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05.03.2014

15:28 Uhr

Österreichs größter Stromkonzern

Verbund erwartet drastischen Gewinneinbruch

Dem österreichischen Energiekonzern Verbund machen die gesunkenen Strompreise zu schaffen: Der Betrieb von Gaskraftwerken lohnt sich nicht mehr, der Konzerngewinn schrumpft 2014 voraussichtlich um 74 Prozent.

Verbund machen ebenso wie den großen deutschen Versorgern die gefallenen Großhandelspreise zu schaffen. Vor allem Deutschland produziert derzeit mehr Strom als benötigt wird – unter anderem durch die massive Förderung von Wind- und Sonnenenergie: Strommasten in Bayern. dpa

Verbund machen ebenso wie den großen deutschen Versorgern die gefallenen Großhandelspreise zu schaffen. Vor allem Deutschland produziert derzeit mehr Strom als benötigt wird – unter anderem durch die massive Förderung von Wind- und Sonnenenergie: Strommasten in Bayern.

WienÖsterreichs größter Stromkonzern Verbund stellt sich auf magere Zeiten ein. Fallende Strom-Großhandelspreise infolge einer massiven Überangebots würden den Gewinn im laufenden Jahr deutlich schmälern, erklärte der teilstaatliche Konzern am Mittwoch. „Wir haben kein Umfeld, wo eine kleine Krise da ist, sondern eine revolutionäre Veränderung, die im gesamten Sektor vonstattengeht“, sagte Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber. Der Konzerngewinn werde 2014 voraussichtlich um 74 Prozent auf rund 150 Millionen Euro einbrechen, bekräftigte der Konzern.

Verbund machen ebenso wie den großen deutschen Versorgern die gefallenen Großhandelspreise zu schaffen. Vor allem Deutschland produziert derzeit mehr Strom als benötigt wird – unter anderem durch die massive Förderung von Wind- und Sonnenenergie sowie die niedrigen Preise für CO2-Verschmutzungszertifikate, durch die sich der Betrieb von Kohlekraftwerken wieder lohnt. Verbund erzeugt seinen Strom hauptsächlich aus Wasserkraft. Für diese Art der Energiegewinnung gebe es im Gegensatz zur Erzeugung aus Wind- oder Sonnenkraft keine Förderung, beklagte Anzengruber.

Verbund betreibt 125 Wasserkraftwerke, die an den großen Flüssen Donau und Inn liegen. Deutschland ist für die Österreicher neben dem Heimmarkt der wichtigste Absatzmarkt. Sie sind vor allem in Süddeutschland aktiv, wo sie im vergangenen Jahr vom Energiekonzern Eon acht Wasserkraftwerke übernommen hatten. Im Gegenzug hatten die Düsseldorfer den 50-Prozent-Anteil von Verbund am türkischen Energieunternehmen Enerjisa erhalten.

Das Geschäft mit Eon brachte Verbund Sondereinnahmen, die die Bilanz aufhübschten. Unter dem Strich steigerte der Konzern den Gewinn 2013 um fast die Hälfte auf knapp 580 Millionen Euro. Operativ brach das Ergebnis (Ebit) jedoch wegen hoher Abschreibungen auf unrentable Gaskraftwerke um 83,7 Prozent auf 147 Millionen Euro ein. Für das vergangene Jahr erhalten die Aktionäre eine Dividende von einem Euro (Vorjahr: 0,60 Euro) je Aktie.

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Für die Energieversorger lohnt sich der Betrieb ihrer Gaskraftwerke oft nicht mehr. Neue Anlagen werden gar nicht erst gebaut, zu unsicher ist die Investition derzeit. Das große Geschäft findet im Ausland statt.

Besondere Sorgen bereiten Verbund die Gaskraftwerke. „Gaskraftwerke sind in Europa nicht mehr wirtschaftlich betreibbar“, beklagte Anzengruber. Das Unternehmen hat das Gas über langfristige Lieferverträge im voraus zu hohen Preisen eingekauft. Der Betrieb der Anlagen lohnt sich aber nicht mehr, weil die Strompreise so stark gefallen sind. 2013 musste Verbund daher Abschreibungen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro vornehmen.

Neben dem steirischen Kraftwerke Mellach besitzt Verbund noch zwei Kraftwerke in Frankreich sowie eine Minderheitsbeteiligung in Italien. Damit die Gaskraftwerke nicht auf Dauer die Finanzen belasten, prüft Verbund Optionen für seine Gaskraftwerke. „Von einem Weiterbetrieb, über einen Verkauf bis hin zu einer Teil- oder Ganzstilllegung ist alles möglich“, sagte Anzengruber.

Unter die kriselnde italienische Beteiligung Sorgenia will die Firma einen Schlussstrich ziehen. Der 46-Prozent-Anteil an der ums Überleben kämpfenden Versorger wurde per Jahresende 2013 zur Gänze abgeschrieben. Sorgenia war wegen fehlgeschlagener Investitionen in Gaskraftwerke in Turbulenzen geraten. Finanziell unter die Arme greifen wollen die Österreicher dem Unternehmen nicht mehr, nachdem sie seit 1999 insgesamt 650 Millionen Euro investiert hatten.

Von

rtr

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