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30.01.2013

21:23 Uhr

Nutzfahrzeug-Sparte

Daimler streicht 2100 Stellen

ExklusivDer umsatzstärkste Nutzfahrzeughersteller der Welt forciert sein Effizienzprogramm und baut Stellen in der Administration und Produktion ab. Spartenchef Renschler begegnet damit der Kampfansage der Konkurrenz.

LKW-Produktion beim Daimler-Konzern. dpa

LKW-Produktion beim Daimler-Konzern.

DüsseldorfDer Autokonzern Daimler zieht nach der Kampfansage der Konkurrenz die Zügel im Lastwagen-Sektor an. Nachdem der VW-Konzern mit seinen Marken Scania und MAN sowie der schwedische LKW-Hersteller Volvo offen am Thron des umsatzstärksten Nutzfahrzeugherstellers rütteln, rüsten sich die Stuttgarter für einen Dreikampf und verschärfen den Kurs. „Ich fürchte solche Ankündigungen nicht, seien sie  von Volvo oder von Volkswagen“, sagte Daimler-Spartenchef Andreas Renschler dem Handelsblatt.

Die Stuttgarter wollten ihre Spitzenposition  halten, „aber wir wollen vielmehr auch der Beste bei der Rentabilität werden.“ Darum setzt Daimler LKW angesichts der wackeligen Konjunktur nun in den USA und Deutschland den Rotstift bei den Stellen an. In Nordamerika werde Daimler „bis zu 1300 Mitarbeiter aus der Produktion nehmen“ und an „den hiesigen Standorten werden 800 Stellen in Nicht-Produktionsbereichen wegfallen“, kündigte Renschler an. In Brasilien würden ebenfalls 850 Stellen in der Verwaltung gekappt, aber zugleich 1400 Jobs in der Produktion zurückgeholt.

 

Die weltgrößten Lkw-Hersteller nach Absatz

Platz 10

Ashok Leyland - Indien
Mit 80.000 verkauften Lkws kommen die Inder international auf einen Marktanteil von 2,8 Prozent. Allerdings beschränkt sich das Geschäft im Wesentlichen auf den Heimatmarkt.

Platz 9

Bejing Automotive Industry - China
Der Staatskonzern landet mit 109.400 verkauften Lkws und einem Marktanteil von 3,8 Prozent ebenfalls unter den größten Herstellern der Welt. Auch hier sind die internationalen Ambitionen begrenzt.

Platz 8

Torch - China
Ein weiterer im Westen eher unbekannter Hersteller, der mit einem Lkw-Absatz von 113.200 auf einen Marktanteil von 3,9 Prozent kommt.

Platz 7

Volvo - Schweden
Beim Profit gehören die Schweden zu den absoluten Top-Marken weltweit. Bei den abgesetzten Fahrzeugen landen sie mit 125.800 verkauften Einheiten nur bei einem Marktanteil von 4,3 Prozent.

Platz 6

MAN/Scania - Deutschland/Schweden
Das neue Doppel des VW-Konzerns kommt gemeinsam auf 152.400 verkaufte Fahrzeuge und einen Marktanteil von 5,2 Prozent. Von der Spitze sind die Marken selbst gemeinsam noch weit entfernt.

Platz 5

Tata-Motors - Indien
In Europa machten die Inder vor allem mit der Übernahme von Jaguar und einem Billigauto Furore. Doch auch bei Trucks ist der Konzern vorne mit dabei. 194.900 abgesetzte Exemplare bescheren einen Marktanteil von 6,7 Prozent.

Platz 4

China Heavy National Duty Truck - China
Zu den chinesischen Spitzenreiter gehört auch dieser Staatskonzern, der 1935 gegründet wurde. Mit 199.900 verkauften Lkws erreicht der Konzern einen Marktanteil von 6,9 Prozent.

Platz 3

First Automotive Works - China
Bronze geht nach China. Der Volkswagen-Partner in der Volksrepublik setzte 2011 rund 274.300 Trucks ab und kommt damit auf einen Marktanteil von 9,5 Prozent.

Platz 2

Daimler Trucks - Deutschland
Was Umsatz und Profit angeht, kann kein anderer Lkw-Hersteller den Stuttgartern das Wasser reichen. Doch beim Absatz muss sich der Branchenprimus geschlagen geben: Mit 280.700 verkauften Lkws und einem Marktanteil von 9,7 Prozent erreicht Daimler nur Silber.

Platz 1

Dongfeng - China
Kein Hersteller verkaufte im Jahr 2011 so viele Lkws wie die Chinesen. Ein Absatz von 300.100 Fahrzeugen ist ein Marktanteil von 10,3 Prozent und damit Gold.

Volvo hatte am Anfang der Woche angekündigt, durch eine Beteiligung in China an Daimler vorbeiziehen und zur Nummer eins der Branche bei schweren Lkw aufsteigen zu wollen. Auch der neue MAN-Truck-Chef Anders Nielsen will gemeinsam mit den Schwestermarken Scania und VW bis zum Jahr 2020 zu Marktführer Daimler aufschließen. Doch Renschler sucht keine direkte Konfrontation mit den Wettbewerbern. „Eines will ich klarstellen: Für ist uns ist es kein Selbstzweck, der umsatzstärkste oder der absatzstärkste Hersteller von Nutzfahrzeugen sein“, sagte er. Entscheidender für die Sparte sei, aus ihrer Größe endlich Skaleneffekte zu erzielen.

