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07.03.2013

19:18 Uhr

Nissan

Mit neuen Modellen zur stärksten asiatischen Marke

VonSebastian Schaal

Früher waren die japanischen Autobauer die beliebtesten Importmarken in Europa, doch inzwischen haben ihnen die Koreaner den Rang abgelaufen. Nissan will nicht kleinbeigeben und mit neuen Modellen zurück an die Spitze.

Der neue Nissan Note kommt im Herbst in den Handel. Sebastian Schaal

Der neue Nissan Note kommt im Herbst in den Handel.

GenfNissan hat große Pläne. Bis jetzt sind die Japaner in Europa ganz gut durch die Krise gekommen. Doch das scheint nicht zu reichen: Das vor zwei Jahren ausgerufene Ziel, die stärkste japanische Marke in Europa zu werden, wurde bald erweitert. Jetzt will Nissan die stärkste asiatische Marke in Europa werden.

An wen diese Attacke gerichtet ist, ist klar: den Hyundai-Kia-Konzern. „Die koreanischen Marken sind starke Wettbewerber für uns“, gesteht Paul Willcox, Marketing-Direktor von Nissan in Europa, im Gespräch mit Handelsblatt Online ein. „Sie haben in den vergangenen Jahren stark in Europa investiert und sind auch entsprechend gewachsen.“

Für Willcox ist es aber nicht kriegsentscheidend, die Nummer eins der Asiaten in Europa zu werden. „Wir wollen mehr als fünf Prozent Marktanteil auf dem Kontinent erreichen“, sagt Willcox. „Wenn wir dabei die ein oder andere Marke hinter uns lassen können, ist das für uns eine gute Sache.“

Welche Autostandorte die beste Qualität produzieren

Quelle

In der Studie „European Automotive Survey 2013“ haben die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young 300 europäische Unternehmen der Automotive-Branche befragt, wie sie die Produktqualität der Automobilstandorte bewerten.

Platz 18

Türkei
Nirgendwo wird die Produktqualität schlechter bewertet als in der Türkei. Nur zwei Prozent der befragten Unternehmen halten die Türken für sehr wettbewerbsfähig, 17 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 17

Ungarn
Mit Daimler und Audi haben zwei deutsche Hersteller große Werke in Ungarn. In punkto Produktqualität hat das osteuropäische Land enormen Nachholbedarf. Ein Prozent halten die Ungarn in diesem Feld für sehr wettbewerbsfähig, 20 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 16

Indien
Auf Indiens Automarkt regieren die Billigmodelle. Darunter leidet auch die Bewertung der Produktqualität. Vier Prozent bewerten den Standort als sehr wettbewerbsfähig, 22 als eher wettbewerbsfähig.

Platz 15

Polen
Der Nachbar ist ein wichtiger Produktionsstandort für deutsche Autokonzerne, doch die Produktqualität wird nicht sonderlich hoch bewertet. Drei Prozent halten die Polen für sehr wettbewerbsfähig, 23 Prozent für wettbewerbsfähig.

Platz 14

Russland
Die große Wachstumshoffnung in Europa, doch in punkto Produktqualität besteht Nachholbedarf. Drei Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 23 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 13

Slowakei
Die Heimat von VW-Tochter Skoda schneidet in der Bewertung der Produktqualität ebenfalls eher schlecht ab. Drei Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 24 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 12

China
Als Absatzmarkt ist China für die Hersteller immens wichtig, in der Produktion gibt es offensichtlich noch Probleme. Nur fünf Prozent halten China in punkto Produktqualität für sehr wettbewerbsfähig, 27 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 11

Spanien
Auch in Spanien werden derzeit die Autoproduktionen wieder hochgefahren. Sechs Prozent halten das Land in punkto Produktqualität für sehr wettbewerbsfähig, 28 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 10

Brasilien
Einen großen Sprung im Ranking macht das südamerikanische Land (+13 Prozentpunkte). Zuletzt haben mehrere Autokonzerne in Brasilien investiert. Die Produktqualität bewerten sieben Prozent als sehr wettbewerbsfähig, 29 als eher wettbewerbsfähig.

Platz 9

Tschechien
Unter Osteuropas Ländern belegen die Tschechen in punkto Produktqualität einen Spitzenplatz, insgesamt reicht das aber nur fürs Mittelfeld. Vier Prozent halten Tschechien für sehr wettbewerbsfähig, 31 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 8

Italien
Auch wenn die Autoindustrie des Landes leidet, an der Produktqualität in der Heimat von Fiat und Ferrari kommen nur wenige Zweifel aus. Sechs Prozent aller befragten Unternehmen halten das Land in diesem Punkt für sehr wettbewerbsfähig, 34 halten Italien für eher wettbewerbsfähig.

