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18.03.2014

18:34 Uhr

Österreichischer Stahlkonzern

Voestalpine setzt erneut den Rotstift an

Der Stahlkonzern Voestalpine verordnet sich ein neues millionenschweres Sparprogramm, um das Unternehmen wettbewerbsfähig zu halten. Anders als ThyssenKrupp will es ohne Stellenabbau auskommen.

Voestalpine schließt eine Werksschließung aus. Reuters

Voestalpine schließt eine Werksschließung aus.

WienDer österreichische Stahlkonzern Voestalpine stellt sich auf weitere schwierige Jahre für die Stahlbranche ein und verordnet sich ein neues millionenschweres Sparprogramm. Um das Unternehmen wettbewerbsfähig zu halten, sollen zwischen 2014 und 2016 insgesamt 900 Millionen Euro eingespart werden, wie Konzernchef Wolfgang Eder am Dienstag in Wien sagte. Anders als etwa der deutsche Stahlriese ThyssenKrupp wollen die Österreicher ohne einen Stellenabbau auskommen. „Ich warne davor zu glauben, dass mit dem Abbau von Mitarbeitern die Konzernprobleme gelöst sind“, sagte Eder. Eventuell werde aber bei Nachbesetzungen oder Neueinstellung gebremst.

Von 2009 bis 2012 zogen die Linzer bereits ein Sparprogramm im Volumen von 600 Millionen Euro durch. Der Voestalpine-Chef begründete das neue Paket mit den verschärften Rahmenbedingungen für die seit zwei Jahren in der Krise steckende Stahlbranche. "Wir sind mit zunehmender Wettbewerbsintensität, einem zunehmendem Preisdruck und Überkapazitäten in der Stahlindustrie konfrontiert", sagte Eder. Zudem machen dem Konzern steigende Lohn- und Energiekosten in Europa zu schaffen. „Wir machen das, um das Ergebnis abzusichern“, sagte Eder. Das Einsparungsziel werde sich aber nicht eins zu eins im Ergebnis niederschlagen. Den Effekt auf das Ergebnis bezifferte Eder für die gesamte Periode mit rund 200 Millionen Euro. Anleger zeigten sich erfreut: An der Wiener Börse legten die Voestalpine-Aktien über sechs Prozent zu und führten damit die Gewinner im Topsegment ATX an.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Voestalpine will in allen vier Sparten den Rotstift ansetzen. Bis zu 45 Prozent der Einsparungen sollen die Stahlsparte betreffen, wo Bleche für die Automobil-, Hausgeräte- und Bauindustrie erzeugt werden. Der Rest entfalle auf die drei Verarbeitungssparten. Vor allem am Standort Linz dürfte kein Stein auf dem anderen bleiben: „Wir werden erhebliche Teile der Stahldivision in Linz neu organisieren, da wird es massive Veränderungen geben“, kündigte Eder an. Details wollte er noch keine nennen. Zuerst soll das Paket dem Aufsichtsrat vorgelegt und die 10.800 Mitarbeiter am Standort Linz informiert werden. Auch am zweiten großen Standort der Voestalpine in Österreich, in Donawitz, werde es Veränderungen geben, kündigte Eder an. „Aber nicht in dem Ausmaß wie in Linz“, sagte er.

Weltweit zählt der österreichische Konzern 500 Standorte, wovon etwa 150 Produktionsstandorte seien. Eine Schließung eines Produktionswerkes schloss der Konzernchef aus. Bei Service- und Vertriebsstandorten werde aber „sicher eine zweistellige Ziffer wegfallen“, sagte Eder. Allerdings würden gleichzeitig neue dazu kommen. Weltweit beschäftigte die Voestalpine über 47.000 Arbeitnehmer - rund 21.000 davon in Österreich.

Von

rtr

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