Daimler ist bisher zwar mit Marken wie Mercedes, Freightliner, Western Star und Fuso der größte Hersteller schwerer LKW weltweit, fährt aber bei der Rendite noch Konkurrenten wie Volvo und Scania hinterher, die bis zu zweistellige Margen einfahren. Das soll sich nach dem Willen von Renschler nun bald ändern.

Ursprünglich hatte die Daimler-LKW-Sparte, die nächste Woche im Rahmen der Bilanzpressekonferenz der Stuttgarter ihre Zahlen vorlegen wird, bereits für das laufende Jahr eine durchschnittliche Umsatzrendite von acht Prozent angepeilt. Dieses Ziel hatte das Management in der stark zyklischen LKW-Sparte allerdings wegen der eingetrübten Konjunktur vor allem in Europa bereits im Herbst gekippt.

Nun macht Renschler das Thema Profitabilität zur Chefsache. „Das ist  unser wichtigstes Thema“, betonte der Daimler-Vorstand.  Bereits im vergangenen Sommer schob der Chef der LKW-Sparte deshalb ein neues Effizienzprogramm namens „Daimler Trucks Number One“ an, das bis 2014 rund 1,6 Milliarden Euro einsparen soll. Der  strukturelle Stellenabbau in Brasilien und Deutschland sei Teil davon. „Es geht  dabei nicht alleine um Einsparungen, wir wollen schneller und effizienter werden“, unterstrich Renschler.

 

Die weltweit größten Automobilzulieferer

Platz 10

Faurecia - 18,03 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Das Schicksal des Autozulieferers ist eng verbunden mit PSA Peugeot/Citroën. Derzeit stagnieren die Geschäfte. Zum Portfolio gehören Sitze und Emissionskontrollsysteme.

Platz 9

Aisin Seiki - 18,92 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner gehören zur Toyota-Gruppe und produzieren etliche Komponenten für die Autoindustrie, darunter Getriebe und Navigationssysteme.

Platz 8

Michelin - 20,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der französische Reifenriese musste zuletzt erneut Rückschläge beim Absatz hinnehmen. Neben Reifen stellt das Unternehmen aus Clermont-Ferrand auch Navigationssysteme her.

Platz 7

Johnson Controls - 20,93 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die US-Amerikaner aus Milwaukee konzentrieren sich die Zulieferung von Sitzen, Türen und Instrumenten. Damit legte der Umsatz zuletzt leicht zu.

Platz 6

Hyundai Mobis - 23,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Koreaner sind Teil des riesigen koreanischen Hyundai-Imperiums und zählen zu den wichtigsten Zulieferern für die Autobauer Hyundai und Kia. Gebaut werden Sicherheitssysteme, Airbus, Lampen und Antriebsstränge.

Platz 5

Bridgestone / Firestone - 24,62 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

In der Gummiverarbeitung sind die Japaner sogar weltweit führend. In Frankreich, Italien, Polen und Spanien betreiben sie eigene Werke.

Platz 4

Magna - 24,95 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Unter der Führung der schillernden Österreichers Frank Stronach wuchs der Konzern - und kann nahezu alle Bauteile selbst Produzieren. Fahrgastzellen, Sitze, Antrieb und Elektronik gehören zum Portfolio des Unternehmens.

Platz 3

Denso - 27,79 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner verloren zuletzt wieder Marktanteile. Kunden sind insbesondere die großen japanischen Autobauer. Das Unternehmen baut unter anderem Klimaanlage, Antriebsstränge und Elektronik.

Platz 2

Robert Bosch - 30,7 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der zweitgrößte Autozulieferer der Welt ist in Stuttgart daheim. Neben Benzin- und Dieselsystemen baut Bosch auch Multimedia-Systeme, Bremsen, Elektronik und Batterien für etliche große Autohersteller .

Platz 1

Continental - 33,32 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Aus Hannover in die Welt: Neben den bekannten Reifen liefert Conti auch Sicherheits- und Telematiksysteme, Steuerinstrument und die Elektronik für Antriebsstränge. Im Vergleich zum Vorjahr legte der Umsatz damit leicht zu.

Für das abgelaufene Geschäftsjahr zeigte sich Renschler zufrieden. „Wir haben 2012 bewiesen, dass wir auch in schwachen Zeiten bestehen können“, sagte er, ohne nähere Details zu nennen. Genaue Zahlen wird Daimler erst am 7. Februar vorlegen. Für das laufende Jahr bleibt er aber vorsichtig, sieht Daimler-LKW aber weiter auf Wachstumskurs. „Ich glaube, dass wir in Europa den Tiefpunkt erreicht haben“, sagte er. In den USA mache jedoch die Konjunktur  die Kunden nervös. Sie hielten sich im Moment mit Bestellungen zurück, das sollte sich aber im zweiten Halbjahr entspannen. „Insgesamt  rechnen wir  vor allem in der zweiten Jahreshälfte mit Wachstum.“

Von

hz

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

30.01.2013, 22:05 Uhr

Eher das Gegenteil von einer Kampfansage!!!

Schade

31.01.2013, 08:03 Uhr

„Ich fürchte solche Ankündigungen nicht, seien sie von Volvo oder von Volkswagen“, sagte Daimler-Spartenchef Andreas Renschler dem Handelsblatt.

Ich füge hinzu. Als hoher Manager beim Daimler braucht man keine Furcht zu haben. Das Gehalt und die Abfindung ist gesichert unabhängig von dem Konzernergebnis. Leider geht es den 2100 Mitarbeitern nicht so gut. Schade diese Mitarbeiter haben besseres verdient!

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