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20.01.2006

17:00 Uhr

Niedersachsen einigt sich mit Porsche

Macht im VW-Aufsichtsrat neu verteilt

Nach langem Tauziehen hat sich das Land Niedersachsen mit Porsche auf eine neue Besetzung des Aufsichtsrates bei Europas größtem Autobauer Volkswagen geeinigt.

Porsche ist seit 2005 Hauptaktionär bei VW.

Porsche ist seit 2005 Hauptaktionär bei VW.

HB HANNOVER/STUTTGART. Der Vorstandschef des neuen VW-Großaktionärs Porsche, Wendelin Wiedeking, zieht mit sofortiger Wirkung in das Kontrollgremium ein. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch tritt im Frühjahr 2007 von seinem Posten ab. Bis dahin ist er gewählt. Nachfolger soll aber nicht Wiedeking werden, sondern ein „neutraler Manager“. Auf diesen Kompromiss einigten sich Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und Wiedeking als Vertreter der beiden größten VW-Aktionäre, dem Land Niedersachsen und Porsche. Vorausgegangen waren lange und schwierige Verhandlungen.

Ein Porsche-Sprecher bestätigten dies am Freitag. Wulff bestätigte ebenfalls, dass er sich mit Porsche-Chef Wendelin Wiedeking auf eine neue Machtstruktur im Aufsichtsrat geeinigt habe. Für die Nachfolge des 68-Jährigen Piëch suchten Porsche und das Land jemanden, der keinem der beiden Großaktionäre zuzurechnen sei. „Wir werden uns auf eine neutrale Person verständigen“, sagte Wulff.

Pischetsrieder soll bleiben

Vorstandschef Bernd Pischetsrieder soll nach dem Willen der Großaktionäre mindestens bis 2012 an der Spitze von VW stehen. „Wir werden mit der Arbeitnehmerseite Gespräche führen, dass der Vertrag Pischetsrieders um weitere fünf Jahre verlängert wird“, sagte Wulff. VW wollte sich dazu nicht äußern. Branchenkreisen zufolge soll der Vertrag noch vor der Hauptversammlung am 3. Mai verlängert werden. Pischetsrieder war 2002 Nachfolger von Piech als VW-Vorstandschef geworden.

Wiedeking und Wulff hatten sich nach dem milliardenschweren Einstieg von Porsche bei VW lange über die Rolle des neuen Großaktionärs gestritten. Besonders die Doppelrolle von VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Piëch ist Wulff ein Dorn im Auge. Er gehe davon aus, dass Piech 2007 ganz aus dem Gremium ausscheide, sagte der Ministerpräsident. „Würde er dem Aufsichtsrat weiter als einfaches Mitglied angehören wollen, müssten die Anteilseigner darüber neu entscheiden.“ Die Familien Porsche und Piech halten alle stimmberechtigten Porsche-Anteile.

Ein Lord verzichtet

Für Wiedeking verzichtet VW-Aufsichtsrat Lord David Simon of Highbury auf sein Mandat. Wiedeking zieht auch in das wichtige Präsidium des Gremiums ein, das von vier auf sechs Personen erweitert wird.

Das Land Niedersachsen will zudem auf der VW-Hauptversammlung am 3. Mai der Berufung von Porsche-Finanzvorstand Holger Härter in das Kontrollgremium zustimmen. Dafür legt Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme wie angekündigt sein Mandat als VW-Aufsichtsrat nieder. Zum Ehrenvorsitzenden des Kontrollgremiums soll der frühere Ruhrgas-Topmanager Klaus Liesen ernannt werden.

Porsche hält bislang offiziell einen Anteil von 18,53 Prozent der VW-Stammaktien. Allerdings hat das Unternehmen bereits angedeutet, dass die Option auf weitere 3,4 Prozent gezogen werden soll. Dann besitzen die Stuttgarter rund 22 Prozent, das Land Niedersachsen 18,2 Prozent. Porsche hatte den 3,5 Mrd. Euro teuren Einstieg strategisch begründet. VW werde vor einer feindlichen Übernahme geschützt und die eigenen Investitionen in mehrere gemeinsame Projekte mit VW abgesichert.

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