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20.11.2015

11:32 Uhr

Öl und Kohle

Bergbaufirmen kämpfen sich nach oben

VonRegine Palm

Die Energiewende und der schwache Rohstoffmarkt machen den Maschinenbauern zu schaffen. Nun suchen die Hersteller von Bergbaumaschinen ihr Glück außerhalb von Europa – in Staaten, die für die Ölförderung bekannt sind.

Mit dieser Maschine werden vertikale und geneigte Bohrungen nach oben mit kleineren Durchmessern gemacht. Herrenknecht

Unter Tage

Mit dieser Maschine werden vertikale und geneigte Bohrungen nach oben mit kleineren Durchmessern gemacht.

EssenFür die deutschen Hersteller von Bergbaumaschinen ist die Energiewende Fluch und Segen zugleich. Die politische Diskussion um die Zukunft der Braunkohlekraftwerke bremst die Investitionsneigung, sagte Michael Schulte Strathaus, neuer Vorsitzender des VDMA-Fachverbands Mining, in Essen. Im Gegenzug, so hofft die Branche, werde sie von dem Ausbau alternativer Methoden zur Energiegewinnung profitieren. Denn für Windkraft-, Solar- und Biogasanlagen würden metallische Rohstoffe gebraucht. Diese würden überwiegend im Hartgesteinsbergbau gewonnen. Erste Maschinen, die das Geschäft abdecken können, sollen auf der Branchenmesse „bauma“ in München gezeigt werden.

Bislang aber haben die Pläne von Vattenfall, den Braunkohletagebau und die Kraftwerke in der Lausitz zu verkaufen, das Geschäft ebenso gehemmt, wie der völlige Ausstieg aus der inländischen Steinkohleproduktion bis 2018. Der Inlandsumsatz werde daher auch im kommenden Jahr voraussichtlich im unteren einstelligen Bereich sinken. Schon im laufenden Jahr sind die Umsätze um etwa acht Prozent auf 210 Millionen gefallen.

Das Geschäft im eigenen Land ist für die Branche aber ohnehin nicht mehr entscheidend. „Deutschland ist eigentlich nicht mehr der Heimatmarkt, sondern Europa“, sagte Schulte Strathaus. Weltweit hat die Branche in diesem Jahr einen Umsatz von 3,62 Milliarden Euro erzielt. Zwar war das internationale Geschäft mit einem Minus von drei Prozent ebenfalls immer noch rückläufig, schnitt aber unter dem Strich eben doch besser ab.

Grund für die schleppende Nachfrage ist in erster Linie die Flaute an den internationalen Rohstoffmärkten. Gemessen an den einschlägigen Indizes haben sich die Preise in den vergangenen fünf Jahren quasi halbiert. Besonders stark hat es die Industriemetalle getroffen. Nickel, Zink und Kupfer notieren auf mehrjährigen Tiefständen. Ein Grund dafür ist das langsamere Wirtschaftswachstum in China. Das Land hatte mit seinem enormen Rohstoffbedarf die Preise seit der Jahrtausendwende immer höher getrieben.

Zink etwa ist erstmals seit Juli 2009 wieder unter die Marke von 1500 Dollar gefallen. Nach den Daten der International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) wies der globale Zinkmarkt in den ersten neun Monaten 2015 einen Angebotsüberschuss von 188.000 Tonnen auf. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum lag das Defizit nach Angaben der Commerzbank noch bei 291.000 Tonnen. Nur kurz sei eine Erholung der Metallpreise zu beobachten gewesen, sagen Analysten. Nun befänden sich die Metallpreise „wieder im Abwärtstrend“. Die Folge des Überangebots und des Preisverfalls: Bergbauunternehmen streichen Projekte und schließen sogar Minen. Das schlägt auf das Geschäft der Bergbaumaschinenanbieter durch, die sich laut Schulte Strathaus dennoch „wacker geschlagen“ haben.

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