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06.09.2013

10:51 Uhr

Nutzfahrzeug-Produktion

Daimler und VW beenden Kooperation

Daimler schmeißt den Crafter raus: Die 2016 endende Kooperation mit VW wird nicht verlängert. Die Wolfsburger planen jedoch schon länger, den Transporter in Eigenregie zu bauen. Aus den Partnern werden nun Konkurrenten.

Der Volkswagen LT3 „Crafter“: Ab 2017 werden die Nutzfahrzeuge nicht mehr von Daimler für VW gebaut. dpa

Der Volkswagen LT3 „Crafter“: Ab 2017 werden die Nutzfahrzeuge nicht mehr von Daimler für VW gebaut.

Stuttgart, DüsseldorfDer Autohersteller Daimler wird von 2017 an keine Transporter mehr für Volkswagen fertigen. Die Schwaben ordnen ihre Produktion neu, wie Daimler am Freitag in Stuttgart mitteilte. Deshalb werde der bis Ende 2016 angesetzte Vertrag für die Auftragsfertigung des VW Crafter nicht verlängert.

Die Schwaben erklären das Vertragsende mit einer Neuordnung ihrer Produktion, wie Daimler am Freitag in Stuttgart mitteilte. Die Kapazitäten würden für den nächsten Sprinter benötigt, der derzeit entwickelt wird. „Deshalb werden unsere Mitarbeiter in Zukunft nur noch unsere eigenen Marken produzieren“, sagte der Chef der Transportersparte Volker Mornhinweg.

Überraschend kommt das Vertragsende allerdings nicht: Bereits seit Monaten zeichnete sich ab, dass die Nutzfahrzeugsparte der Wolfsburger (WVN) den Transporter künftig in Eigenregie bauen möchte. „Die Aussage, die wir hier getroffen haben – dass wir ein eigenes Produkt entwickeln – ist ja schon einmal ein Statement“, sagte Vorstandssprecher Eckhard Scholz bereits im März gegenüber Handelsblatt Online. Damit wird VW zum direkten Konkurrenten von Daimler.

Die weltgrößten Lkw-Hersteller nach Gewinn

Methodik

In ihrer Studie "Forces at Work" haben die Unternehmensberater von McKinsey den Anteil der Lkw-Hersteller am weltweiten Profitpool 2011 berechnet. Wie Konzerne abgeschnitten haben...

Platz 9

Isuzu (Japan)

Lange gehörten die Japaner zur Spitzengruppe der größten Nutzfahrzeugherstellern der Welt. Doch das schwierige Geschäft auf dem Heimatmarkt und einige gescheiterte Kooperationen schmälern den Anteil am Gesamtprofit auf vier Prozent.

Platz 8

Iveco (Italien)

Die Fiat-Tochter produziert zwar in Turin, leitet sich aber aus dem englischen Namen Industrial Vehicles Corporation ab. Mit einem Anteil von vier Prozent am weltweiten Profitpool ist der Markt für die Italiener schwierig. Immer wieder werden Übernahmegerüchte laut.

Platz 7

Navistar (USA)

Die US-Amerikaner gehören zu den jüngsten Truckfirmen von internationalem Format. Der Konzern, der 1986 gegründet wurde, kommt auf einen Marktanteil von vier Prozent. Allerdings beschränkt sich das Geschäft auch überwiegend auf den Heimatmarkt.

Platz 6

Tata Motors (Indien)

Der indische Lkw-Markt hat sich innerhalb von zwei Jahren verdoppelt. Kein Wunder, dass mittlerweile auch der größte Truckhersteller des Landes im Konzert der Großen mitspielt. Insgesamt kommen die Inder auf einen Marktanteil von fünf Prozent.

Platz 5

PACCAR (USA)

Der profitabelste US-Truckhersteller sitzt bei Seattle und machte in Europa vor allem durch die Übernahme von DAF auf sich aufmerksam. Mit 13 Prozent Marktanteil haben sich die Amerikaner ihre Position im Weltmarkt erkämpft.

Platz 4

MAN (Deutschland)

Die zweitgrößte deutsche Lkw-Marke soll unter dem Dach des VW-Konzerns künftig enger mit Scania zusammenarbeiten. Auch ohne die Schweden kommt MAN auf einen Anteil am Profitpool von zehn Prozent.

Platz 3

Scania (Schweden)

Lange wehrten sich die Schweden gegen das Diktat aus Wolfsburg. Doch nun treibt der VW-Konzern die Zusammenarbeit mit MAN voran - und will damit auch den Druck auf die Konkurrenz erhöhen. Momentan kommt die Marke auf einen Anteil am weltweiten Profit von 11 Prozent.

Platz 2

Volvo (Schweden)

Die Schweden sind als global aufgestellter Truckkonzern mit einer Premiumstrategie einer der ertragreichsten Lkw-Hersteller. Mit einem Anteil von 14 Prozent am weltweiten Profitpool erreichen sie Silber.

Platz 1

Daimler (Deutschland)

Derzeit geht die Profitkrone noch an die Stuttgarter, die beim Umsatz und Gewinn der größte Hersteller der Welt sind. Weltweit kommen auf einen Anteil am Profitpool von 20 Prozent. Doch MAN und Scania wollen Daimler diese Krone mit ihrer Zusammenarbeit streitig machen.

