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15.02.2016

17:27 Uhr

Ölheizung und Ölpreisverfall

Das Comeback des Schmuddelkinds

VonMartin Wocher

Totgesagte leben länger – auch im Heizungskeller: Die Deutschen lassen sich wieder öfter eine Ölheizung einbauen. Für eine sprunghaft steigende Nachfrage sorgt der fallende Ölpreis. Auch am Morgen ging es wieder abwärts.

Der niedrige Ölpreis ermöglicht das Comeback des lange verschmähten Energieträgers. imago stock&people

Ölheizungen kehren zurück

Der niedrige Ölpreis ermöglicht das Comeback des lange verschmähten Energieträgers.

DüsseldorfSie galt jahrzehntelang als Schmuddelkind im Heizungskeller: Nach dem Hoch in den 1960er- und Anfang der 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts rümpften Hausbesitzer über ihre Ölheizung verächtlich die Nase. Im Keller roch es schon mal unangenehm, und mancher ärgerte sich schwarz über die Jahr für Jahr steigenden Rechnungen, die er an seinen Brennstoff-Händler überweisen musste. Eine moderne Gasheizung mit Brennwerttechnik galt dagegen als letzter Chic, gern kombiniert mit ökologisch einwandfreien neuen Energieträgern wie Biomassekessel, Wärmepumpe oder Solarthermie.

Doch Totgesagte leben manchmal länger – auch im Heizungskeller. Nach bislang noch nicht veröffentlichten Zahlen des Bundesverbandes der deutschen Heizungsindustrie haben Ölheizungen in den vergangenen Monaten quasi eine Wiedergeburt erlebt. Die Zahl der verbauten Anlagen legte im vergangenen Jahr um immerhin 30 Prozent auf rund 60.000 Stück zu. Das sind bei knapp 700.000 Heizungsanlagen neu verbauten in Deutschland, die für warmes Wasser und Wärme im Haus sorgen, zwar nur knapp zehn Prozent, markiert aber eine eindeutige Trendwende.

Durchschnittliche Mietkosten nach Vermietertyp

Kirchliche Wohnungsunternehmen

Monatliche Sollmiete (netto, kalt): 5,83 €/m²
Kalte Betriebskostenvorauszahlung: 1,44 €/m²
Warme Betriebskostenvorauszahlung: 1,29 €/m²

Private Immobilienunternehmen

Monatliche Sollmiete (netto, kalt): 5,77 €/m²
Kalte Betriebskostenvorauszahlung: 1,60 €/m²
Warme Betriebskostenvorauszahlung: 1,42 €/m²

Öffentliche Wohnungsunternehmen

Monatliche Sollmiete (netto, kalt): 5,70 €/m²
Kalte Betriebskostenvorauszahlung: 1,77 €/m²
Warme Betriebskostenvorauszahlung: 1,16 €/m²

Sonstige Wohnungsunternehmen

Monatliche Sollmiete (netto, kalt): 5,44 €/m²
Kalte Betriebskostenvorauszahlung: 1,44 €/m²
Warme Betriebskostenvorauszahlung: 1,13 €/m²

Kommunale Wohnungsunternehmen

Monatliche Sollmiete (netto, kalt): 5,29 €/m²
Kalte Betriebskostenvorauszahlung: 1,49 €/m²
Warme Betriebskostenvorauszahlung: 1,11 €/m²

Wohnungsgenossenschaften (ohne kirchliche Unternehmen)

Monatliche Sollmiete (netto, kalt): 5,07 €/m²
Kalte Betriebskostenvorauszahlung: 1,31 €/m²
Warme Betriebskostenvorauszahlung: 1,16 €/m²

Quelle für alle Angaben: GdW-Jahresstatistik

„Jahrelang ist der Bestand an Ölheizungen immer weiter geschrumpft“, heißt es beim Verband. „Der Energieträger Öl war in Misskredit geraten.“ Aber mit dem Verfall der Ölpreise änderte sich plötzlich auch die Sichtweise der Käufer: Ab dem dritten Quartal 2014 stieg die Nachfrage sprunghaft an. So haben sich die Kosten für 100 Liter Heizöl seit Anfang 2014 bis heute auf unter 40 Euro mehr als halbiert – für manchen Hausbesitzer ein schlagkräftiges Argument. Vor allem, wenn er mit spitzem Bleistift rechnen muss. Auch an diesem Morgen ist Rohöl wieder etwas billiger geworden: In New York fiel der Preis für das Fass (159 Liter) um 0,5 Prozent, in London um 0,2 Prozent. Das Barrel Rohöl kostet jetzt rund 30 US-Dollar.

Fassade, Heizung & Co.: Die Deutschen sind Sanierungsmuffel

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Die Deutschen sind Sanierungsmuffel

Wer eine Ölheizung besitzt, braucht sich angesichts der niedrigen Preise um die Rechnung keine Sorgen zu machen. Daher bleiben energetische Sanierungen out. Sinnvoll sind sie allemal – auf eine bestimmte Art und Weise.

Dass die deutschen Heizungskäufer im Zweifel doch lieber ihrem Portemonnaie als dem ökologischen Gewissen folgen, zeigt auch eine andere Entwicklung: So geht der Einsatz Erneuerbarer Energien in der Haustechnik seit ihrem Höhepunkt im Jahr 2008 kontinuierlich zurück. Wurden damals noch 45 Prozent aller Heizungsanlagen mit Wärmepumpen, Solarthermie oder Biomasse wie Holzpellets und Hackschnitzel ausgerüstet, waren es 2015 nur knapp 20 Prozent.

Kommentare (19)

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Rainer von Horn

15.02.2016, 11:23 Uhr

Die Bundesregierung sollte sich über das Comeback der Ölheizung freuen. Denn wenn immer mehr Haushalte Wärmepumpen instsllieren bei gleichzeitigem Ausbau der Erneuerbaren und Ausscheiden konventioneller Kraftwerke, dann mindern diese neuen Ölheizungen die Blackout-Gefahr im sonnen- und windarmen Winter.

Herr Marc Otto

15.02.2016, 11:35 Uhr

Ich bin begeistert, wenn ich diese herrlichen Nachrichten davon lese, wie intelligent doch die Bundesbürger wirklich sind.

Ja, es tut immer wieder gut, wenn man hier liest, dass die Bürger sehr wohl wissen, dass Medien und Politiker sie ständig nur belügen. Nur das Geld ist hier ehrlich und wenn etwas billiger ist, sollte man genau dort zugreifen.

Von usn aus, können die Journalisten ja ruhig das machen, was die Politiker sagen, wer wills auch wissen. wir sollten uns immer davon fern halten, wenne s um den angeblichen Umweltschutz oder das Klima geht. Jeder, der diese Begriffe in den Mund nimmt, will uns nur betrügen.

Weiter so, besser eine ehrliche Ölheizung, als German Pellets.......

Herr J.-Fr. Pella

15.02.2016, 11:41 Uhr

Hauptsache ist, daß unsere Politiker, gleich welcher Partei, ihre zierlichen, kleinen, umweltschonenden und kaum spritverbrauchenden Autos fahren können.
Sie gehen schon seit langer Zeit mit guten Beispielen voran oder ???

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