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15.07.2011

11:29 Uhr

Neuzulassungen

Europas Automarkt erlebt einen herben Rückschlag

Im Juni sind in der Europäischen Union 8,1 Prozent weniger Neuwagen registriert worden als noch vor einem Jahr. Auch die Halbjahresbilanz fällt insgesamt negativ aus. Dabei hat es einige Länder besonders heftig erwischt.

Chrysler gehört zu den großen Verlierern auf dem europäischen Automarkt. Quelle: Reuters

Chrysler gehört zu den großen Verlierern auf dem europäischen Automarkt.

Düsseldorf/BrüsselIn allen bedeutenden Märkten seien die Verkaufszahlen gesunken, teilte der europäische Branchenverband ACEA mit. Von Januar bis Juni sei ein Minus von 2,1 Prozent auf insgesamt 7,12 Millionen Fahrzeuge verzeichnet worden. Im Mai waren die Neuzulassungen in der EU noch um 7,1 Prozent auf 1,2 Millionen Pkw gestiegen.

Im Juni schrumpften alle wesentlichen nationalen Automärkte in der Europäischen Union im Vergleich zum Vorjahresmonat. Während sich die Zahl der Neuanmeldungen in Deutschland mit einem Minus von 0,3 Prozent fast stabil entwickelte, brach sie in Spanien um beinahe ein Drittel ein.

In Frankreich deutet sich eine Trendwende zum Negativen an: In dem Land gab es im Juni ein deutliches Minus von 12,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Im gesamten ersten Halbjahr reichte es dennoch zu einem Plus von 1,0 Prozent im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Jahres 2010.

Von den großen Märkten legte der deutsche im ersten Halbjahr mit 10,5 Prozent am stärksten zu. Am zurückhaltendsten agierten die Käufer in den Ländern, die in der Schuldenkrise im Fokus stehen: So ging die Zahl der Neuanmeldungen in Italien im ersten Halbjahr um 13,1 Prozent zurück. Doppelt so stark war der Einbruch in Spanien (26,8 Prozent). In Griechenland halbierte der Markt sich mit einem Minus von 43,9 Prozent fast. EU-weit schrumpfte die Zahl der Neuanmeldungen von Januar bis Juni im Vergleich zum ersten Halbjahr 2010 um 2,1 Prozent.

Ausnahme Audi

Entgegen diesem Trend legten die deutschen Autobauer in diesem Zeitraum zu: der Volkswagen-Konzern um 5,7 Prozent, die BMW-Gruppe um 10,8 Prozent und Daimler um 1,7 Prozent. Negativ fiel Chrysler mit einem Minus von 31,1 Prozent auf – unschön für den italienischen Autobauer Fiat, der mit dem US-Unternehmen verbunden ist und selbst einen Rückgang von 12,7 Prozent hinnehmen musste.

In der Betrachtung auf Monatsbasis ging es allerdings für die meisten deutschen Automobilhersteller ebenfalls abwärts: Die Marke Volkswagen verlor im Juni im Vergleich zum Vormonat um 4,7 Prozent, Mercedes zwei Prozent, Opel/Vauxhall 11,3 Prozent, die Marke BMW 1,8 Prozent. Dagegen legte Audi um fast neun Prozent zu.

Die schnell wachsenden koreanischen Schwestermarken Hyundai (plus neun Prozent) und Kia (+14 Prozent) legten gegen den Trend weiter zu. Toyotas Absatz brach um 26 Prozent ein.

In Spanien und Frankreich sei die zuletzt schwache Absatzentwicklung auch auf das Auslaufen von Prämienprogrammen zurückzuführen, erklärte heute ergänzend der deutsche Branchenverband VDA. In den USA sei der Absatz von Personenwagen und leichten Nutzfahrzeuge im ersten Halbjahr insgesamt um 13 Prozent gestiegen, der Absatz der deutschen Hersteller sogar um über 17 Prozent, erklärte der Verband. „Damit klettert ihr Marktanteil in den USA seit Jahresbeginn auf 7,8 Prozent, im Pkw-Bereich sogar auf 11,3 Prozent.“

Auch in den Schwellenländern legten die Absatzzahlen im ersten Halbjahr weiter zu, allerdings vielerorts nicht mehr so rasant wie im vergangenen Jahr. In Brasilien stiegen die Verkäufe nach Angaben des VDA im ersten Halbjahr um 9,5 Prozent, in China um 9,7 Prozent und in Indien um 16 Prozent. Die größten Zuwachsraten gab es dank staatlicher Anreize in Russland, wo die Verkäufe in den ersten sechs Monaten um über die Hälfte nach oben schossen. In der zweiten Jahreshälfte werde das Wachstum hier wegen der höheren Vergleichszahlen aus dem Vorjahr jedoch etwas weniger dynamisch ausfallen, prognostiziert der VDA.

Kommentare (1)

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VW-BMW-DB

15.07.2011, 10:43 Uhr

Ein gutes deutsches Automobil kostet mit entsprechender Ausstattung und Motorisierung jenseits der 50.000 € u.v.m.
Für die deutsche Wirtschaft ist die Automobilbranche mit ihren Zulieferen eine tragende Säule und wird auch vom Staat gestützt. Eine langfristige Garantie würde ich der Automobilbranche für den momentanen Trend des hohen Absatzes jedoch nicht geben können.
Es wird eine Genaration kommen, denen das Automobil nicht so wichtig sein wird wie Piech, Winternkorn & Co.
Auch werden die nächsten Generationen nicht bereit sein diese Investitionen zu tätigen und andere Prioritäten haben. Die dannn Rentner werden erst recht nicht dazu beitragen können den Trend zu halten. Die demographische Wandlung steht außerdem entgegen. Die dann schrumpfenden Renten sowieso. Und die Jungen haben ja andere Prioritäten, sagte ich schon und kein bzw. wenig Interesse und sowieso kein Geld.
Wer sitzt denn in Porsches & CO? Überwiegend alte graue Männer und die sind dann nicht mehr in der Käuferschicht.
Die Mehrheit der nächste Generation wird ihre Last mit ihren Renten haben und dafür gibt es kein teures Auto mehr.
Vielleicht bleibt ja der Boom in Asien und China erhalten. Aber überall gibt es Grenzen und nicht nur in Deutschland.

Ist der jetzige Rückschlag schon der Anfang?



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