Sonstige

Viele Lkw-Hersteller, die bei den Absatzzahlen glänzen, können keinen oder nur einen geringen Profit vorweisen. Darunter etablierte Marken wie Ford (Profitanteil: 0,22 Prozent), Toyota (0,16 Prozent) und Hyundai (0,11). Aber auch die Lkw-Hersteller aus den Schwellenländern wie Dongfeng (0,15 Prozent) und CNHTC (0,12 Prozent).

Innerhalb des VW-Konzerns wird noch geklärt, ob die Nutzfahrzeugsparte oder Lkw-Tochter MAN bei der Fertigung das Zepter übernimmt. In einem Interview mit dem Handelsblatt erklärte MAN-Betriebsratschef Jürgen Dorn im Juni, dass der Bau des Crafter im Werk Krakau geprüft werde. Jedoch haben weder VWN noch MAN in der Sprinterklasse Erfahrung. Eine Entwicklungszeit von drei Jahren gilt daher als ambitioniert. Aber um dem eigenen Ziel zu entsprechen und Daimler als Marktführer bei Nutzfahrzeugen abzulösen, braucht der VW-Konzern dringend ein eigenes Modell in der Großtransporter-Sparte.

Die Kooperation von Daimler und Volkswagen hatte 2005 begonnen. Bis Ende 2012 fertigte Daimler 280.000 Transporter für die Wolfsburger. Über den wirtschaftlichen Nutzen der Kooperation haben die beiden Parteien Stillschweigen vereinbart. Über eine mögliche Kooperation mit Renault, über die Daimler im Frühjahr nachdachte, ist noch nicht entschieden. Dazu gebe es keinen neuen Stand, sagte ein Sprecher der Nutzfahrzeugsparte am Freitag.

Die Transportersparte hatte im ersten Halbjahr unter der schwierigen konjunkturellen Lage in Westeuropa gelitten. Daimler verkauft gut 60 Prozent seiner Transporter in Europa. Der Absatz lag aber dank einer starken Nachfrage in China, Osteuropa und Lateinamerika mit rund 122.000 Fahrzeugen über dem Vorjahr. Den eigenen Sprinter baut Daimler derzeit im Schnitt 150.000 Mal im Jahr.

Seine Hoffnungen setzt der Autohersteller auf den neuen Sprinter, der in diesem Jahr auf den Markt kam, und den Stadtlieferwagen Citan. Der sorgte in diesem Jahr allerdings für Negativschlagzeilen, da nach Patzern im Crashtest 3500 Transporter europaweit in die Werkstätten zurückgerufen werden mussten. Für das laufende Jahr rechnet Daimler nach wie vor mit einem höheren Absatz und einem operativen Gewinn auf Vorjahresniveau.

Kommentare (4)

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savage0119

06.09.2013, 13:05 Uhr

Man könnte auch sagen, dass VW Ihr KnowHow bei leichten Nutzfahrzeugen mit der Einstellung der ersten LT-Reihe im Jahr 1996 zugunsten der Kooperation mit Daimler aufgegeben hat.

Account gelöscht!

06.09.2013, 13:28 Uhr

Die LT-Reihe war großer Mist. Mein Vater hatte davon drei Stück. Der Sprinter ist auch so ein Werkstattkrüppel. Bin ich froh das wir Keinen mehr davon bei uns haben. Beide haben Eins gemeinsam: Sie sind ihr Geld nicht wert.
Andere Hersteller haben bessere Transporter im Preis-Leistungs-Vergleich.

realist

06.09.2013, 14:23 Uhr

..............was beide vor mir schreiben, ist uninteressant, ohne jeden Wert. Verstanden? Tatsache ist und das ist die Wahrheit, daß VW die Schnauze gestrichen voll hat, mit der Oberrostschmiede Daimler, alias Mercedes Benz noch länger zusammen zu arbeiten. Dieser Sauladen Daimler, einstmals die Topadresse ist ein herunter gekommener Autoladen, vergleichbar mit Renault, Opel und Ford, im Grunde noch schlechter, als die Drei. Warum? Die Qualität vom Sprinter war, ist und wird so bleiben wie sie ist. Und das ist mehr als schlecht. Forderungen von VW die Karossen zu verzinken, ist von den Nadelstreifen in Stuttgart schon immer abgelehnt worden. Technische Veränderungen von den Ingenieuren aus Wolfsburg und Hannover (Nutzfahrzeugzentrale VW) wurden und werden ständig abgelehnt. Großkoz Daimler gehört das Werk in DDF Ludwigsfelde und woanders und regiert über die Köpfe von VW. Das ist die Wahrheit und nichts anderes hat zu der Trennung geführt. Und jetzt ist Schluß. Und gut so. Ich bin seit 60 Jahren in Skandinavien zuhause und sehe die Rostlauben von Sprinter und Crafter herumfahren. Der Generalimporteur in Schweden sagt mir wörtlich, was sollen wir machen. Wir haben keine Handhabe etwas zu
ändern. Unsere Kritik bringen wir gar nicht mehr vor, weil sie als störend empfunden wird. Und jetzt hat Wolfsburg die Reißleine gezogen. Nochmals....... gut so.
Und so wird VW bald eine Ausgabe bringen, verzinkt, mit den heute üblichen Boden, Seiten und Kanteschutz. Ganz zu schweigen, von der eigenen Technik, die eingebracht wird.........Es ist eine unendliche Geschichte der Nadelstreifen in Stuttgart und Möhringen. Jeder weitere Kommentar verbietet sich, weil es vergeudete Zeit ist, sich mit Daimler auseinander zu setzen. Sollen bleiben, wo der Pfeffer wächst......................VW hat keine Zeit mehr zu verlieren, und damit diese kluge Entscheidung...............

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