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22.04.2013

13:46 Uhr

Oberklasse-Hersteller in China

Die deutsche Sucht nach Wachstum

VonTobias Döring

Während das Auto-Geschäft in Europa lahmt, boomt es in China. Die deutschen Oberklasse-Hersteller haben fantastische Wachstumsjahre hinter sich. Doch die Zuwächse machen Audi, BMW und Daimler auch Schwierigkeiten.

Auf der Automesse in Shanghai: Porsche zeigt den neuen Panamera Hybrid und eine Langversion des Modells. AFP

Auf der Automesse in Shanghai: Porsche zeigt den neuen Panamera Hybrid und eine Langversion des Modells.

DüsseldorfOpiumhöhlen, Spielkasinos, Bordelle: Das Shanghai des beginnenden 20. Jahrhunderts war geprägt durch Sucht, Kriminalität und Prostitution. Shanghai, ein Sündenpfuhl. Gut 100 Jahre später hat sich Shanghai zur Industriestadt und Wirtschaftsmetropole des chinesischen Riesenreichs gewandelt. Doch seitdem deutsche Automanager zur Messe angereist sind, die am Sonntag eröffnet wurde, herrscht wieder die Sucht – nicht die nach Opium, sondern die nach Wachstum. Shanghai, ein Wachstumspool.

Denn in China werden den Autobauern ihre Wagen aus den Händen gerissen. Gerade einmal 614.000 Autos wurden im Reich der Mitte im Jahr 2000 verkauft, im vergangenen Jahr waren es schon mehr als zwanzig Mal so viele. In Europa dagegen läuft das Geschäft immer schlechter. In den ersten drei Monaten des Jahres wurden nach Zahlen des Branchenverbandes VDA nur noch knapp 3,1 Millionen Autos verkauft, ein Minus von 9,7 Prozent. In China waren es von Januar bis März mehr als 3,9 Millionen. Um rund ein Viertel wuchs der dort Markt zuletzt – jährlich. Noch höher waren die Zuwächse im Premiumsegment.

Das ist der Grund, warum die deutschen Oberklasse-Hersteller in Shanghai beseelt übers Messeparkett schlendern. Audi, BMW, Daimler und Porsche teilen den Markt für Luxuskarossen derzeit fast unter sich allein auf und kommen auf einen Marktanteil von rund 80 Prozent. Doch von Träumereien haben sich auch die deutschen Premiumbauer verabschiedet. Denn das Turbo-Wachstum der vergangenen Jahre bringt auch Probleme mit sich. Es gilt, die Marktanteile in China zu verteidigen.

Noch dazu ebbt das Wachstum ab. Die Branche rechnet in diesem Jahr mit einem Plus im Premiumsegment von lediglich zehn Prozent bis 15 Prozent. „Der Oberklassemarkt schwächt sich schon seit der zweiten Jahreshälfte 2012 ab und ist nicht mehr so heiß wie vorher“, sagt Automobilexperte Jia Xinguang von China Auto Industry Consulting. Auch BMW-China-Chef Karsten Engel rechnet mit einem höheren einstelligen oder niedrigen zweistelligem Wachstum im Markt. Doch: „Wir wollen schneller wachsen“, betont Engel.

Größte ausländische Autohersteller in China

Platz 10

BMW - 326.000 verkaufte Fahrzeuge

China gehört für die Münchener zu den wichtigsten Märkten der Welt. Und BMW dringt in die Top Ten vor: Im Vorjahresvergleich legt der Absatz um beachtliche 40 Prozent zu. Auf den Plätzen folgen Suzuki, Daimler und Mazda.

Platz 9

Ford - 427.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner machen Boden gut, was sie ebenfalls dem Inselstreit zu verdanken haben. Im Vorjahresvergleich bleibt ein sattes Plus von 31 Prozent.

