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11.07.2013

12:45 Uhr

Öko-Auflagen

Chinas Autobranche fürchtet um Absatz

Strengere Umweltrichtlinien könnten den Absatzzahlen auf dem chinesischen Automarkt einen Dämpfer versetzen. In manchen Provinzen dürfte es aber schwerer sein, an ein Nummernschild zu kommen, als an einen Neuwagen.

Dichter Verkehr, – dicke Luft: In Peking gibt es bereits Öko-Auflagen für die Zulassung von Autos. dpa

Dichter Verkehr, – dicke Luft: In Peking gibt es bereits Öko-Auflagen für die Zulassung von Autos.

PekingChinas Autoindustrie befürchtet einen deutlichen Absatzrückgang durch strengere Umweltauflagen. In acht weiteren Großstädten des Landes seien im Kampf gegen die Luftverschmutzung neue Zulassungsbeschränkungen geplant, sagte der stellvertretende Chef des Automobilverbandes CAAM, Shi Jianhua, am Donnerstag. Dadurch drohten 400.000 Wagen weniger verkauft zu werden, was zwei Prozent des Gesamtabsatzes von 2012 in der Volksrepublik entspreche.

Bereits existierende Zulassungsbeschränkungen wie in Peking hätten schon jetzt zu einer erheblichen Schwächung der Nachfrage auf dem größten Automarkt der Welt geführt, warnte Shi. Der Markt wird von deutschen Unternehmen dominiert, aus deren Werken im Juni 26 Prozent aller in China verkauften Autos kamen.

Im Kampf gegen den Smog beschränken vier Städte, darunter die Hauptstadt sowie das Wirtschaftszentrum Shanghai, bereits jetzt die Neuzulassungen - auch indem sie Nummernschilder nur noch über Auktionen und Lotterien an die Interessenten bringen. Restriktiver dürfte dem Branchenverband zufolge künftig auch in Provinzzentren wie Chengdu, Chongqing und Wuhan vorgegangen werden. Die Einzelheiten würden von den örtlichen Behörden bekanntgegeben. Beim Verkehrsministerium war zunächst keine Stellungnahme zu den Äußerungen des CAAM zu bekommen.

Größte ausländische Autohersteller in China

Platz 10

BMW - 326.000 verkaufte Fahrzeuge

China gehört für die Münchener zu den wichtigsten Märkten der Welt. Und BMW dringt in die Top Ten vor: Im Vorjahresvergleich legt der Absatz um beachtliche 40 Prozent zu. Auf den Plätzen folgen Suzuki, Daimler und Mazda.

Platz 9

Ford - 427.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner machen Boden gut, was sie ebenfalls dem Inselstreit zu verdanken haben. Im Vorjahresvergleich bleibt ein sattes Plus von 31 Prozent.

(Anm. d. Red.: Erfasst wurden nur Pkw-Verkäufe)

Platz 8

Peugeot-Citroën - 442.000 verkaufte Fahrzeuge

Während der Heimatmarkt schwächelt, können die Franzosen in Fernost ihre Verkäufe ausbauen. Der Absatz legt um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu.

Platz 7

Kia - 512.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Koreaner können auch im Nachbarland ihren Erfolgskurs fortsetzen. Mit einem Wachstum von 18 Prozent gehören sie mittlerweile zu den erfolgreichen Volumenherstellern in China.

Platz 6

Honda - 603.000 verkaufte Fahrzeuge

Honda muss ebenfalls Einbußen hinnehmen - wie die anderen japanischen Hersteller in China ebenfalls. Im Vorjahresvergleich steht ein Minus von drei Prozent.

Platz 5

Toyota - 841.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Japaner müssen sich mit Rang fünf begnügen, vor allem im September hatte es einen herben Rückschlag der Verkaufszahlen auf gerade einmal 50.000 Stück gegeben. Im Gesamtjahr bleibt ein Absatzminus von fünf Prozent.

(Anm. d. Red.: Angabe laut Reuters)

Platz 4

Hyundai - 847.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Koreaner verdrängen Toyota auf Rang fünf und sind indirekter Nutznießer des Inselstreits. Die Hyundai-Verkäufe legten 2012 um zwölf Prozent zu.

