Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.02.2014

15:27 Uhr

Ökostrom-Finanzierung

Bärenmarke jetzt EEG-befreit

VonTobias Döring, Martin Dowideit, Dana Heide

Fast 2100 Firmen müssen keine Ökostrom-Zulage zahlen. In diesem Jahr sind Hunderte Firmen dazugekommen – kleine und große Betriebe. Fast jede fünfte in Deutschland verbrauchte Kilowattstunde ist mittlerweile EEG-befreit.

Bärenmarke-Maskottchen vor Hochspannungsleitung (Montage): Fast 400 weitere Betriebe sind jetzt von der EEG-Umlage befreit. Imago

Bärenmarke-Maskottchen vor Hochspannungsleitung (Montage): Fast 400 weitere Betriebe sind jetzt von der EEG-Umlage befreit.

DüsseldorfDie Hochwald Foods GmbH ist bei weitem nicht die erste Molkerei, die eine Befreiung von der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beantragt hat. Doch der Bärenmarke-Hersteller kommt 2014 zum ersten Mal in den Genuss, die 6,24 Cent pro Kilowattstunde verbrauchten Strom nicht zahlen zu müssen. So profitiert etwa das Werk Polling in Bayern davon – der Herkunftsort der bekannten Milch.

Hochwald Foods ist eine von 2098 Firmen, die in diesem Jahr die „Besondere Ausgleichsregelung für stromintensive Unternehmen“ nutzen. Das sind 378 mehr als im Vorjahr. Über die Umlage wird der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland finanziert – doch wer besonders viel verbraucht, muss nicht zahlen. Insgesamt werden Unternehmen dieses Jahr um 5,1 Milliarden Euro entlastet – 1,1 Milliarden Euro mehr als noch 2013. Befreit sind mittlerweile 101 Terawattstunden Strom pro Jahr und damit fast ein Fünftel des deutschen Stromverbrauchs.

Ausgewählte Firmen, die von der EEG-Umlage befreit sind

Allgemeines

Insgesamt 2098 Unternehmen sind im Jahr 2014 von der EEG-Umlage ausgenommen. Das entspricht einer begünstigen Strommenge von voraussichtlich 107 Terawattstunden – das sind etwa 18 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland. Alleine 2014 bleiben den Firmen damit rund 5,1 Milliarden Euro an Kosten erspart.

Befreit werden können Unternehmen, die mindestens eine Gigawattstunde Strom im Jahr verbrauchen und deren Stromkostenanteil mehr als 14 Prozent beträgt.

Aurubis

Extrem viel Strom wird in der Metallherstellung benötigt. Der Kupferproduzent Aurubis beziffert die Entlastung durch die Befreiung in den Jahren 2010 bis 2012 auf 102 Millionen Euro.

BASF

Zu den energieintensiven Unternehmen in Deutschland zählen viele Chemiebetriebe. Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF hat berechnet, dass ein Ende der EEG-Umlagebefreiung allein im Stammwerk jährliche Mehrkosten von mehr als 300 Millionen Euro bedeuten würde. Für 2014 stehen allerdings nur noch Betriebe in Leuna und Rudolstadt auf der Liste.

Bogestra – Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen

Ein Kompromiss mit der EU könnte sich darin andeuten, dass die Befreiung für Unternehmen ausgesetzt wird, die nicht im internationalen Wettbewerb stehen. Dazu zählen etwa Straßenbahngesellschaften – insgesamt 72 Schienenbahnunternehmen sind in Deutschland befreit. Die volle EEG-Umlage würde die Bogestra jährlich 1,28 Millionen Euro kosten.

Schwarzwaldmilch

Nicht nur Industrieunternehmen sind befreit, auch Lebensmittelbetriebe. So gehört auch die Schwarzwaldmilch Offenburg zu den von der EEG befreiten Unternehmen.

Storck

Ein Werk des Süßwarenherstellers („Merci“, „Toffifee“ etc.) in Berlin ist von der EEG-Umlage ausgenommen.

Vion

Die Betriebe des Schweineschlachters Vion sind zum großen Teil von der EEG-Umlage befreit. Die Stromkosten müssen mindestens 14 Prozent der Bruttowertschöpfung des Unternehmens ausmachen, um in Frage zu kommen. Gegen Vion wurde etwa in der ZDF-Sendung Frontal der Vorwurf erhoben, durch den Einsatz von Werkverträgen statt Festangestellten unter diese Schwelle zu kommen.

Am Mittwoch veröffentlichte das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle die Namen aller befreiten Unternehmen. Neu hinzugekommen sind Betriebe aus vielen Branchen – etwa ein Pilzzuchtbetrieb im brandenburgischen Tietzow. 35 Kilometer von der Berliner Innenstadt entfernt, ernten etwa 200 Mitarbeiter jede Woche 130 Tonnen Pilze. Seit diesem Jahr spart die Firma Dohme Pilze dabei kräftig Geld. Zu den Profiteuren zählen aber auch andere Lebensmittelbetriebe wie Hochwald oder zwei Gemüsewerke des Tiefkühlkost-Produzenten Frosta.

„Wir haben dadurch eine Ersparnis von jährlich eine Million Euro“, sagt Frosta-Produktionsvorstand Jürgen Marggraf zu Handelsblatt Online. Man stehe im Wettbewerb etwa mit belgischen und niederländischen Tiefkühlproduzenten, was ein Grund für den Antrag zur Befreiung gewesen sei. Außerdem sei die EEG-Umlage in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, sodass man sich für die Befreiung gerüstet habe. Dazu zählt eine Zertifizierung der Standorte nach der Norm ISO 50001, um systematisches Energiemanagement zu belegen.

Neuerdings befreit sind auch zahlreiche Druckereien, Metallverarbeiter und Chemieunternehmen. Besonders auffällig: Bei Bahnbetreibern ist ein deutlicher Anstieg von 53 auf 72 Firmen zu verzeichnen. Das ist pikant, denn gerade an Straßenbahnunternehmen hat sich in den vergangenen Jahren ein Streit entzündet.

Kommentare (42)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

ColorfulColorado

12.02.2014, 13:49 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

eselstreckdich

12.02.2014, 13:50 Uhr

bei der Haltung die die Politik hinsichtlich Steuersündern zeigt, wäre es sehr verwunderlich, wenn bei der Entscheidung über die Befreiung von der EEG Umlage alles korrekt abliefe.

Account gelöscht!

12.02.2014, 13:57 Uhr

Und alles auf Kosten der kleinen leute...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×