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03.06.2014

11:54 Uhr

Oberklasse-Erfolg

Tesla zeigt VW die Rücklichter

Für VW-Patriarch Piëch ist der Erfolg des US-Elektroautobauers Tesla ärgerlich: Was VW mit dem Phaeton nicht gelang, schaffen die Amerikaner spielend. Sie etablieren sich in der Oberklasse – und schielen nun auf China.

Tesla-Mitgründer Elon Musk mit einem Model S: Das als Performance-Modell über 100.000 Euro teure Fahrzeug führt in vielerlei Hinsicht die deutsche Autoindustrie vor. AFP

Tesla-Mitgründer Elon Musk mit einem Model S: Das als Performance-Modell über 100.000 Euro teure Fahrzeug führt in vielerlei Hinsicht die deutsche Autoindustrie vor.

DüsseldorfEigentlich sollte Tesla mit einem Absatz von 22.477 Fahrzeugen kein Konkurrent für den VW-Konzern sein, der pro Jahr fast zehn Millionen Autos verkauft. Selbstbewusst verteilte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch noch auf dem Autosalon in Genf einen kleinen Seitenhieb in Richtung des kleinen Elektroautobauers. Er rechne nicht mit allzu großer Konkurrenz „solange die Batterien brennen“. Ein wenig ärgern dürfte sich Piëch aber doch, wenn er einen Blick auf die aktuellen Absatzzahlen des amerikanischen Elektroautoherstellers wirft.

Denn die 22.477 Fahrzeuge, die Tesla im Jahr 2013 verkauft hat, klingen wenig - doch sie werden komplett mit einem Modell eingefahren. Das Model S spielt damit in der Oberklasse schon in einer Liga, die VW mit dem Phaeton nie erreicht hat.

Piëch war es, der mit dem Phaeton auch die Kernmarke von VW in der Oberklasse etablieren wollte. Ein Vorhaben, das heute als gescheitert gelten kann. Gerade einmal 5.812 Phaeton wurden im vergangenen Jahr abgesetzt.

Auch mit anderen Spitzenmodellen aus dem VW-Konzern kann Tesla mittlerweile mithalten, zeigt eine Studie des CAR-Center Automotive Research der Uni Duisburg-Essen. Der Panamera von Porsche verkaufte sich etwa 24.789 Mal. „Gegenüber den klassischen Oberklasse-Herstellern hat Tesla eine Innovation, welche Premiumkäufer anspricht“, heißt es in der Studie.

Denn das Model S ist komplett elektrisch angetrieben und kommt - im Gegensatz zur Konkurrenz - auf eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern. Im ersten kompletten Absatzjahr hat es Tesla damit in den USA sogar zum Marktführer in der Oberklasse gebracht. Dort wurden vom Model S 16.150 Exemplare verkauft.

Die deutsche Konkurrenz konnte man damit auf die Plätze verweisen. Von der Mercedes S-Klasse wurden in den USA 13.303 Stück verkauft, dahinter kommt der BMW 7er (10.932 verkaufte Fahrzeuge) und der Audi A8 (5.421 verkaufte Fahrzeuge). Begünstigt werden die guten Absatzzahlen in den USA natürlich durch die dortigen Kaufprämien für Elektroautos.

Die Tesla-Chronik von 2003 bis 2013

2003, der Beginn

Zwei Teams um den US-Ingenieur Martin Eberhard und den Milliardär Elon Musk entwerfen die Vision eines Elektrofahrzeugs, das mit Akkus angetrieben wird. Auf der Basis des Prototyps T-Zero. Neben Musk stecken auch die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page und der eBay-Gründer Jeff Skoll Geld in das Projekt.

2006, Premiere des Roadster

Drei Jahre arbeitet Tesla am ersten Modell, im Juli 2006 stellt das Unternehmen den Roadster vor. Der zweisitzige Sportwagen auf der Basis des britischen Leichtgewicht-Roadster Lotus Elise verfügt über einen 215 kW (292 PS) starken Elektromotor, der seine Energie aus 6.831 Lithium-Ionen-Notebook-Akkus bezieht.  

