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24.05.2011

17:20 Uhr

Neues Werk in Chattanooga

VW und die offene Rechnung in Amerika

VonAstrid Dörner, Mark C. Schneider

VW eröffnet in den USA das wichtigste neue Werk des Konzerns: Chattanooga muss der Aufholjagd auf dem weltgrößten Markt Schwung geben. Obendrein soll die Fabrik die größte Schmach der Konzerngeschichte wettmachen.

VW-Logo: "Wir glauben an Amerika als eine der führenden Autonationen der Welt". Quelle: dpa

VW-Logo: "Wir glauben an Amerika als eine der führenden Autonationen der Welt".

New York/ChattanoogaMartin Winterkorns neues, 65. Lebensjahr war erst wenige Stunden alt - da flog er mit dem Firmen-Airbus von Amerikas Ostküste nach Süden, landete 214 Kilometer südöstlich von Nashville, Hauptstadt der Country-Musik und des Bundesstaates Tennessee in Chattanooga.

Den Ort mit gut 160.000 Einwohnern, bekannt durch Glenn Millers Song "Chattanooga Choo Choo", spielt für den Chef von Volkswagen eine Schlüsselrolle bei der Strategie, sich mit VW an die Spitze der Autoindustrie zu setzen.

Nun ist es endlich soweit. Seit Dienstagabend deutscher Zeit schickt sich Europas größter Autobauer Volkswagen vom beschaulichen Chattanooga aus mit aller Macht an, die größte unternehmerische Schmach der mehr als 70-jährigen VW-Geschichte vergessen zu machen.

Mit Winterkorn kam fast der gesamte Vorstand zur Eröffnung des ersten neuen VW-Werks in den USA seit Jahrzehnten in die Stadt am sich romantisch schlängelnden Tennessee River - ein Signal an die Amerikaner, wie wichtig die USA für die Deutschen geworden sind.

Es gibt einiges aufzuarbeiten: Vor 23 Jahren mussten sich die Wolfsburger nach Jahren horrender Verluste aus der Fertigung in den USA zurückziehen, schlossen die Golf-Fabrik in Westmoreland in Pennsylvania. Bis heute hängt Volkswagen diese Niederlage nach: Westmoreland ist das einzige Werk, das der Autobauer mangels Erfolg dicht machen musste.

Die Gründe waren vielfältig: Das falsche Produkt - der in Europa populäre Golf, in den USA Rabbit genannt, in europäischer Ausstattung zu teuer angeboten und in lausiger Qualität gebaut - dazu eine ineffiziente Fabrik mit eher schlecht als recht motivierten Mitarbeitern, auf deren Rechte die US-Autogewerkschaft UAW streng achtete.

Die bis dato letzte Produktion in den USA entwickelte sich für die ehrgeizigen Wolfsburger zum Desaster. Unter dem Strich wurde das gelobte Land des Big Business für die Wolfsburger zum Milliardengrab.

Doch so etwas lässt Volkswagens Chefaufseher Ferdinand Piëch nicht auf sich beruhen: Die Rechnung ist noch offen - nun gilt es, sie zu begleichen.

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