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16.01.2015

11:20 Uhr

Neuzulassungen steigen

Europas Automarkt wächst erstmals seit sieben Jahren

Die Autonachfrage in Europa legt erstmals seit 2007 wieder zu. Die Neuzulassungen stiegen im vergangenen Jahr um mehr als fünf Prozent. Eine Trendewende? Experten sind da eher skeptisch.

Fabrikneue Autos der Marke VW: Die deutschen Autobauer verkauften mehr Autos als der europäische Durchschnitt. dpa

Fabrikneue Autos der Marke VW: Die deutschen Autobauer verkauften mehr Autos als der europäische Durchschnitt.

FrankfurtNeue Modelle und niedrige Zinsen haben die Autonachfrage in Europa im vergangenen Jahr angekurbelt. Die Neuzulassungen stiegen 2014 zum ersten Mal wieder seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007, wie der europäische Herstellerverband ACEA am Freitag mitteilte. In der Europäischen Union rollten 12,55 Millionen Autos zu den Kunden, ein Plus von 5,7 Prozent im Vergleich zu 2013. Der Aufschwung wird nach Einschätzung von Experten in diesem Jahr allerdings schon wieder an Fahrt verlieren. Denn politische Krisen dämpften die Kauflaune.

Angetrieben wurde die Erholung vor allem von Großbritannien. Am zweitgrößten Pkw-Markt Europas nach Deutschland stiegen die Neuzulassungen um 9,3 Prozent auf knapp 2,5 Millionen Fahrzeuge. Auch die südeuropäischen Krisenländer Spanien, Portugal und Griechenland erholten sich mit satten zweistelligen Wachstumsraten. In Spanien lockte eine Abwrackprämie die Kunden in die Autohäuser. In Deutschland wurden 2,9 Prozent mehr Autos neu zugelassen. Dafür sorgten vor allem gewerbliche Kunden, die Dienstwagen kauften, während die Nachfrage der Privatkunden leicht zurückging.

Die größten Gewinner im deutschen Automarkt

Platz 10

Dacia - Plus 7,5 Prozent - 48.907 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Die rumänische Billigtochter bleibt eine Erfolgsgeschichte für Renault und wächst in Europa weiterhin deutlich stärker als der Markt.

Quelle: Kraftfahrzeugbundesamt

Platz 9

Skoda - Plus 8,5 Prozent - 173.538 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Mittlerweile sind die Tschechen die erfolgreichste Importmarke in Deutschland. Neue Modelle wie der Fabia dürften den Absatz auch im kommenden Jahr ankurbeln.

Platz 8

Seat - Plus 11,7 Prozent - 91.192 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Das spanische Sorgenkind des VW-Konzerns fährt aus der Krise. Der neue Leon macht's möglich - und beschert ein sattes Absatzplus auf dem deutschen Markt.

Platz 7

Nissan - Plus 13,7 Prozent - 62.536 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Den Japanern ist zum Jahresende etwas die Puste ausgegangen. Insgesamt kann sich das Absatzplus im abgelaufenen Jahr aber sehen lassen. Neue Modelle wie der Pulsar sollen die Erfolgsgeschichte im kommenden Jahr wiederholen.

Platz 6

Mitsubishi - Plus 14,1 Prozent - 24.131 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Die Japaner haben mit dem Outlander PHEV einen der ersten SUVs mit Plug-in-Hybrid im Angebot. Insgesamt überzeugt die Modellpalette die Deutschen offenbar.

Platz 5

Volvo - Plus 16 Prozent - 31.919 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Die Schweden sind zurück. Mit Modellen wie dem SUV XC90 blasen die Skandinavier wieder zum Angriff. Besonders zum Jahresende legte der Absatz deutlich zu.

Platz 4

Mazda - Plus 16,7 Prozent - 52.491 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Kennen Sie noch die uncoolen Mazdas aus den 90ern? Die Autokäufer in Deutschland kennen sie nicht. Eine runderneuerte Modellpalette bringt Mazda unter den Gewinnern der Zulassungsstatistik weit nach vorne.

Platz 3

Porsche - Plus 17,1 Prozent - 24.365 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Der Sportwagenbauer aus Zuffenhausen setzt seine Erfolgsgeschichte ungebrochen fort. Besonders zum Jahresende legt Porsche deutlich zu. Dabei dürften Verkaufsschlager wie der Macan auch weiterhin für Absatz sorgen.

Platz 2

Land Rover - Plus 18,1 Prozent - 14.679 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Die noblen Briten können mit dem Evoque auch modern und klein. Das zahlt sich bei den Verkäufen aus. In Deutschland verkauft Land Rover fast doppelt so viele Autos wie Konkurrent Jeep.

Platz 1

Jeep - Plus 48,8 Prozent - 10.268 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Die SUV-Marke aus dem Hause Fiat/Chrysler wächst in Deutschland stärker als alle Konkurrenten. Das dürfte Fiat-Chef Marchionne freuen, für dessen Premiumstrategie die Marke eine Schlüsselrolle spielt. Besteller ist der Grand Cherokee.

Die drei deutschen Autokonzerne Volkswagen, Daimler und BMW steigerten ihre Verkäufe EU-weit um 6,2 Prozent. Ihr Marktanteil stieg leicht auf einen Rekordwert von 37,1 Prozent. Europas Platzhirsch Volkswagen baute seinen Marktanteil auf 25,4 Prozent aus. Besonders gefragt waren die vergleichsweise günstigen Modelle von Skoda und Seat. Die Premiumhersteller BMW und Daimler konnten ihre Marktanteile halten bei 6,4 und 5,4 Prozent. Jeder fünfte Kunde entschied sich für eine amerikanische Automarke. Auf die japanischen Hersteller entfielen knapp elf Prozent der Neuzulassungen.

Nach Einschätzung des Autoexperten Peter Fuß vom Beratungsunternehmen EY muss sich die Branche in den kommenden Monaten allerdings auf eine Abschwächung des Wachstums einstellen. Er rechnet mit einem Plus des EU-Absatzmarktes im Jahr 2015 um etwa drei Prozent auf etwa 13 Millionen Pkw. „Der europäische Automarkt hat zwar die Talsohle hinter sich gelassen, verlässt aber nur langsam den Krisenmodus“, erklärte er. Mit niedrigen Zinsen und geringer Inflationsrate könnten sich die Verbraucher ein neues Auto zwar besser leisten. Aber die Unsicherheit der Käufer wachse angesichts des ungelösten Konflikts um die Ukraine, der wieder aufflammenden Krise in Griechenland und der Furcht vor Terroranschlägen.

Von

rtr

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