(Anm. d. Red.: Erfasst wurden nur Pkw-Verkäufe)

Platz 8

Peugeot-Citroën - 442.000 verkaufte Fahrzeuge

Während der Heimatmarkt schwächelt, können die Franzosen in Fernost ihre Verkäufe ausbauen. Der Absatz legt um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu.

Platz 7

Kia - 512.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Koreaner können auch im Nachbarland ihren Erfolgskurs fortsetzen. Mit einem Wachstum von 18 Prozent gehören sie mittlerweile zu den erfolgreichen Volumenherstellern in China.

Platz 6

Honda - 603.000 verkaufte Fahrzeuge

Honda muss ebenfalls Einbußen hinnehmen - wie die anderen japanischen Hersteller in China ebenfalls. Im Vorjahresvergleich steht ein Minus von drei Prozent.

Platz 5

Toyota - 841.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Japaner müssen sich mit Rang fünf begnügen, vor allem im September hatte es einen herben Rückschlag der Verkaufszahlen auf gerade einmal 50.000 Stück gegeben. Im Gesamtjahr bleibt ein Absatzminus von fünf Prozent.

(Anm. d. Red.: Angabe laut Reuters)

Platz 4

Hyundai - 847.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Koreaner verdrängen Toyota auf Rang fünf und sind indirekter Nutznießer des Inselstreits. Die Hyundai-Verkäufe legten 2012 um zwölf Prozent zu.

Platz 3

Nissan - 1,18 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Der Streit um eine Inselgruppe zwischen China und Japan hat die Absatzzahlen der Japaner deutlich in die Knie gedrückt. Im Gesamtjahr gab es für Nissan ein Minus von fünf Prozent.

Platz 2

Volkswagen - 2,81 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Wolfsburger können das größte Wachstum der Massenhersteller in der Volksrepublik vorweisen. Gegenüber dem Vorjahr haben die Volkswagen-Verkäufe um 24 Prozent zugelegt.

Platz 1

General Motors - 2,84 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner verteidigen hauchdünn die Spitzenposition in China. Im Jahresvergleich hat GM um elf Prozent zugelegt.

Methodik

Einmal pro Quartal erstellen die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young ein Ranking der größten Autokonzerne nach Absatz. Wie die Autohersteller in China abgeschnitten haben. (Daten: Gesamtjahr 2012)

Ausgerechnet bei den Münchnern bremsen derzeit aber Lieferengpässe das Wachstum. Die begehrten Geländelimousinen der X-Klasse sind knapp. „Ich bin mir sicher, wenn wir mehr X-Modelle hätten, könnten wir auch mehr Kunden finden“, sagte BMW-Vertriebschef Ian Robertson. Dabei verkaufte der Autobauer im vergangenen Jahr bereits 326.000 Autos in China – ein Plus von mehr als 40 Prozent.

Um das Wachstum hoch zu halten und keine Marktanteile zu verlieren, setzen die deutschen Premiumhersteller auf eine ganze Reihe von Maßnahmen. Die Werke in der Volksrepublik werden ausgebaut oder neue Fabriken gebaut. BMW will die Produktionskapazität mittelfristig von 200.000 auf 300.000 Wagen steigern.

Audi-Chef Rupert Stadler spricht von einem neuen Werk in zwei bis drei Jahren. Audi werde die Produktionskapazität auf rund 700.000 Fahrzeuge ausbauen, sagt Stadler. Der Mutterkonzern Volkswagen will bis 2018 insgesamt sieben Fabriken in China bauen. Nur bei Daimler gibt es derzeit keine konkreten Pläne zum Ausbau der Kapazität. Insgesamt dürften die drei deutschen Premiumhersteller die Produktion bis 2020 auf rund 1,15 Millionen Stück verdoppeln, schätzt die Unternehmensberatung Pricewaterhouse-Coopers.

Kommentare (1)

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Sebastian

22.04.2013, 14:29 Uhr

Alles schön und gut,aber was ist mit den sog.Schattenbanken in China? Laut IWF haben diese ein bedrohliches Ausmaß in China erreicht.

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