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25.06.2014

15:52 Uhr

Ökostromreform

„Man muss sich ja regelrecht vor Berlin fürchten“

VonDana Heide

ExklusivEigenen Strom erzeugen? Das war gestern. Die angepeilte Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes macht das unattraktiv. Das erste Großunternehmen stoppt bereits Pläne für Millionen-Investitionen in Deutschland.

Die Krise in der Ukraine ist für deutsche Leasingunternehmen eine Herausforderung. Getty Images

Die Krise in der Ukraine ist für deutsche Leasingunternehmen eine Herausforderung.

Düsseldorf Hans-Peter Wilfer braucht weder Eon, noch RWE, noch Vattenfall oder EnBW – der Chef des Instrumentenbauers Warwick im sächsischen Markneukirchen erzeugt seinen Strom mit Solaranlagen, Blockheizkraftwerk und Windkraft komplett selbst. So wie Warwick haben es in den vergangenen Jahren immer mehr Unternehmen gemacht: Sie haben ihre Stromversorgung selbst in die Hand genommen. Der Vorteil: Neben den stabileren Preisen waren sie auch davon befreit, sich an den Kosten der Energiewende zu beteiligen. Die Umlage für Erneuerbare Energien (EEG) EEG konnten sie sich sparen. Doch dieses Modell dürfte unattraktiver werden. Wie am Dienstag bekannt wurde, plant die Regierung mit der Reform des EEG-Gesetzes auch, die bisherige Ökoumlagen-Befreiung von Unternehmen, die ihren eigenen Strom herstellen, stark zu beschneiden. Freitag soll das neue Gesetz im Bundestag beraten werden.

Wieviel Erneuerbare die Energieversorger haben

RWE

Laut einer Studie, die die Umweltschutzorganisation Greenpeace Ende Februar 2014 veröffentlichte, hat von RWE in Europa produzierter Strom einen Anteil von Wasserkraft von 2 Prozent und einen Anteil von anderen Erneuerbaren Energien von weiteren zwei Prozent. Die Zahl bezieht sich auf die tatsächlich erzeugte Strommenge, nicht auf die Kapazitäten.

Eon

Der Düsseldorfer Energiekonzern Eon produziert insgesamt drei Prozent seines in Europa hergestellten Stroms aus Erneuerbaren Energien inklusive Windkraft und steht damit im Vergleich schlechter da als Konkurrent RWE.

Vattenfall

Der schwedische Konkurrent Vattenfall produzierte insgesamt vier Prozent seines Stroms in Europa mithilfe regenerativer Energiequellen.

EnBW

EnBW steht im Vergleich der großen vier Energieversorger in Deutschland am schlechtesten da. Das Unternehmen gewinnt nur insgesamt zwei Prozent seines Stroms europaweit aus erneuerbaren Quellen.

Betreiber bestehender Anlagen sollen demnach nur noch bis Ende 2016 von der Zahlung der Umlage befreit sein, dazu gehören auch die Anlagen von Wilfers. Sofortige finanzielle Auswirkungen hätte die bevorstehende Gesetzesänderung zwar nicht für Warwick. „Aber ärgerlich ist das Ganze auch für uns, denn allein schon das Chaos um die Reform ist nicht gerade vertrauenserweckend, was zukünftige Entscheidungen der Politik angeht. Man muss sich ja regelrecht fürchten, was da noch alles kommen kann aus Berlin“, sagt Wilfer gegenüber Handelsblatt Online. „Wenn wir heute vor der Entscheidung stehen würden, in Stromerzeugungsanlagen Geld zu investieren - wir würden es lassen.“

Das Handelsunternehmen Metro hat auf Grund der Beschlüsse sogar von weiteren Plänen für neue Blockheizkraftwerke Abstand genommen. „Weitere Projekte sind für Deutschland  vorerst gestoppt, da wir bei den Blockheizkraftwerken keine Wirtschaftlichkeit von Neuanlagen sicherstellen können, wenn ab dem 1. Januar 2015 auf die Eigenerzeugung in Neuanlagen 30 Prozent der EEG- Umlage, also circa 1,9 Cent pro Kilowattstunde zu bezahlen sind“, heißt es in einem Statement für Handelsblatt Online. Die Entscheidung, die Investitionen auf Eis zu legen, seien bereits zu Beginn der Verhandlungen getroffen worden, als sich die Schlechterstellung der Eigenstromerzeugung abzeichnete, hieß es.

Metro hat bereits 2012 mit der Errichtung und dem Betrieb von Blockheizkraftwerken  in seinen Großmärkten und Warenhäusern begonnen. Im Juli 2013 nahm das Unternehmen die Blockheizkraftwerke an den Metro Cash & Carry Großmärkten in Düsseldorf und Berlin gemeinsam mit dem Energieversorger Eon in Betrieb. Insgesamt hat die Firma in Deutschland fünf Blockheizkraftwerke. Im Mai 2013 hatte Metro angekündigt, vier weitere BHKW zu bauen, die Investitionen hätten im Millionenbereich gelegen.

In anderen Ländern will das Unternehmen weiter in die dezentrale Energieversorgung investieren. Derzeit arbeite Metro an zwei BHKW-Projekten in Russland und einem Fotovoltaik-Projekt auf einem Cash & Carry-Markt in der Türkei.

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