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16.02.2012

13:15 Uhr

Norwegischer Konzern

Gaskraftwerk in Emden stillgelegt

Doch keine Modernisierung in Emden: Das Gaskraftwerk wird heruntergefahren. Die Potenziale für einen Neubau seien zu niedrig für eine Investition.

Die Finanzkrise habe zu einer gesunkenen Stromnachfrage geführt, so Statkraft. dpa

Die Finanzkrise habe zu einer gesunkenen Stromnachfrage geführt, so Statkraft.

DüsseldorfDer staatliche norwegische Energiekonzern Statkraft legt sein Gaskraftwerk in Emden still und verzichtet auf einen geplanten weiteren Neubau. Das Unternehmen habe beschlossen, den Betrieb der Anlage aus dem Jahr 1972 nach und nach einzustellen, sagte Statkraft-Vorstandsmitglied Asbjorn Grundt am Donnerstag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. „Das Kraftwerk ist nicht mehr profitabel.“ Es würden auch Arbeitsplätze gestrichen. Wie viele der 56 Mitarbeiter in Emden in dem dort weiter betriebenen Biomassekraftwerk noch beschäftigt würden sei offen. Darüber verhandle der Versorger mit dem Betriebsrat.

Dem Unternehmen zufolge spricht gegen den Bau eines neuen Kraftwerks mit einer Leistung von 430 Megawatt, dass die Gaspreise am Spotmarkt hoch und die Strompreise niedrig seien. Außerdem sei zu befürchten, dass die Anlage wegen der knappen Netzkapazitäten infolge der verstärkten Einspeisung von Wind- und Solarenergie nicht voll ausgelastet wäre. Eigentlich sollte das neue Kraftwerk Ende 2014 in Betrieb gehen. Die Kosten hatte das Unternehmen auf 300 Millionen Euro beziffert.

Statkraft ist nach eigenen Angaben der sechstgrößte Energieerzeuger in Deutschland. Mit rund 440 Mitarbeitern erzielte der Versorger hierzulande zuletzt einen Umsatz von 15,2 Milliarden Euro.

Ökostrom hat in Deutschland immer Vorrang, konventionelle Kraftwerke wie Kohle, Gas oder Atomkraftwerke müssen notfalls zurückgefahren werden. Dies drückt auf die Wirtschaftlichkeit. „Durch die starke Einspeisung von Wind und Sonne in den Markt gibt es wenig Spitzenlastzeiten“, sagte Grundt. Die Kosten könnten dadurch unter Umständen nicht wieder hereingeholt werden. Eine Investitionsentscheidung könne es nicht geben, wenn das Risiko bestehe, dass die Erzeugung eingedämmt wird. Der bereits begonnene Bau eines Gaskraftwerks in Knappsack bei Köln werde jedoch abgeschlossen.

Auch andere große Energiekonzerne haben erklärt, dass sich der Bau von Gaskraftwerken in Deutschland derzeit nicht lohne. Dadurch kommt auch die Bundesregierung unter Druck, die nach dem beschleunigten Atomausstieg auf den Bau auch solcher Anlagen setzt. Kommunale Versorger wie die SWB in Bremen und die EnBW-Tochter Stadtwerke Düsseldorf halten hingegen an ihren Planungen fest. In Düsseldorf soll ein neues Gaskraftwerk anstelle des ursprünglich geplanten Kohlekraftwerks errichtet werden, das nach Bürgerprotesten gestoppt worden war. Die Düsseldorfer wollen zudem die bei der Gasverbrennung produzierte Wärme ins Fernwärmenetz einspeisen, wodurch die Anlage besser genutzt wird.

Trotz des Atomausstiegs in Deutschland gebe es in Europa Überkapazitäten bei der Stromerzeugung, sagte Grundt. In den nächsten Jahren gingen neue Kohlekraftwerke ans Netz, die Wind- und Sonnenenergie werde erheblich ausgebaut. Das alte Gaskraftwerk in Emden hatte Statkraft 2009 im Zuge eines Beteiligungstauschs vom Energiekonzern Eon übernommen. Statkraft ist mit einem Anteil von vier Prozent einer der größten Aktionäre des Branchenriesen. Von einem Fehlkauf in Emden wollte Grundt nicht sprechen. „Wir waren damals sehr glücklich damit. Aber der Markt hat sich anders entwickelt.“

Von

rtr

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