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27.01.2012

00:29 Uhr

Ölleck vor Rio

Staatsanwaltschaft Brasiliens will Chevron verklagen

Dem US-Ölkonzern Chevron droht wegen der Ölverschmutzung vor der Küste Brasiliens eine strafrechtliche Klage. Chevron habe fahrlässig gehandelt, sagen brasilianische Regierungsvertreter. Das sieht Chevron freilich anders.

Nach Chevron-Angaben entwichen im November durch das Bohrloch 2400 Barrel Öl in den Ozean Reuters

Nach Chevron-Angaben entwichen im November durch das Bohrloch 2400 Barrel Öl in den Ozean

CamposWegen eines Öllecks vor Rio de Janeiro will die brasilianische Staatsanwaltschaft den US-Ölkonzern Chevron strafrechtlich verklagen. Drei mit dem Vorhaben vertraute brasilianische Regierungsvertreter sagten am Donnerstag, gegen den Brasilien-Chef George Buck sowie weitere Mitarbeiter solle innerhalb weniger Wochen vor einem Bundesgericht in Campos vorgegangen werden. Buck und Chevron hätten fahrlässig und unverantwortlich gehandelt, sagte ein Regierungsvertreter.

Auch gegen das Bohr-Unternehmen Transocean, dessen Anlage bei der Operation eingesetzt wurde, dürfte Anklage erhoben werden.

Es liegt nun am zuständigen Richter, die Anklage anzunehmen. Ein Chevron-Sprecher wies das Vorhaben als unbegründet zurück. Der Konzern sei zuversichtlich, das sich bei Begutachtung aller Fakten ein angemessener und verantwortlicher Umgang mit dem Vorfall herausstellen werde. Ein Transocean-Sprecher wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Nach Chevron-Angaben entwichen im November durch das Bohrloch 2400 Barrel Öl in den Ozean. Erst kürzlich wurde Chevron in Brasilien wegen der Ölverschmutzung auf Schadensersatz in Milliardenhöhe verklagt.

Wegen Umweltverschmutzung im Amazonas-Gebiet muss Chevron bereits in Ecuador 18 Milliarden Dollar Schadensersatz zahlen. Ein Berufungsgericht hatte das Urteil bestätigt einer ersten Instanz vom Februar. Damals wurde der Ölmulti zunächst zu einer Zahlung von 8,6 Milliarden Dollar verdonnert.

Die Summe wurde aber später mehr als verdoppelt, weil Chevron sich nicht - wie in dem Urteil gefordert - öffentlich entschuldigte. Das Urteil werde in allen Teilen bestätigt, auch in der Frage der moralischen Wiedergutmachung, erklärte nun das Gericht in der Stadt Lago Agrio.

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