2007, Eberhard geht

Im August 2007 tritt der damalige CEO Martin Eberhard zurück, im Dezember 2007 verlässt er das Unternehmen komplett. Am Ende landet der Streit der Gründer fast vor Gericht – bis eine außergerichtliche Einigung erzielt werden kann.

Mai 2009, Einstieg der Konzerne

Musks finanzielle Mittel alleine reichen zum Wachstum nicht mehr aus. Mit Daimler und Toyota steigen zwei große Autokonzerne bei Tesla ein. Trotzdem schreibt das Unternehmen weiterhin Millionenverluste.

September 2009, Premiere Model S

Lange war der Bau einer eigenen Limousine unter dem Codenamen „WhiteStar“ geplant. Auf der IAA in Frankfurt feiert das Model S, eine 5-sitzige Limousine die Premiere. Anfangs übernimmt Lotus die Fertigung. Ab 2011 wird das Modell in einer ehemaligen Toyota-Fabrik in Freemont gebaut. Pro Jahr werden zunächst 10.000 Modelle gefertigt.

Januar 2010, Geldspritze vom Staat

Tesla erhält vom US-Energieministerium einen Kredit über 450 Millionen Dollar. Das Geld investiert das Unternehmen in den Aufbau einer eigenen Fertigung.

Juni 2010, IPO

Musk wagt den Börsengang. Mit einem Ausgabepreis von 17 Dollar geht der Elektrohersteller in den Handel – und macht den Gründer wieder reich. Über Nacht erreicht erreichen die Anteile von Musk einen Wert von 650 Millionen Dollar, obwohl das Unternehmen bis zu diesem Zeitpunkt noch nie Gewinne gemacht hat.

2012, SUV-Pläne

Tesla veröffentlicht Pläne einen eigenen SUV an den Start zu bringen. Das Model X soll im Sommer 2015 erstmals ausgeliefert werden und die Modellpalette von Tesla erweitern.

2013, erstmals profitabel

Endlich schreibt Tesla schwarze Zahlen. Auch den Millionenkredit des Staats zahlt das Unternehmen neun Jahre früher als es nötig gewesen wäre. Mit der Ausgabe neuer Aktien und Anleihen nimmt das Unternehmen rund eine Milliarde Dollar ein. Der Aktienkurs des Unternehmens beläuft sich mittlerweile auf 147 Dollar. Damit ist das Unternehmen an der Börse mehr wert als Fiat.

In Norwegen schafft es das Model S von Tesla mit einem Marktanteil von 4,6 Prozent in der Zulassungsstatistik sogar auf Platz zwei hinter dem VW Golf. Allein im ersten Quartal wurden dort 2.227 Exemplare vom Tesla Model S verkauft - der Audi A3, immerhin ein Kompaktmodell, kommt im selben Zeitraum gerade einmal auf 756 Verkäufe. Auch hier lockt staatliche Förderung und eine ausgebaute Infrastruktur für Elektroautos die Käufer.

Kommentare (19)

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03.06.2014, 12:05 Uhr

22.477 Stück klingt nicht nur wenig, dass ist auch wenig.
Und dies erst recht, wenn man bedenkt, dass diese 22.477 Stück in 3 Jahren verkauft worden sind. Am 22.Juni 2012 begann nämlich der Verkauf des Tesla Model S.
E-Fahrzeuge sind und bleiben unwirtschaftliche und technisch anfällig Öko-Luxusautos. Für die Allgemeinheit komplett untauglich und dies gilt erst recht für einen Tesla!

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03.06.2014, 12:14 Uhr

In der rein elektrischen Fortbewegung liegt sicherlich nicht die Zukunft. Zu geringe Reichweite gepaart mit nicht vorhandener Infrastruktur und schlechten Wiederverkaufswert. Hingegen ist die Zukunft sicherlich in der Kombination von Elektro- mit Benzinmotor, sprich Hybrid, zu finden...

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03.06.2014, 12:16 Uhr

@Marc_Hofmann: Tesla Produziert dieses Jahr 35000 Model S, Die Zahl von 22477 war für das letzte Kalenderjahr. Mit meinem Model S bin ich übrigens äusserst zufrieden!

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