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25.08.2011

18:11 Uhr

Öko-Trend

Bio für die Massen

VonChristoph Kapalschinski

Im Supermarkt stehen immer mehr Markenprodukte, die auf den Trend zur gesünderen Ernährung setzen – ohne echte Ökoprodukte zu sein. Lebensmittelhersteller setzen eigene Standards für den preisbewussten Massengeschmack.

Immer mehr Markenhersteller versuchen mit eigenen Standards vom anhaltenden Bio-Boom zu profitieren. dpa

Immer mehr Markenhersteller versuchen mit eigenen Standards vom anhaltenden Bio-Boom zu profitieren.

DüsseldorfImmer weniger Verbraucher wollen in ihrem Joghurt Sägespäne haben. Denn der gewöhnliche Erdbeerjoghurt, so lautet eine populäre urbane Legende, besteht meist nicht nur aus Früchten und der Milchspeise, sondern aus Sägespänen und Aromen.

Im Kern stimmt das Gerücht sogar: Besonders viele Früchte sind in Fruchtjoghurts tatsächlich nicht enthalten. Stattdessen sorgen zugesetzte Aromen für den Geschmack – und die werden aus Holz gewonnen, so entstand vermutlich auch das Gerücht mit den Sägespänen. Lange haben die Verbraucher diesen Umstand hingenommen. Jetzt wollen immer mehr Natur statt Labor - nicht nur beim Joghurt.

Und die Markenproduzenten gehen auf diesen Trend ein und bieten Zwitterprodukte an: ein bisschen Bio, aber nicht so viel, dass der Preis zu stark steigt. So wie der französische Joghurthersteller Danone. Der Lebensmittelkonzern bietet seinen deutschen Kunden neuerdings einen Joghurt an, der neben der Milchspeise nur noch Früchte und Zucker enthält. Der empfohlene Verkaufspreis: 1,99 Euro für knapp 400 Gramm.

Verzicht auf Farbstoffe

Danone ist damit das jüngste Beispiel, bei dem ein Massenhersteller Produkte zwischen dem hochpreisigen, mit staatlichem Siegel versehenen Biosegment und konventionellen Angeboten bringt. Massenmarken versuchen so den Schritt hin zur zunehmenden Zahl kritischer Verbraucher, die trotzdem nicht im Bioladen kaufen. Das Problem: Eine einheitliche Zertifizierung für solche Produkte gibt es nicht, die Hersteller setzten sich ihre Standards selbst. Das funktioniert nur, wenn die Marken so etabliert sind, dass sie auch glaubwürdig sind.

Ein Vorreiter war der Tiefkühlkosthersteller Frosta. Das „Frosta-Reinheitsgebot“ sieht unter anderem den Verzicht auf Geschmacksverstärker und Farbstoffe vor. Die verbliebenen Zutaten werden auf den Packungen der Tiefkühlkost einzeln erklärt. Wegen der nötigen Preiserhöhung brach der Absatz zunächst ein – erst viel TV-Werbung machte die Aktion zum Erfolg.

„Das ist eine echte qualitative Verbesserung“, sagt Martin Rücker, Sprecher der Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch. „Allerdings produziert die Firma Frosta auch Eigenmarken für den Handel, die weiterhin Geschmacksverstärker enthalten.“ Das zeigt, wie das Marketing funktioniert: Etablierte Marken bieten durch Verzicht auf bestimmte Stoffe ein Plus an Qualität – ohne dass die Konzerne dahinter zu Bioproduzenten würden. „Die Hersteller wollen so ihre Marken differenzieren“, sagt Karin Tischer, Geschäftsführerin des Forschungsinstituts Food & More.

Kommentare (3)

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26.08.2011, 09:22 Uhr

Das ganze Gerede über Bio, ist doch Leuteverarschung.
Der wahre Grund ist, mit dieser Lüge kann man den Kunden mit überhöhten Preisen über den Tisch ziehen, sonst Garnichts.
Wer glaubt BIO sei gesünder, der ist einem Irrtum aufgesessen.
Der Konsument, lässt sich viel zu leicht durch die Werbung verarschen, ein wenig mehr gesunder Menschenverstand wäre besser.
Danke

Sonne

26.08.2011, 10:39 Uhr

Der Preis des neuen Danone-Joghurts, der mit 1,99 € für 400 g zu Buche schlägt, ist nicht wirklich günstig. Und auch nicht günstiger als echter Biojoghurt mit EU- oder höherwertigerem Siegel aus dem Bioladen.

Und bei der kleineren Naturkosmetikmarke hat sich ein Schreibfehler eingeschlichen. Sie heißt nicht Veleda sondern Weleda, siehe www.weleda.de.

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26.08.2011, 12:04 Uhr

Bio macht dann Sinn, wenns um Rohprodukte geht. Da merkt man nen Unterschied ob das Ei aus der Hühnerfarm oder vom Bauern mit freilaufenden Hühnern kommt. Und da schmeckt man auch bei Fleisch den Unterschied ob die Kuh nur mit Kraftfutter in der Schnellaufzucht oder auf der Weide groß geworden ist. Genauso siehts beim Gemüse aus (die Gurken aus dem eigenen Garten schmecken wesentlich besser als die Wassergurken aus Holland ect.) Aber im Supermarkt findet man da wenig - und schon gar nicht bei Fertigsachen ;-)
und ich sage mal so - wenn in einem Produkt immer noch Inhaltsstoffe von 5% nicht natürlichen Ursprunges sind, sondern aus dem Chemielabor kommen, dann kann aber muß das nicht schlecht sein. Das kommt einfach darauf an, was da zusammengebraut wurde.

Was aber wahr ist, das durch die Chemie in den Lebensmitteln teilweise der natürliche Geschmackssinn verloren gegangen ist durch die Überreizung mit "Geschmack". Auch bringt uns die Massentierhaltung mit ihren "Giftcoktails" mit Antibiotikern leider nicht wirklich was gutes ein, außer das die Krankheitserreger immer Resistenter werden und schon viele Antibiotiker nicht mehr helfen bei Erkrankungen.
Nur mal so als Beispiel: in einigen Ländern ist Kuhdunk von Tieren die mit "Kraftfutter" gefüttert werden als Sondmüll zu entsorgen^^ Das sagt doch schon viel aus...

Ich kaufe bei "Rohmaterial" wie Fleisch, Gemüse und Obst so gut wie immer Bio - allerdings nicht im Supermarkt sondern beim Bauern meines Vertrauens ;-)

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