Platz 3

Nissan - 1,18 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Der Streit um eine Inselgruppe zwischen China und Japan hat die Absatzzahlen der Japaner deutlich in die Knie gedrückt. Im Gesamtjahr gab es für Nissan ein Minus von fünf Prozent.

Platz 2

Volkswagen - 2,81 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Wolfsburger können das größte Wachstum der Massenhersteller in der Volksrepublik vorweisen. Gegenüber dem Vorjahr haben die Volkswagen-Verkäufe um 24 Prozent zugelegt.

Platz 1

General Motors - 2,84 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner verteidigen hauchdünn die Spitzenposition in China. Im Jahresvergleich hat GM um elf Prozent zugelegt.

Methodik

Einmal pro Quartal erstellen die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young ein Ranking der größten Autokonzerne nach Absatz. Wie die Autohersteller in China abgeschnitten haben. (Daten: Gesamtjahr 2012)

Analysten halten die CAAM-Prognosen für übertrieben und dem Ziel geschuldet, die Pekinger Führung von solchen Plänen abzubringen. „Ich glaube nicht, dass acht weitere Städte plötzlich gleichzeitig Beschränkungen einführen“, sagte Wu Wenzhao von Sinolink Securities. Dies gelte vor allem vor dem Hintergrund, dass der Schwung der chinesischen Konjunktur nachlasse und die Regierung die Binnennachfrage ankurbeln wolle. Nach Jahren rasanten Wachstums kommen aus dem Reich der Mitte immer mehr Warnsignale: Nach den jüngsten Turbulenzen an den Geldmärkten brach der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zuletzt auch der wichtige Export weg.

Doch ungeachtet dieser Herausforderungen hat sich die neue Führung unter Präsident Xi Jinping auch auf die Fahnen geschrieben, die Lebensqualität für das Milliardenvolk zu erhöhen. Über vielen chinesischen Städten hängen dichte Dunstglocken, die Luftverschmutzung gehört zur stärksten weltweit. Als verantwortlich dafür gilt neben Kohlekraftwerken auch der wachsende Verkehr, weil sich immer mehr Bürger des aufstrebenden Schwellenlandes ein Auto leisten können, das als Statussymbol gilt. Am häufigsten griffen sie dem CAAM zufolge dabei im Juni zu deutschen Marken (26 Prozent), gefolgt von chinesischen (25), japanischen (18) und US-Produkten (16).

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

11.07.2013, 13:40 Uhr

"Chinas Autobranche fürchtet um Absatz"

Da kann ich nur sagen: "Fürchtet Euch nicht!"
Der globale Bi-Turbo-Kapitalismus der letzten 10 Jahre wird morgen schon einen neuen Erdteil okkupieren. Wie wäre es mit Afrika? Die Chinesen haben sich doch schon mit viel Aufwand vor Ort in Stellung gebracht. Eine mit unglaublicher Geschwindigkeit wachsende Bevölkerung dort will doch sicher auch viele neue Autos haben.
Also, bevor gejammert wird, können wir erst einmal in Ruhe die Afrikaner "zusmoggen".

Account gelöscht!

11.07.2013, 14:34 Uhr

Immer lustig und vergnügt bis der Arsch im Sarge liegt!

Account gelöscht!

17.07.2013, 10:00 Uhr

17.7.13 Wenn in China ein Sack Reis umfällt, fällt er Deutschland auf die Zehen. Früher hieß es, wenn ein Boom in der Bauwirtschaft Risse bekommt, ist der Abschwung nicht mehr weit. Das zyklische Blatt wendet sich. Heute verrät uns die Autoindustrie den Zeitpunkt, an dem an den Märkten Sättigung eintritt. Schwächelnde Produktion in China, Rezession in den Peripherieländern Europas. Eine Weltwirtschaft am zyklischen Scheideweg? Und schon melden sich weitere Warnsignale. Bosch geht in den Rückwärtsgang, Löwe begibt sich in das Insolvenzverfahren. Der Raubeinkapitalismus fährt die Krallen aus. Da wäre es nicht verwunderlich, wenn auch die Aktienbörsen am oberen Wendepunkt im mittelfristigen Zyklus angekommen sind. Wenn die Autoindustrie beginnt, nach einem Hype auf Halde zu produzieren und Zusatzschichten passe sind, droht ein Krisenherbst. Keine guten Aussichten für die Gesamtwirtschaft. Wolfgang Werkmeister, Buchautor, Eschborn

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