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12.01.2007

08:36 Uhr

Nord Stream

Schröder-Pipeline fehlt Geld

VonMathias Brüggmann

Das von Altkanzler Gerhard Schröder als Aufsichtsratschef geleitete Konsortium zum Bau der Ostsee-Pipeline ist in ernsthafte Finanzierungs-Schwierigkeiten geraten: Die Europäische Investitionsbank (EIB) lehnt einen Kredit an Moskau ab. Auch Konkurrent Shell bekommt Finanzprobleme in Russland. Die Gründe sind vielschichtig, ein politischer Kuhhandel unausweichlich.

Bislang fließt Gas noch über Land - und damit durch Nachbarländer - von Russland nach Westeuropa. Mit der neuen Ostsee-Pipeline umgeht Moskau dieses Problem. Foto: dpa

Bislang fließt Gas noch über Land - und damit durch Nachbarländer - von Russland nach Westeuropa. Mit der neuen Ostsee-Pipeline umgeht Moskau dieses Problem. Foto: dpa

BERLIN. Die EIB hat ihre Finanzierungs-Zusage für die Ostsee-Gaspipeline verschoben, „bis Russland sich mit allen Gegnern des Projekts geeinigt hat, auch Polen.“ Das sagte EIB-Chef Phillipe Maystadt laut der Moskauer Handelsblatt-Schwesterzeitung „RBK daily“. Damit bekommt das von Gazprom geführte Konsortium Nord Stream, das die Gasleitung auf dem Ostsee-Grund vom russischen Wyborg bis nach Greifswald bauen will, nach Analysten-Aussagen ernsthafte Finanzierungs-Schwierigkeiten: Denn die EIB wollte 20 bis 30 Prozent der 5 Mrd. Euro Baukosten per Kredit finanzieren.

„Wir können an dem Projekt aber nicht teilnehmen, bis nicht alle beteiligten Seiten einig geworden sind“, begründete Banker Maystadt den Rückzieher. Die EIB schlägt sich somit im Streit um die Ostsee-Pipeline auf die Seite der Gegner: Polen, Balten und Schweden lehnen die Leitung aus ökologischen und politischen Gründen ab. Demhingegen wird das von Gazprom zusammen mit der BASF-Tochter Wintershall, der Essener Eon-Ruhrgas sowie der niederländischen Gusunie gebildete Nord-Stream-Konsortium von alter rot-grüner wie auch neuer schwarz-roter Bundesregierung als Schritt zu mehr Versorgungssicherheit für Europa unterstützt.

Pikant ist, dass die Regierung des heutigen Nord-Stream-Aufsichtsratschefs Gerhard Schröder eine Bundesbürgschaft für das Milliarden-Projekt gebilligt hatte. Diese lief aber von Gazprom ungenutzt zum Jahresende aus. Jetzt stelle sich die Finanzierungsfrage neu, hieß es bei Analysten.

Ärger auch für Shell

Auch das bisher von Shell geführte Öl- und Gas-Konsortium Sachalin-2 bekommt Finanzierungs-Probleme: Das 20-Mrd.-Dollar-Projekt auf der russischen Pazifik-Insel Sachalin wird keinen Kredit von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) bekommen. Das teilte der Chef der Osteruopa-Förderbank, Jean Lemierre, am Donnerstagabend in London mit: „Wir können das Projekt nicht weiter erörtern.“ Er begründete seine Haltung damit, dass Gazprom dem niederländisch-britischen Energiemulti und seinen japanischen Partnern Mitsui und Mitsubishi die Führung bei der bis dahin größten Auslandsinvestition in Russland streitig gemacht habe.

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