutschland neue Arbeitsplätze zu schaffen?!
Es gibt doch so viele Arbeitslose (2,9 Mio.) und Hartz IVer (4,321Mio.).
Viele dieser „aussortierten“ Menschen würden sich sicher darüber freuen, bei Daimler & Co. eine Wiedereinstiegschance raus aus der Arbeitslosigkeit zu erhalten.
Hinzu kommen noch die meist jungen „Schutzsuchenden“, wie es die Medien immer wieder ausdrücken, die ebenfalls einen gutbezahlten, sicheren sozialversicherungspflichten Vollzeitarbeitsplatz suchen, damit sie schließlich unsere Renten retten können.
Oder zahlen dann die Osteuropäer, denen wir unsere Arbeitsplätze überlassen, unsere deutschen Renten?
Solche Unternehmensentscheidungen leisten massiven sozialgesellschaftlichen Sprengstoff.
Irgendwann werden sich die Abgehängten wehren, auch gewalttätig!

Herr chris schnitzler

24.10.2016, 18:01 Uhr

Sehr richtig Herr Trautmann
unpassende Meinungen werden auch hier einfach gelöscht.
Bei den Konzernen werden nur noch Leiharbeiter beschäftigt. Der Rest bekommt Zeitverträge.
Arbeitnehmerrechte und Kündigungsschutz existieren für diese nicht mehr, und wer glaubt unter diesen Bedingungen noch an Fachkräftemangel?
Und Millionen von "Fachkräften" werden von Leiharbeitsbuden wie Lufthansa, EADS Daimler und VW angeblich ja dringend gebraucht. Wozu wenn die neuen Fabriken alle im Ausland stehen und in Deutschland immer mehr Arbeitsplätze wie in den vergangenen Jahren auch schon abgebaut werden da Deutschland zu teuer ist. Die Konzerne haben bereits Millionen von Jobs in billigere Länder verlagert. Niemanden interessiert dass. Kanzlerkandidat und Oberlehrer Gabriel Nahles Schwesing van der Layen und Frau Dr Merkel sind lieber mit anderen Themen beschäftigt.
Permanent sinkende Rentenniveaus und steigende Soziallasten, die EADS und Daimler Lufthansa selbstverständlich nicht mitbezahlen wollen sind das Ergebnis dieser Politik.
Deutschland wird für viele bald wieder das Land der Suppenküchen Gabriel und Co sind dann schon im Luxusaltersheim. Übrigens jeder unter 3000 Brutto im Monat ist altersarmutgefährdet.
Ja so sieht unsere Zukunft in diesem unserem Lande aus einige scheinen das nur sehr langsam zu verstehen.

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