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09.12.2013

20:58 Uhr

Neuorganisation

EADS spart sich viele deutsche Arbeitsplätze

Europas Regierungen knausern bei Rüstungsbestellungen, ihr Luftfahrtkonzern spart bei den Mitarbeitern. Jetzt gibt es die Gewissheit: EADS baut 5.800 Stellen ab - fast die Hälfte davon an deutschen Standorten.

Zwei Eurofighter-Kampfflugzeuge: Der Luftfahrtkonzern EADS spart bei der Rüstungs- und Raumfahrtsparte. dpa

Zwei Eurofighter-Kampfflugzeuge: Der Luftfahrtkonzern EADS spart bei der Rüstungs- und Raumfahrtsparte.

München/ParisEine künstlich erzeugte Welle für Surfer und ein riesiger Fallschirmsprung-Simulator: Diese Attraktionen sollen bald auf dem EADS-Gelände in Ottobrunn bei München entstehen. Dort baut der Luftfahrtkonzern zusammen mit dem Eventunternehmer Jochen Schweizer einen Freizeit- und Erlebnispark. Der Einstieg bei der sogenannten Erlebniswelt München ist beim Bundeskartellamt angemeldet, im Herbst 2015 soll die Eröffnung gefeiert werden, berichtet die „Welt“. Es dürfte kaum mehr als ein Trostpflaster sein.

Wegen immer schlechterer Geschäfte mit Kriegsgerät will der Konzern rund 5800 Stellen abbauen. Etwa die Hälfte davon fällt Insidern zufolge in Deutschland weg. Europaweit werden mehrere Standorte dichtgemacht, hierzulande wird die Zentrale der Wehrtechniktochter Cassidian von Unterschleißheim an den Konzernsitz nach Ottobrunn bei München verlegt, wie EADS am Montag erklärte. Die meisten Arbeitsplätze fallen im Zuge der Zusammenlegung der bisherigen Raumfahrt- und Rüstungssegmente weg. Hinzu kämen Positionen in der Zentrale. Bis zu rund 1500 Menschen könnte gekündigt werden.

Die wichtigsten Standorte der Airbus-Rüstungssparte

Platz 10

Schrobenhausen - 1100 Beschäftigte - Forschung, Lenkwaffen Raketen

Platz 9

Backnang - 1200 Beschäftigte - Kommunikationstechnik

Platz 8

Varel - 1260 Beschäftigte - Teile für Militärtransporter, Kampfflugzeuge

Platz 7

Unterschleißheim - 1400 Beschäftigte - IT, Verwaltung, Montage

Platz 6

Ottobrunn - 1400 Beschäftigte - Satelliten, Forschung, Verwaltung

Platz 5

Friedrichshafen - 2500 Beschäftigte - Satelliten, Sonden

Platz 4

Ulm - 3000 Beschäftigte - Radar

Platz 3

Augsburg - 3000 Beschäftigte - Teile für Kampfflugzeuge, Militärtransporter

Platz 2

Bremen - 3200 Beschäftigte - Satelliten, Trägerraketen

Platz 1

Manching - 4500 Beschäftigte - Kampfflugzeuge

EADS-Chef Tom Enders verteidigte nach wochenlangen Spekulationen über den Stellenabbau seinen Kurs. „Wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit im Verteidigungs- und Raumfahrtgeschäft steigern - und wir müssen jetzt damit beginnen“, sagte der Manager, der die Rendite seines Hauses bis 2015 auf zehn Prozent steigern will. „Unsere traditionellen Märkte in diesen Bereichen schrumpfen, daher müssen wir dringend den Zugang zu internationalen Kunden verbessern und Wachstumsmärkte erschließen.“ Gewerkschaften in Deutschland und Frankreich kündigten Widerstand gegen den Stellenabbau an, den EADS bis Ende 2016 abgeschlossen haben will.

Der paneuropäische Konzern mit derzeit rund 140.000 Mitarbeitern versucht, den Abbau für die Mitarbeiter teilweise abzufedern. Den Betroffenen sollen insgesamt 1500 Stellen bei Airbus und bei der Hubschrauber-Tochter Eurocopter angeboten werden. „Nach der Nicht-Verlängerung von rund 1300 befristeten Verträgen und der Umsetzung zusätzlicher freiwilliger Maßnahmen wird sich der endgültige Personalabbau zwischen 1000 und 1450 Stellen bewegen, unter der Voraussetzung, dass die freiwilligen Maßnahmen angenommen werden.“

Der drohende Rauswurf von mehr als 1000 Menschen bringt den Betriebsrat in Rage. „Insbesondere die Ankündigung, dass man betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließt, verärgert uns“, erklärte Betriebsratschef Rüdiger Lütjen. „Betriebsbedingte Kündigungen sind für Betriebsrat und die IG Metall bei EADS keine Option. Es wäre bei den Gewinnen, die der Konzern erreicht, niemandem vermittelbar, Mitarbeiter vor die Tür zu setzen.“

Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler drohte erneut mit Ungemach für die Manager. „Wer mit betriebsbedingten Kündigungen droht, um die Rendite zu verbessern, macht die Beschäftigten zornig: Wir brauchen eine langfristige Perspektive für die Arbeitsplätze und Standorte.“ Bayerns neue Wirtschaftsministerin Ilse Aigner solle sich einschalten. Die CSU-Politikerin hatte im Vorfeld erklärt, sie werde für die Arbeitsplätze im Freistaat kämpfen.

Kommentare (17)

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vorhanden

09.12.2013, 18:01 Uhr

Dann kann sich Deutschland demnächst ja auch die überteuerten und grottenschlechten Produkte von EADS sparen und Besseres und Günstigeres wo anders kaufen

whisky

09.12.2013, 18:10 Uhr

Ohne Steuererhöhungen nix kaufen.

Account gelöscht!

09.12.2013, 18:27 Uhr

Herr Enders, als eifriger Bilderbergteilnehmer, wird mir richtig unheimlich.
Erst will er wichtige Rüstungssparten durch die Fusion mit Bea in die USA verlegen. Nach Weigerung durch die Bundesregierung verbringt er wichtige Sparten von Deutschland nach Toulouse. Jetzt holt er zum nächsten Schlag gegen die Luftfahrtindustrie in Deutschland aus.

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