Platz 7

Frankreich
Auch wenn der Mittelfeldplatz anderes vermuten lässt: Auch in punkto Produktqualität sind die Franzosen der große Verlierer des Rankings. Satte 15 Prozentpunkte hat der Standort seit 2011 eingebüßt. Mittlerweile halten nur noch zehn Prozent aller befragten Unternehmen halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 34 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 6

England
Das Vereinigte Königreich war einst eine stolze Autonation. In punkto Produktqualität halten die Briten immerhin den Anschluss an die Spitzengruppe. 13 Prozent bewerten die Heimat von Mini und Rolls Royce als sehr wettbewerbsfähig, 35 Prozent als eher wettbewerbsfähig.

Platz 5

USA
Volkswagen feiert in Amerika immer neue Wachstumsrekorde, auch in punkto Produktqualität hat das Land zugelegt. 13 Prozent halten den Standort USA für sehr wettbewerbsfähig, 47 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 4

Südkorea
Hyundai und Kia sorgen auf dem europäischen Automarkt für Wirbel. Das liegt auch an der Produktionsqualität der südkoreanischen Konzerne. Der Standort gewinnt im Qualitätsranking satte 22 Prozentpunkte – mehr als jedes andere Land. Für 19 Prozent aller befragten Unternehmen ist das Land sehr wettbewerbsfähig, für 42 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 3

Schweden
Auch in der Produktqualität belegt die Heimat von Volvo einen Spitzenplatz. 14 Prozentpunkte haben die Skandinavier im vergangenen Jahr hinzugewonnen. 19 Prozent aller befragten Unternehmen halten Schweden für sehr wettbewerbsfähig, 43 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 2

Japan
Die japanische Autoindustrie hat sich erholt und greift nun wieder nach der Weltspitze – auch in punkto Produktqualität. 28 Prozent bewerten Japan als sehr wettbewerbsfähig, 44 als eher wettbewerbsfähig. Das sind satte 18 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Platz 1

Deutschland
Geht es nach der Einschätzung der europäischen Automotive-Unternehmen ist kein Land in Europa qualitativ hochwertiger als Deutschland. Satte 51 Prozent halten den Standort für sehr wettbewerbsfähig in punkto Produktqualität, 37 bewerten die Deutschen als eher wettbewerbsfähig

Nissan war in den vergangenen Jahren erfolgreicher als andere Marken, aber nicht in allen Märkten konstant. „Gerade in Westeuropa hatten wir große Unterschiede“, sagt der Nissan-Manager. „Deutschland war für mich eine leichte Enttäuschung.“ In Spanien war Nissan stark, rechnet aber wegen des kollabierenden Marktes mit keinen neuen Steigerungen. Zudem konnten die Japaner im Vereinigten Königreich nicht nur wegen des Werks in Sunderland punkten.

Vom Fünf-Prozent-Ziel ist Nissan aber noch ein Stück entfernt. Im Rekordjahr 2012 kamen sie auf einen Marktanteil von 3,8 Prozent in Europa. Für Willcox ist bereits das ein großer Erfolg, da Nissan in den vergangenen beiden Jahren keine grundlegend neuen Modelle vorgestellt hat. Seit der Präsentation des Juke im Jahr 2010 gab es nur kleinere Modellpflegen. Dass es trotzdem so gut läuft, liegt vor allem an den zahlreichen Crossover-Modellen der Japaner. Mit dem 2006 eingeführten Qashqai war Nissan einer der Vorreiter im Segment der Kompakt-SUVs. „Wir haben alleine im vergangenen Jahr 250.000 Qashqais verkauft“, sagt Willcox. „Auch der Juke läuft sehr gut.“

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„Wir nehmen jede Herausforderung an“

Der Manager will die Marke bekannter machen und den Wettbewerb mit Nissan aufnehmen.

Das zukünftige Wachstum soll aber nicht nur aus Modellen kommen. „Wer sich nur auf die Produkte konzentriert, der wird versagen“, so der Marketing-Manager. „Sie sind natürlich ein wichtiger Teil, aber nicht der einzige.“ Neben der Produktpalette (15 neue Modelle in drei Jahren) soll das Händlernetz grundlegend überarbeitet werden. In den kommenden zwölf Monaten sollen 120 bis 140 neue Händler in Europa das Netz erweitern.

Doch es sollen nicht nur neue Händler dazukommen. „Wir haben Handelspartner, die sehr stark sind, aber auch schwache“, stellt Willcox fest. „Wir haben eine ziemlich aggressive Strategie, mit der wir unseren Partnern helfen wollen, sich zu entwickeln.“ Im Klartext: Wenn ein Händler sich nicht verbessern kann, fliegt er raus.

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