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18.09.2012

13:22 Uhr

Nutzfahrzeugmesse

Die unsichtbaren Dritten

VonLukas Bay

Während die europäischen Lkw-Riesen auf der IAA ihre globalen Wachstumschancen preisen, wird eine Gefahr verschwiegen. Die großen Hersteller aus den Schwellenländern erhöhen den Kostendruck auf die Etablierten.

Lkw-Produktion bei Mercedes-Benz: Die Konkurrenz aus Asien bringt sich in Position. dpa

Lkw-Produktion bei Mercedes-Benz: Die Konkurrenz aus Asien bringt sich in Position.

HannoverHupende Tuk-Tuks, schwer beladene Fahrräder und bunt-kostümierte Inder – mit diesem nachgestellten Straßenbild einer indischen Großstadt begann der Daimler-Markenabend „Trucks of the world“. Die Botschaft war deutlich: Daimler, der traditionsreiche Lkw-Bauer, will sich auf der Nutzfahrzeugmesse IAA als globaler Konzern präsentieren: stark in der Heimat, präsent in den Wachstumsmärkten. Vor den Augen des versammelten Führungspersonals fuhren die internationalen Marken des Konzerns vor. Der US-Truckhersteller Freightliner, Fuso aus Japan, Kamaz aus Russland und Bharat Benz, die neue Marke für den indischen Markt. Auf der Bühne beschwor Daimler-Nutzfahrzeugvorstand Renschler die Zukunft in den Wachstumsmärkten. Doch er verschweigt: Die heile Welt des Marktführers ist in Gefahr.

Welche Gefahr zum Auftakt der Nutzfahrzeug-IAA hinter den Kulissen schwelt, wird erst am nächsten Morgen auf der Eröffnungspressekonferenz des Daimler-Konzerns deutlich, als ein chinesischer Journalist eine Frage stellt. „Wann“, will der chinesische Autojournalist wissen, „sei damit zu rechnen, dass auch chinesische Hersteller den europäischen Markt ins Visier nehmen?“ Daimler-Vorstand Renschler antwortet ausweichend, spricht von unterschiedlichen Kundenanforderungen in den BRIC-Staaten, von den neuen Daimler-Modellen für den chinesischen Markt, um schließlich zu dem Schluss zu kommen:. „Irgendwann vielleicht, aber vorerst nicht.“


Während sich die europäischen Nutzfahrzeughersteller auf der IAA in Hannover für ihre internationalen Erfolge feiern und die großen Wachstumspotentiale in den Schwellenländern beschwören, wird eine Gefahr ausgeklammert: Was passiert, wenn die asiatischen Volumenhersteller in die margenreichen Märkte in den USA und Europa drängen? Derzeit ist die Marge in Europa nach Daten der Unternehmensberater von McKinsey mit fast 7,3 Prozent fast dreimal so hoch wie in China mit 2,6 Prozent. Mit neuen Gegenspielern dürfte sich das schnell ändern.

Momentan scheint diese Gefahr noch weit entfernt. Durch die aktuelle Euro-VI-Gesetzgebung fehlt den neuen Herausforderern schlicht das Know-How, um im europäischen Wettbewerb bestehen zu können. Doch mit Anpassung der Abgasregelungen in den Schwellenländern könnte sich das schneller ändern, als den etablierten Herstellern lieb ist.

Die weltgrößten Lkw-Hersteller nach Absatz

Platz 10

Ashok Leyland - Indien
Mit 80.000 verkauften Lkws kommen die Inder international auf einen Marktanteil von 2,8 Prozent. Allerdings beschränkt sich das Geschäft im Wesentlichen auf den Heimatmarkt.

Platz 9

Bejing Automotive Industry - China
Der Staatskonzern landet mit 109.400 verkauften Lkws und einem Marktanteil von 3,8 Prozent ebenfalls unter den größten Herstellern der Welt. Auch hier sind die internationalen Ambitionen begrenzt.

Platz 8

Torch - China
Ein weiterer im Westen eher unbekannter Hersteller, der mit einem Lkw-Absatz von 113.200 auf einen Marktanteil von 3,9 Prozent kommt.

Platz 7

Volvo - Schweden
Beim Profit gehören die Schweden zu den absoluten Top-Marken weltweit. Bei den abgesetzten Fahrzeugen landen sie mit 125.800 verkauften Einheiten nur bei einem Marktanteil von 4,3 Prozent.

Platz 6

MAN/Scania - Deutschland/Schweden
Das neue Doppel des VW-Konzerns kommt gemeinsam auf 152.400 verkaufte Fahrzeuge und einen Marktanteil von 5,2 Prozent. Von der Spitze sind die Marken selbst gemeinsam noch weit entfernt.

Platz 5

Tata-Motors - Indien
In Europa machten die Inder vor allem mit der Übernahme von Jaguar und einem Billigauto Furore. Doch auch bei Trucks ist der Konzern vorne mit dabei. 194.900 abgesetzte Exemplare bescheren einen Marktanteil von 6,7 Prozent.

Platz 4

China Heavy National Duty Truck - China
Zu den chinesischen Spitzenreiter gehört auch dieser Staatskonzern, der 1935 gegründet wurde. Mit 199.900 verkauften Lkws erreicht der Konzern einen Marktanteil von 6,9 Prozent.

Platz 3

First Automotive Works - China
Bronze geht nach China. Der Volkswagen-Partner in der Volksrepublik setzte 2011 rund 274.300 Trucks ab und kommt damit auf einen Marktanteil von 9,5 Prozent.

Platz 2

Daimler Trucks - Deutschland
Was Umsatz und Profit angeht, kann kein anderer Lkw-Hersteller den Stuttgartern das Wasser reichen. Doch beim Absatz muss sich der Branchenprimus geschlagen geben: Mit 280.700 verkauften Lkws und einem Marktanteil von 9,7 Prozent erreicht Daimler nur Silber.

Platz 1

Dongfeng - China
Kein Hersteller verkaufte im Jahr 2011 so viele Lkws wie die Chinesen. Ein Absatz von 300.100 Fahrzeugen ist ein Marktanteil von 10,3 Prozent und damit Gold.


Auch die schwierige Marktsituation in Europa könnte zur Gefahr für die global aufgestellten, westlichen Hersteller werden. Denn wenn ein angeschlagener europäischer Hersteller mit Hochtechnologie im Portfolio wie Iveco von einem  finanzstarken asiatischen Hersteller übernommen würde, wäre der technologische Vorsprung mit einem Male dahin. Um dieser Gefahr zuvor zu kommen, hatte Daimler vor zwei Jahren Gespräche über eine Übernahme mit dem italienischen Lkw-Hersteller geführt, die allerdings ergebnislos abgebrochen wurden. Aus Daimler-Kreisen hieß es, dass Iveco-Eigentümer Fiat zu viel Geld gefordert habe.

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Erneute Übernahmegespräche sind erst mal nicht in Sicht. Auf der IAA erteilte Daimler-Nutzfahrzeuge-Chef Renschler weiteren Übernahmen in Europa eine Absage. Für die asiatischen Hersteller könnte eine Übernahme von Iveco dagegen der Schlüssel zum europäischen Markt sein.

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