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16.01.2008

17:20 Uhr

Österreicher steigen bei Zulieferer ein

Polytec will Grammer schlucken

VonMarkus Fasse

Die Österreicher kaufen zehn Prozent am angeschlagenen Oberpfälzer Autozulieferer und sprechen von „strategischemInteresse“. Damit schreitet die Konzentration auf den Zuliefermarkt, getrieben von den mächtigen Abnehmern, weiter voran. Und Polytec bestätigt seinen ruf als schnellstwachsendes Industrieunternehmen Österreichs.

MÜNCHEN. Der schlingernde Autozulieferer Grammer könnte schon bald seine Eigenständigkeit verlieren. Der österreichische Kunststoffhersteller Polytec gab bekannt, 9,59 Prozent der Grammer-Anteile erworben zu haben. Dabei solle es nicht bleiben. Die Österreicher streben offenbar eine Komplettübernahme des Spezialisten für Kopfstützen, Armlehnen und Mittelkonsolen an.

„Wir haben ein strategisches Interesse an Grammer“, bestätigte ein Polytec-Sprecher auf Anfrage. Polytec hat sich in den vergangenen Jahren als Lieferant von Dachhimmeln und Türverkleidungen ein starkes Standbein in der Autoindustrie aufgebaut. „Mit Grammer könnten wir zu einem Systemhersteller im Innenraum aufsteigen“, heißt es bei Polytec.

Grammer wollte die Meldung am Dienstag nicht kommentieren. „Wir haben erst kurzfristig von dem Einstieg erfahren“, sagte eine Unternehmenssprecherin. Polytec kündigte an, schon bald das Gespräch mit dem Management und den Investoren von Grammer zu suchen. Neben den 9,5 Prozent von Polytec werden weitere 16 Prozent von Finanzinvestoren gehalten, der Rest ist im Streubesitz. Mit einem Kurs von unter 16 Euro hatten die Papiere Ende Dezember einen neuen Tiefpunkt erreicht.

„Wir sind auf dem Präsentierteller und wir sind angreifbar“, sagte Vorstandschef Rolf-Dieter Kempis erst Ende Oktober im Gespräch mit dem Handelsblatt. Kempis hatte sich Ende September vom Chef der Automobilsparte Uwe Wöhner getrennt und dem Unternehmen nach einer Gewinnwarnung im Oktober eine Rosskur verordnet. Grammer will weltweit 700 seiner 9 000 Stellen streichen und die Kosten pro Jahr um 30 Mill. Euro drücken.

Polytec ist gegen den Trend in den vergangenen Jahren im Autogeschäft kräftig gewachsen. Vorstandschef Friedrich Huemer hat das Unternehmen vor 21 Jahren gegründet und hält heute immer noch rund ein Drittel des in Wien gelisteten Unternehmens. Machte dieses 1986 noch acht Millionen Euro Umsatz, so sind es heute 800 Millionen. Polytec gilt als das schnellstwachsende Industrieunternehmen Österreichs. „Wir sind akquisitionsgetrieben und Grammer passt gut in unser Konzept“, sagt ein Polytec-Sprecher.

Die Oberösterreicher haben bereits mehrere Kunststoffproduzenten in Deutschland übernommen und wollen einen schlagkräftigen Zulieferkonzern schmieden. Mit Grammer, das zuletzt einem Umsatz von 880 Mill. Euro erzielte, würde Polytec in die erste Liga der europäischen Autozulieferer aufsteigen. „Wir wollen mit unseren Abnehmern auf Augenhöhe sein“, verkündet Konzernchef Huemer stets.

Denn auch in der Autoindustrie schreitet die Konzentration voran. BMW, einer der Hauptabnehmer von Grammer, brütet derzeit über einer neue Sparrunde für seine Zulieferer. Die Bayern denken zudem über eine engere Kooperation mit dem Erzrivalen Daimler nach, um im Klein- und Mittelklassesegment die Kosten zu drücken. Und auch der neue Verbund zwischen Porsche, Volkswagen und Audi dürfte die Verhandlungsmacht der mittelgroßen Zulieferer weiter untergraben. Derzeit sind jährliche Preisnachlässe von 2,5 Prozent in der Branche üblich.

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