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05.09.2012

16:16 Uhr

Ölkatastrophe

US-Justiz wirft BP grobe Fahrlässigkeit vor

Für BP könnte die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko teurer werden als bislang erwartet. Das US-Justizministerium wirft dem Ölkonzern grobe Fahrlässigkeit vor. Dies könnte die Entschädigungszahlungen in die Höhe treiben.

22. April 2010: die brennende Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko. dpa

22. April 2010: die brennende Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko.

LondonVier Monate vor Beginn des Schadenersatz-Prozesses wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko verschärfen die USA den Ton im Streit mit dem britischen Ölmulti BP. Das US-Justizministerium wirft dem Ölkonzern grobe Fahrlässigkeit vor. Das berichtete die „Financial Times“ am Mittwoch unter Berufung auf interne Memos im Ministerium. Ziel der Regierung ist es, dem Unternehmen die Hauptschuld an der größten Ölpest in der US-Geschichte nachzuweisen.

Das Justizministerium untermauert seine Vorwürfe mit einem vernichtenden Urteil über einen Sicherheitscheck von BP. Sollte das Ministerium im bevorstehenden Prozess gegen BP damit durchkommen, könnte dies die Rechnung für BP massiv verteuern. BP beteuert, es habe keine grobe Fahrlässigkeit gegeben. Das Unternehmen wolle dies auch beweisen.

Die größten börsennotierten Ölkonzerne der Welt

Die größten Öl- und Gaskonzerne

Sie fördern und raffinieren Erdöl oder Gas und betreiben riesige Tankstellennetze. Wie viel die zehn größten Öl- und Gaskonzerne der Welt an der Börse wert sind.

Quelle: Bloomberg, Stand: 26.7.2012

Platz 10

ENI (Italien)

Der italienische Öl- und Gaskonzern erreicht mit einer Marktkapitalisierung von 70 Milliarden Dollar Rang zehn unter den Energiekonzernen. Das Unternehmen mit Sitz in Rom ist der größte Gasversorger Italiens. Neben dem Öl- und Gasgeschäft mit Exploration, Förderung, Raffinerie und Vertrieb sind die Italiener auch im Stromgeschäft aktiv.

Platz 9

Sinopec (China)

Der chinesische Mineralölriese zählt zu den größten Energiekonzernen des Landes und erreicht an der Börse eine Marktkapitalisierung von 80,9 Milliarden Dollar. Das Unternehmen mit Sitz in Peking ist im Hang-Seng-Index notiert.

Platz 8

Total (Frankreich)

Die Franzosen betreiben in Europa ein dichtes Tankstellennetz. In mehr als 30 Ländern fördert der Konzern Öl und Gas. Der Konzern mit Sitz in Courbevoie nahe Paris erreicht einen Börsenwert von 124 Milliarden Dollar.

Platz 7

Gazprom (Russland)

Der russische Konzern rangiert an der Weltspitze der Gasförderer. Das Moskauer Unternehmen ist an der Börse mit 116 Milliarden Dollar bewertet. Gazprom kontrolliert fast die gesamte Erdgasförderung Russlands.

Platz 6

Petrobras (Brasilien)

Der halbstaatliche Konzern mit Sitz in Rio de Janeiro hat eine Marktkapitalisierung von 125,1 Milliarden Dollar. Die Brasilianer sind besonders in der Offshore-Förderung von Öl stark. Der Konzern wurde ursprünglich zur Abwehr von US-Konzernen gegründet.

Platz 5

BP (Großbritannien)

Die Katastrophe im Golf von Mexiko hat den Konzern in Bedrängnis gebracht. Aktuell ist das Unternehmen mit 129,1 Milliarden Dollar bewertet. In Deutschland wird Benzin und Diesel unter der Marke Aral vertrieben.

Platz 4

Chevron (USA)

Der US-Konzern ist auf dem Parkett 213,4 Milliarden Dollar wert. Die Hauptsitze sind im kalifornischen San Ramon sowie im brasilianischen Fortaleza. Der Konzern ist im Bereich der geothermischen Energiegewinnung führend.

Platz 3

Royal Dutch Shell (Großbritannien)

Das Unternehmen mit Sitz in London und Den Haag zählt zu den drei größten Öl- und Gaskonzernen der Welt. Shell ist in mehr als 180 Ländern aktiv. An der Börse ist der Konzern mit 216,4 Milliarden Dollar bewertet.

Platz 2

PetroChina (China)

Die Chinesen schoben sich auf rang zwei der größten Öl- und Gaskonzerne vor. An der Börse ist der Konzern 249,2 Milliarden Dollar wert. Das Unternehmen ist besonders im Sudan aktiv und steht deswegen in der Kritik.

Platz 1

Exxon Mobil (USA)

Die Spitze der Öl- und Gaskonzerne erobert Exxon Mobil mit einer Marktkapitalisierung von 399,7 Milliarden Dollar. Das Unternehmen entstand 1999 durch den Zusammenschluss von Exxon mit Mobil Oil. Das Unternehmen gilt als Nachfolger der Standard Oil Company des legendären Milliardärs John D. Rockefeller.

Nach dem US-amerikanischen Umweltgesetz, dem Cleanwater Act, kann die Regierung bei erwiesener grober Fahrlässigkeit bis zu 4300 US-Dollar (3500 Euro) pro ausgelaufenem Barrel Rohöl verlangen. Sollte dies nicht nachgewiesen werden, läge der Satz nur bei 1100 Dollar pro Barrel.

Im April 2010 waren nach der Explosion der BP-Ölplattform „Deepwater Horizon“ elf Menschen ums Leben gekommen. Zwischen vier und fünf Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl waren ins Meer gelaufen und hatten Teile der Küsten in fünf US-Bundesstaaten verschmutzt.

An der Börse machte der Vorstoß am Mittwoch mächtig Eindruck: Anleger trennten sich in Scharen von der BP-Aktie, deren Kurs zeitweise um 4,5 Prozent einbrach. Experten zufolge erscheint ein außergerichtlicher Vergleich mittlerweile unwahrscheinlich. Das Gerichtsverfahren könne sich daher über Jahre hinziehen.

Kommentare (2)

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Lutz

05.09.2012, 17:36 Uhr

4300 US-Dollar x 5 Millionen Barrel ?

Da können die die Bude ja dicht machen.

Account gelöscht!

05.09.2012, 17:59 Uhr

BP muss die Umweltschäden beseitigen - mehr nicht. Es war die erste Teifenbohrung dieser Art und der Öldruck übertraf alle Berechnungen - ein Unfall aber keine grobe Fahrlässigkeit.

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