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04.02.2005

21:40 Uhr

Noch nicht ausreichend privatisiert

DCN-Chef plädiert für europäischen Werftenverbund

Der Chef der französischen Werft DCN tritt für eine europäische Werftenallianz ein. Europa könne sich die enormen Entwicklungskosten nicht leisten, sagte Poimboeuf. In Deutschland stößt dies jedoch auf Bedenken.

HB BERLIN. Nach Ansicht von Jean-Pierre Poimboeuf, Chef der staatseigenen französischen Werft DCN, ist eine Konsolidierung in der europäischen Werftenindustrie unumgänglich. In einem Gespräch mit der «Süddeutschen Zeitung» (SZ) bezeichnete er einen Zusammenschluss der deutsch-französischen Werften als die «vernünftigste aller Möglichkeiten».

Die Entwicklungskosten in Europa seien enorm, sagte Poimboeuf der SZ, wie das Blatt am Freitagabend vorab berichtete. «Wir können es uns nicht leisten, sechs bis zehn Projekte parallel zu entwickeln». Bei gleichbleibenden Budgets «könnte Europa pro Jahr zwei Fregatten mehr bauen», fügte er hinzu.

Zeitdruck herrscht nach Meinung von Poimboeuf nicht: Es könnten durchaus noch drei bis fünf Jahre vergehen, bis es zu einer Allianz komme. Es bestehe keine Eile. Zunächst müsse sich die französische Branche konsolidieren. Gleichzeitig versuchte er die Bedenken auf deutscher Seite zu zerstreuen: «Wir wollen keineswegs die deutsche Technologie ausplündern und streben keine Hegemonie in einem Bündnis an». Die Branche befürchtet einen Ausverkauf der deutschen U-Boot-Technologie.

Bereits im vergangenen Monat hatte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) Bedenken gegen eine solche Allianz geäußert. Die Zeit sei noch nicht reif. Die französischen Unternehmen seien noch nicht wirklich privatisiert. Zu einem ähnlichen Schluss kommt offenbar ein Gutachten des Verteidigungsministeriums: Die Staatswerft DCN sei noch keinesfalls privatisiert, sondern nur in eine Gesellschaft privaten Rechts übertragen worden sei.

Die Fusion der Werften des ThyssenKrupp-Konzerns mit HDW und die damit einhergehende Konzentration im deutschen Kriegsschiffbau hatten zu Überlegungen geführt, auch die europäischen Werften zusammenzuschließen und einen Verbund wie den deutsch-französischen Luftfahrtkonzern gründen.

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